Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 26 (1862)
- Issue
- Heft 2 (7.1.1862)
- Date
- 1862-01-07
- Page
- Seite 15 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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15 fünft fröhliche Werke zu schaffen."— Auch wir sind dieser Meinung. Jnsonders aus dem belletristischen Gebiete höre man endlich auf,- die Blut- und Verfvlgungsgeschichten zum Gegenstände der Novellen und Gedichte zu machen, treibe sich auch nicht immer in den finstern Straßen der Ghettis und in dem, lieber der Vergessenheit zu übergebenden Mauscheln umher, sondern suche vielmehr dichterisch wie wissenschaftlich die Zukunft des Judenthums durchzuarbeiten. Da, wo unsere Poesie, wie es einmal in der Natur derselben liegt, in die Vergangenheit zurückgreift, seien es vielmehr die erhabenen Gestalten der Vorzeit, die unsere Begeisterung erwecken mögen, als die bluttriefenden Menschen finsterer Jahrhunderte. Freilich wird dies für die große Zahl der Scribler schwieriger sein, als aus irgend einem abscheulichen Vorgänge ein niederdrückendes Bild zu entwerfen — aber was schadet es, wenn die größere Zahl derselben zum Schweigen kommt? Ein anderer Freund schreibt uns: „Meine Reise führte mich über Stettin; dort im jüdischen Speisehause, wo ich ein strenges Jncognito beobachtete, gewahrte ich zu meiner großen Freude, daß die Allg. Ztg. d. Jud. noch immer ein für Juden und Judenthum mächtiger Hebel ist. Die Frage nach dem Blatte ist allgemein, man liest es mit Interesse, wird angeregt und belehrt; mögen die Herren mit ihren citatenreichen Büchern immerhin vornehm thun: sie können ihren pompösen Schriften nicht den hundertsten Theil des segensreichen Einflusses vindiciren, den die bescheidene, populäre Ztg. d. Jud. geübt und zu üben sortfährt, und daß die gelehrten Herren für ihre Citatenjagd ein Publikum haben, verdanken sie zum Theil dem Organe, das ein jüdisches Publikum für ähnliche Untersuchungen hat angeregt und sogar geschaffen. „So eben erhalte ich von einer Dame, die nach einer großen russischen Stadt als Erzieherin gegangen, einen Brief, worin sie mir schreibt, daß sie außer den Schriften des Instituts vorläufig kein anderes deutsches Buch im Hause gefunden. So bringt denn das Institut, abgesehen von seiner speciellen Tendenz, deutsche Bildung in Kreise, die dem germanischen und somit dem versittlichenden Einflüsse überhaupt verschlossen blieben." — Literarischer Wochenbericht. Magdeburg, 29. December. Wir werden von jetzt ab wöchentlich alle diejenigen Erzeugnisse der Literatur, die uns jeweilig zugekommen, nach ihren Titeln verzeichnen, uns die spätere genaue Besprechung vorbehaltend: Mein fils ou le nouvcl Emile par Alexandre Weilt. Paris, 1862. — nynrr'i Religion und Liebe. Ein kleiner Katechismus für die israelitische Jugend von Nr. Julius Landsberger. Berlin, 1861. — Prifcres d’un coeur isradlile ab Livre iToffices el recueil de prieres et de meditations. Publie par la socidte cousisloriale des bons livres. Troisi&me ddition. Paris et Strasbourg, 1861. — Leibniz, la philosophie juive et la cabale par A. Foucher de Careil. Trois lectures ü l’acaddraie des Sciences morales el poliliques avec les manuscrits inddils de Leibniz. Paris, 1861. Zeitungsnachrichten. Deutschland. Aus Württemberg. Noch vor Jahresschluß kann ich die freudige Kunde bringen, daß die Juden Württembergs vollständig eman cipirt sind. Hier folgt der Bericht aus der 76. Sitzung der Kammer der Standesherren vom 23. Decbr. 1861 unter dem Vorsitze Sr. Erlaucht des Grafen v. Rechberg-Rothenlöw en. Den zweiten Gegenstand der Tagesordnung bildet der Vortrag der staatsrechtlichen Commission, betreffend den Bericht über die Unabhängigstellung der staatsbürgerlichen Rechte von dem religiösen Glaubensbekenntnisse. Referent General v. Baur. Die Commission beantragt, dem Gesetzentwürfe mit der von der Kammer der Abgeordneten beliebten Einschaltung zuznstimmen. Fürst v. Hohenlohe-Waldenburg kgnn sich nicht entschließen, ohne nur einen gedruckten Bericht zur Hand zu haben, einem Gesetze zuzustimmen, das eine Veränderung enthalte. Fürst v. Waldburg-Wurzach erklärt sich entschieden gegen ein Gesetz, gemäß dessen den Israeliten selbst in die Kammer der Zutritt geöffnet würde. Graf Pückler stimmt letzterer Erklärung bei. Fürst v. Oettingen-Wallerstein: Wenn das Gesetz sich nur auf die Israeliten erstrecken würde, die ein bestimmtes Bekenntniß haben und an einen Gott glauben, dann könnte man demselben am Ende zustimmen; aber es umfasse auch die verschiedenen, mit den drei christlichen Religionen dissentirenden Secten, die man seither nur . geduldet habe. Das gläubige Volk 2*