Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 26 (1862)
- Issue
- Heft 3 (14.1.1862)
- Date
- 1862-01-14
- Page
- Seite 30 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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sch önern, um dadurch zu demselben Ziele zu gelangen. Die Worte Goethes lösen uns auch das Räthsel, daß unsere Väter-bei sehr unschönem Gottesdienstedennoch der tiefsten'Gefühle der Weihe und' Erhebung nicht ermangelten, daß Das, was unfern gebildeten Geschmack verletzend berührt , sie nicht im Geringsten störte. Das in der Dämmerung weilende Erhabene verhüllte das Unschöne und machte es nicht fühlbar. Es ist jetzt in der Zeitungspresse fast ganz allgemein geworden, Lei Entlehnungen aus anderen Zeitungen die Quelle genau anzugeben. Die „Allg. Ztg. d. Iudenth." wird von den Blättern noch nicht so gerecht behandelt, und es kommen sehr häufig Fälle vor, wo Artikel ihr entnommen werden, die dann die Runde durch die öffentlichen Blätter machen, und zwar indem d i e Zeitung als Quelle angegeben wird, welche so freundlich war, den Artikel von uns ohne Nennung unserer Zeitung zu entj lehnen. Als wir im vorigen Jahre einmal unter der . Überschrift „Suum cuique“ eine desfallsige Mahnung erließen, wurde dies von einigen jüdischen Zeitschriften sehr übel ausgenommen -rman läßt sich eben nicht gern . Lei Lichte besehen, wenn mast etwas zu verbergen hat. Die „Vüritö i8rsS!it6"" zieht sich vom Kampfplatz zurück, indem sie den Mantel der zarten Sittlichkeit um sich wirft und meint, die Presse dürfe sich nicht in Persönlichkeiten einlassen. Ganz recht! Aber, liebe V6rit6, wer hat denn angefangen? Waren Sie es nicht? Auch war es uns nicht um Persönlichkeiten zu thun, sondern darum, daß die jüdischen Journale in Frankreich, wenn ihnen- oder ihren Schützlingen, oder Schutzherren eine Wahrheit gesagt wird, sofort behaupten: die deutschen Zeitungen griffen die französischen Israeliten in Masse an. Es ist dies eine Feigheit, indem sie so, statt sich selbst zu vertheidigen, sich von ihren Glaubensbrüdern in Masse vertheidigen lassen wollen und sich hinter diese Schutzwehr zurückziehen, zugleich mit der Boßheit, die deutsche Presse der Juden bei den französischen Glaubensgenoffen in Verruf zu bringen. Dies Manöver muß Manaufdecken, und, so überflüssig es wäre, erklären wir nochmals, daß wir die Höchste Ächtung vor den französischen Israeliten hegen, und es uns niemals einfällt, sie anzugreifen, wenn wir auch manche ihrer Institutionen, die ihnen noch dazu, wie die Consistorien, octroyirt sind, zu tadeln einmal veranlaßt sind. Viele der ausländischen jüdischen Zeitschriften weisen, wenn irgend eine Streitfrage unter, den Juden Deutschlands sich kuNd giebt, immer mit großer-Selbstzufriedenheit auf die Einigkeit hin, die bei ihnen herrsche, und daß sie auf Spaltungen und Streitigkeiten sich gar nicht einließen. Es erregt dies immer ein Lächeln bei uns. Sehen denn diese Herren nicht ein, daß sie ihre Einigkeit nur der Indolenz und Gleichgültigkeit zu verdanken haben? daß sie keinen Kampf haben, weil sich Niemand um Das bekümmert, um was sich kämpfen ließe? Wo Leben ist, da ist auch Streben, Ringen, Verschiedenheit der Ansichten, gegenseitige Bekämpfung derselben, Schaffen und Erreichen — wobei denn immerhin die Feder anstatt in Tinte, in Galle getaucht werden mag, das ist vorübergehend und wiegt den hohen Werth des Lebens und der Schöpfungen nicht auf. Wo kein Kamps, keine Verschiedenheit der Anschauung, kein Ringen, kein Streben — da ist auch kein Leben und kein Schaffen, und das ist der beklagenswertheste Zustand. Viel lieber Parteiung und Zwiespalt, als Tod und Schweigen der Wüste. Literarischer Wochenbericht. Magdeburg, 5. Januar. Angekommen: Wörterbuch der deutschen Sprache von vr. Daniel Sanders. Neunzehnte Lieferung (Natter — Ordnen). Leipzig 1861. — N2v, die Emancipation der Juden von Kolon an Graf Majläth (ins Hebräische übersetzt und mit einem hebräischen Gedichte eingeleitet), von I. Ch. Korn. Lemberg 1861. — Gedenkrede zu Ehren des sel. Herrn Rabb. Moses Präger, weil. Rabbiner zu Mannheim, von Rabb. vr. Leopold Stein. Frankfurt a. M. 186!.— üpb. Blumenlese neuhebräischer Dichtungen vom zweiten bis zum dreizehnten Jahrhundert. Chronologisch geordnet von vr. H. Grätz. Breslau 1862. (Siche die Anzeige des ersten Heftchens im vorigen Jahre S. 354.) — Das Interregnum Polens im Jahre 1587 und die Parteikämpfe der Häuser Zborowski und Zamojski. Nach den Quellen bearbeitet von Dr. I. Karo. Gotha 1861. — Die'Rechte der Israeliten, Athener und Römer, mit Rücksicht . auf die neuen Gesetzgebungen für Juristen, Staatsmänner, Theologen, Philologen, Philosophen und Geschichtsforscher in-Parallelen dargestellt. Ein Beitrag zu einem Systeme und zu einer Geschichte des Universalrechts von 0?. Samuel Mayer, Rechtsanwalt in Hechingen. - . ' ■