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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1862-01-01 · Heft 1 (1.1.1862) · p. Seite 11

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
26 (1862)
Issue
Heft 1 (1.1.1862)
Date
1862-01-01
Page
Seite 11 (sequence 11)
Language
German
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11 gehetzt hat. Es wäre doch wohl Zeit, daß die Leser dieser Zeitung mit den vielen Parentationen auf Leute dieser Sorte — selbst wenn sie von ihrer Lehrfreiheit nicht einen so extremen Gebrauch gemacht haben — verschont blieben. Uebrigens wäre es allerdings an der Zeit, daß die der Erhaltung des Judenthums in Europa, also dem Fortschritt huldigenden Juden, aufhörten, sich von den Freunden der Verwesung bei allen Gelegenheiten die unverschämtesten Prätensionen bieten zu lassen. Diese Leute und ihre stndirten und unstudirten Lohnlackeien glauben in allen Positionen die Vollbesitzer spielen zu können; und da sie wissen, daß die Liberalen ihnen nicht auf das Gebiet der zelotischen Zionsrichterei und der persönlichen Verfolgung folgen können, so erheben sie fortwährend das große Wort m;d identificiren ihre Absurditäten, ihre versteckte Götzenanbetung und ihre Pöbel- Hastigkeit mit den höchsten Interessen, ja mit ihrem Gott selber.' Solche Fromme thun allerdings auch dicke mit allen Celebritäten, die unsere Nation in diesem Jahrhundert erzeugt hat; ohne zw erwähnen, daß nicht ein einziger dieser Männer zu ihrer Sorte gehörte, hatte ja auch nur der Lebensweise nach nicht zu ihr gehören können. Haben sie ja sogar in neuester Zeit den Rosanim (Aharvniden) verbieten wollen — und thun es auch wohl nächstens ausdrücklich, ein Universitätsgebäude, ein naturhistorisches Museum u. s. w. zu betreten — weil da menschliche Skelette zu sein pflegen. — Und von ihrem N0n-P088umu8-Standpunkte haben sie vielleicht in solchen Dingen nicht unrecht. Daß aber junge sogenannte Gelehrte sie darin bestärken, ja daß man hie und da so gewissenlos ist, solchen Leuten die Erziehung der Jugend anzuvertrauen: das ist nur die Frucht einer verwerflichen Indifferenz und Mantelträgerei. Der in den Mecklenburgischen Landen „berühmte" vr. Lippschütz hält hier in der Aula der Gelehrtenschule Vorlesungen über jüdische Geschichte und Literatur" und läßt fortwährend in öffentlichen Blättern zur Subscription darauf auffordern. Nun, was das für Vorlesungen geworden sind, das kann man denkem „Der Mann hat sich blamirt", ist ein noch viel zu würdiger Ausdruck dafür. Wir hatten hier wieder ein-ganz, ganz kleines Scharmützel wegen einer Proselhtin, der die Mikwa nicht geöffnet werden sollte, weil sie die Vorbereitüng nicht beim Rabbiner, sondern beim Tempelprediger.gemacht hatte. Die- Sache ist jetzt erledigt. Es heißt inzwischen, ein Theil der hiesigen Orthodoxen, namentlich der romantische Theil derselben, beabsichtige eine totale religiöse Trennung in dieser Gemeinde. Diese Herren werden sich indeß wohl die Sache zweimal überlegen; denn sie riskiren, daß dann alle bisherigen Rücksichten der aufgeklärten Partei und des Tempels wegfallen würden, und man hier sofort zur Abschaffung des zweiten Feiertages, der Ritualien von Get und Chaliza, schreiten würde und ' wohl auch zur Rücknahme des Verbots der Controversen gegen das Ceremonialwesen von der Kanzel, zu Beseitigung der Leichen- und Beerdigungs-Riten, so wie aller separat jüdischen Armenschulen u. dgl. m. Und das Beispiel Hamburgs würde in weiten israelitischen Kreisen befolgt werden, wie es 1821 auf mehr und minder ähnliche Weise fast überall befolgt worden ist. Bei einer Sache, die so in der Schwebe hängt, bedarf es nur eines Anstoßes, und das ächtrabbinische System hat ja nicht einmal dem Anstoß des erbärmlichen Chassidismus in den Ostländern widerstehen können. Nein, unsere hiesigen Orthodoxen sind viel zu besonnen und gemüthlich, um eine solche Verantwortlichkeit über sich zu nehmen, und sich nicht lieber einige Unbehaglichkeiten gefallen zu lassen. Oesterreichischer Kaiserstaat. Wien, 11. December. Der „Köln. Zeit." schreibt man: Das von dem konfessionellen Ausschüsse des Abgeordnetenhauses entworfene Religions-Edict dürste in dieser Session kaum mehr in den Reichsrath gebracht werden, da in diesem Punkte die Absichten der Regierung mit den Wünschen der Ultramontanen Zusammentreffen. Das Ministerium hofft nämlich noch immer, daß es durch die Vermittlung des päpstlichen Stuhles gelingen werde, eine Ausgleichung zu erzielen, zu welchem Ende man mit diesem Behufs der an dem Concordate vorzunchmenden Modifikationen in Unterhandlung treten wird. Daß diese Mission eine fruchtlose sein wird, kann jetzt schon mit Bestimmtheit vorausgesagt werden. Die ultramontane Partei erhebt inzwischen immer kühner ihr Haupt und setzt Alles in Bewegung, um ihren für die Geschicke des Kaiserstaates so verhängnißvollen Einfluß zu erhalten und zu vermehren. Sie begnügte sich nicht damit, einen Protest gegen das Religions-Edict an den Reichsrath und an die Regierung gelangen zu lassen, sondern es wird der Episkopat, unbeirrt von dem ungenügenden Erfolge

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