Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 26 (1862)
- Issue
- Heft 2 (7.1.1862)
- Date
- 1862-01-07
- Page
- Seite 20 (sequence 8)
- Language
- German
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braucht, den jungen Mann nur probeweise auf drei Jahre anzustellen. — Während der acht Monate seiner Amtswirksamkeit hat aber der junge Mann so deutlich seine Unreife an den Tag gelegt, daß bereits der größere Theil der Gemeinde sich gegen ihn ausspricht, und der andere Theil im Herzen wohl beistimmt, aber ans Verwavdtschafts- oder allerlei sonstigen Rücksichten noch an ihm und zu ihm hält. Eine Frage jedoch erfüllt diese Partei mit Furcht und Bangen, wie es nämlich nach drei Jahren aussehen werde, wenn in acht Monaten schon eine solche Opposition sich'gebildet hat? „Jetzt oder nie," ruft sich diese Partei zu, „ist es noch möglich, das Provisorium in ein. Definitivum zu verwandeln!" Man sucht daher alle Hebel in Bewegung zu setzen, um das Definitivum jetzt schon zu erlangen. Bor einem Monate ungefähr wurde der erste Versuch dazu in einer Vorstandssitzung gemacht. Unter dem Vorwände, dem Rabbiner ein schönes Hochzeits-Geschenk zu machen, brachten die Freunde desselben den Vorschlag zur definitiven Anstellung ein. Doch die Gesinnungstüchtigen im Vorstände, Männer, deren Stimme in Bezug ans jüdisches Wissen maßgebend sein muß, traten mit aller Kraft dagegen aus und motivirten ihre Opposition damit, daß man nach dem gemachten Contracte vor drei Jahren von einer definitiven Anstellung nicht sprechen könne und daß die acht Monate der Amtswirksamkeit des Rabbiners eher einen Beweis gegen als für dessen Befähigung liefern. In Folge dessen mußte der Antrag fallen gelassen werden. Wohl wäre es klug gewesen, die Sache jetzt gänzlich fallen zu lassen; allein die Leidenschaft kennt keine Mäßigung. Der Rabbiner brachte in seiner Predigt am nrrw, die ich selbst anzuhören Gelegenheit hatte,, seine Sache auf die Kanzel und stellte so sich und seine Gemeinde dem Gerede aller zum Brunner Markte versammelten Welt bloß. Er verglich sich dabei mit Josua, dem Hohepriester, seine Gegner mit dem Satan, seine zu wenig wirksamen Freunde mit dem ittiy 'i -[*6?:, mit einem müssig zusehenden Engel Gottes; Gott aber werde ihm schon a*>3bn?: thätige, energische Freunde geben rc. rc. Von dieser Zeit treten die v^bn?: auf. Vater, Sohn und Schwiegervater gehen von Haus zu Haus, um die Leute für sich zu gewinnen; Geldmänner suchen durch ihren Einfluß auf die Geschäftswelt schwache Charaktere und die minder unabhängigen Leute zu sich hinüberzuziehen. Dies erbittert die Gegner noch mehr. Noch steht die Hälfte des Vorstandes fest und unerschütterlich in seiner Opposition und droht mit dem Austritte aus der Gemeinde, wenn die ungerechte Sache den Sieg erringen sollte. Aber die Hartnäckigkeit der andern Partei läßt sich dadurch nicht abschrecken. Das Agitiren und Jntriguiren dauert fort und es kann dahin kommen, daß die kaum gebildete Cultusgemeinde, von der so Vieles und Ersprießliches für das ganze Land zu erwarten war, gerade durch den Mann, der den Frieden schaffen und erhalten sollte, zerklüftet und zerrissen werden könnte! Krakau, im December. (Privatmitth.) Gewiß würde .ich es verschmäht haben, auf die Erwiderung in No. 48 dieser Ztg. nur ein Wort zu entgegnen, wenn es sich nicht darum handelte, den Lug und Trug des Chassidismus bloßzulegen. Die Crinolinengeschichte verhielt sich in Wahrheit folgendermaßen. Nicht Frauen, sondern einige chassidische Finsterlinge kamen aus Anlaß der herrschenden Kinderseuche zum Rabbinen mit der Bitte: er möge das Tragen der Crinol'inen verbieten, weil ihrer Meinung nach diese das Meiste zur Seuche beitragen. Der Herr Rabbiner besann sich nicht lange und ließ in allen Shuagogen und ■'ns folgende Kundmachung publiciren: „Im Namen des Oberrabbinen wird verkündet, daß man aus Anlaß der jetzt in der Gemeinde herrschenden Kinderseuche sich veranlaßt sah, die Sünden der Stadt zu suchen, und man hat befunden, a, daß die Bäcker nicht die nöthigen Schaufeln haben, b, daß die Frauen Viele verleiten mit Dem, was sie die breiten Reifröcke tragen*), daher, wer Gottesfurcht im Herzen hat, soll das Crinolinentragen in seinem Hause verbieten. Vorläufig macht man aber bekannt, daß man wird von heute den Wächter stellen bei den Synagogen an Sabbath und Festtagen, daß sich keine Frau wagen soll, die Synagoge zu besuchen mit solchen breiten Reifröcken; vielleicht wird der Allmächtige schonen, vielleicht wird er sich erbarmen und zu dem verderbenden Engel sagen: Laß ab deine Hand und verderbe nicht!" Daß man gegenüber einem solchen Aktenstücke, welches in massenhaften Exemplaren allhier verbreitet. ist, es wagen würde, diese Thatsache zu läugnen, konnten wir uns wahrlich nicht vorstellen. Uebrigens hat diese *) Worte des Originals.