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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1862-01-14 · Heft 3 (14.1.1862) · p. Seite 28

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
26 (1862)
Issue
Heft 3 (14.1.1862)
Date
1862-01-14
Page
Seite 28 (sequence 4)
Language
German
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S8 Religion zu fassen und zu verstehen, aber auf dem ge-. schichtlichen Boden beharrend. Wo ist also hier der Widerspruch zwischen dem Bewußtsein und der jüdischen Cultusreform? k Es ist hiernach , überflüssig, in der Besprechung der jüdischen Feste dem Verfasser jenes Artikels zu folgen, und wir erlauben uns nur, einige Bemerkungen desselben hervorzuheben, die er gegen Aussprüche des Schreibers Dieses gerichtet hat, und wird man erstaunen, wie ein Mann, der über das Bewußtsein der Juden und den Werth der. Cultusreform urtheilen will, dies trotz großer Unkenntniß der Bibel zu thun wagt, und daß die Redaction der protestantischen Kirchenzeitung die Beweise seiner Unwissenheit ruhig zuläßt. Freilich hätten wir von Herrn M. M. verlangen können, daß er, falls er unsere Meinungen anführen und beurtheilen wollte, diese nicht lediglich aus dem kleinen Paragraphen unseres „Kleinen Katechismus", der die Feste betrifft, entnehme, daß er vielmehr den betreffenden Abschnitt in unserm „Katechismus der israelitischen Geschichte, Liturgie u. s. w," zu Grunde lege, oder unser Bibelwerk nachsehe. Jndeß soll dies nichts zur Sache thun. Zum Sabbath rügt er, daß wir „nicht zufrieden sind, ihn einfach als Ruhetag zu betrachten, sondern behaupten, daß der Israelit sich durch die Feier desselben zugleich zu der Ueberzeugung bekenne, daß Gott das Weltall aus dem Nichts geschaffen", — der Mann kennt also den Wortlaut der zehn Gebote nicht, wo, wie jedes wohlunterrichtete Judenkind weiß, es heißt: „Sei eingedenk des Ruhetags, um ihn zu heiligen rc., denn in sechs Tagen schuf Gott den Himmel und die Erde und das Meer und . Alles, was darinnen und ruhte am siebenten Tage" (2 Mos. 20, 8—11.). Bei Gelegenheit des Peßachs erklärt er unsere Deutung, daß das Fest die Erinnerung an den Auszug aus Aegypten enthalte, „zugleich aber auch den Israeliten immer wieder zum Bekenner des einig-einzigen Gottes weihe", für gezwungen und unwahr, da in der Bibel immer nur die Einzigkeit, niemals aber die Einigkeit Gottes gelehrt werde. Man kann dies dem christlichen Neophyten nicht verdenken, da die Einigkeit Gottes einer der besonderen Widersprüche ist, welche das Judenthum erhebt, nämlich gegen, die christliche „Dreieinigkeit". Wer die Bibel nicht so oberflächlich kennt, wie Herr M. M., weiß, daß die Peßachfeier sich nur an die Feier am Abend vor dem Auszuge an Aegypten. lehnt, und diese durch das Schlachten des Peßachlammes, das Sprengen des Blutes an die -Pfosten, das Verzehren des Lammes mit den dabei zu beobachtenden Ceremonien die priesterliche Weihe.aller Israeliten vorstellte, und daß demnach die Wiederholung der Peßachfeier diese Weihe immer wiederholen. soll, wie denn auch nur ungesäuerte Brote das ganze Jahr von den Priestern im Tempel verzehrt werden durften. . Die Grundlehre der heil. Schrift gebraucht von Gott das Wort ‘■mis, und jeder Kundige weiß, daß dieses Wort eben sowohl „einig" wie „einzig" bedeutet, z. B. Ezechiel 11, 19.; 2 Mos. 26, 6.; Jos. 9, 2. Freilich konnte das Judenthum sich so lange mit dem Begriff „einzig" begnügen, als es nur der Vielgötterei des Heidenthums gegenüberstand, muß aber auch „einig" betonen, seitdem trotz der Einzigkeit Gottes eine Mehrheit der Persönlichkeiten in der Gottheit zu einem Dogma wurde. Es ist dies freilich einem getauften Juden unbequem, muß aber von ihm hingenommeu werden. Bei dem Wochenfeste findet Herr M. M. die zehn Gebote nicht für wichtig genug, daß ihre Verkündigung gefeiert werde. Hierüber wollen wir nicht mit ihm streiten; vielleicht fand er unter diesen-Geboten eines, was ihm das Vergessen derselben wünscheuswerth macht. Wenn er aber sich darüber aufhielt, daß wir das Wochenfest als das Fest der Verkündigung der zehn Worte und des israelitischen Bekenntnisses bezeichnen, undffrägt, wo denn in den zehn Geboten das Bekenntniß läge? — so bezeugt er hiermit wiederum seine Unwissenheit, denn er weiß nicht, daß jeder Israelit am Wochenfeste bei der Überreichung der Erstlinge ein Bekenntniß abtegte, das in der heiligen Schrift ausdrücklich formulirt ist. — Der Leser wird an diesen Proben genug haben. Wenn hiermit nachgewiesen ist, daß dem Herrn M. M. der Beweis, daß die jüdische Cultusreform dem Bewußtsein der „gebildeten Juden" nicht entspreche, völlig mißglückt sei, so finde die Bemerkung hier noch Platz, daß, wenn jenes ihm wirklich gelungen wäre, er. im Grunde noch wenig erreicht hätte. Wenn ein öffentlicher Gottesdienst nur wesentliche Momente der Erhebungder Weihe und Andacht, der religiösen Belehrung und Erweckung enthält, kann es nicht darauf ankommen, daß einzelne Elemente. desselben Einzelnen in der Gemeinde nicht ganz entsprechen. Denn Herr Al. M. soll uns erst irgend einen öffentlichen Gottesdienst, in welcher Religion es sei, zeigen, bei dem dies nicht gleicher Weise der Fall wäre; ja, gäbe es einen solchen, so würde er so färb- und gehaltlos sein, daß er Niemandem entspräche. . Man denke z. B. an die Predigt, welche einen

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