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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1862-01-01 · Heft 1 (1.1.1862) · p. Seite 10

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
26 (1862)
Issue
Heft 1 (1.1.1862)
Date
1862-01-01
Page
Seite 10 (sequence 10)
Language
German
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1« Lere Reform anzubahnen; dagegen blieb er aus Pietät gegen den Vater, den weitgreifenden Reformbestrebungen der Rabbinerversammlungen fern, obwohl^ er grundsätzlich dieselben billigte und später sich offen dazu, bekannte.; Im Jahre 18.46 erhielt; der. Verewigte einen Ruf als. Landrabbiner in Meiningen, den er in Rücksicht des hohen Greisenalters seines Vaters, ablehnte/ zumal ihm der Gr. Oberrath die Amtsnachfolge .eben zügesichert hatte. Im folgenden Jahre 1847 ward der greise Bezirksrabbiner Präger im 80. Lebensjahre zu seinen Vätern versammelt, und unser Moses folgte ihm im Amte. Obwohl nunmehr eine freiere, weil selbstständige Stellung behauptend und ungeachtet vielseitig dazu aufgefordert, vermied unser seliger Freund dennoch, die Bahn einer entschiedenen, religiösen Reform zu betreten, sein milder, versöhnlicher, den Frieden über Alles liebender Charakter hielt ihn davon ab. Dem Cultus hingegen widmete er von nun an seine volle Aufmerksamkeit und Sorgfalt, er wollte ihn erhebender, .erbaulicher und nutzbringender machen; er arbeitete um diese Zeit sein Erbauungsbuch aus, das im Jahre 1851 zu Brilon erschien und . im vergangenen Jahre in veränderter und verbesserter Gestalt herausgegeben wurde. In diesem Jahre verband er sich , auch ehelich mit seiner an Herzenstugenden ihm gleichenden, treuen, hingebenden, nunmehr von Kummer beschwerten Lebensgefährtin. , Im Spätjahre 1854 wählte ihn die hiesige Gemeinde zu ihrem. Rabbiner und eröffnete ihm die Bahn, auf der er unsterblichen Ruhm sich errungen. Wir wagen es nicht, sein Leben und Wirken von hier ab zu schildern; ist -dies ja in unser Aller Herz und Gedächtniß mit unverlöschlichen Zügen geschrieben — und dem kommenden Geschlechts mag es die vortreffliche Gedächtnißrede erzählen, die eben dem Drucke übergeben worden. Was wir mit dem am 8. d. M. Heimgegangenen verloren,, bekundete die aufrichtige Trauer, die der der Todesnachricht auf Aller Gesicht sich ausprägte und heute noch nicht verwischt ist, bezeugte ferner die allgemeine Theilnahme bei der Leichenbestattung und der darauf folgenden Seelenfeier. Zehn befreundete Amtsgenossen von Nah und Fern gingen trauernd hinter der Bahre her;-alle Kaufläden der israelitischen Gemeinde waren geschloffen, aller Geschäftsverkehr ruhte zur Zeit, da man dem verehrten Seelenhirten die letzte Ehre erweisen sollte. Die Grabrede hielt der stellvertretende Klausrabbiner Lindemann; nach ihm drückte der Vorsteherl des Shnagogenraths, Herr vr. Ladenburg, die Gefühle der Gemeinde in kurzen, aber inhaltsschweren treffenden Worten aus. Es folgte nunmehr eine eben so erschütternde,, als erhebende Seelenfeier'in der Synagoge, wobei Herr Rabbiner Vr. Stein, aus Frankfurt die Gedächtnißrede hielt, die, anknüpfend an die Einweihungs- Predigt des verewigten Lehrers in sinniger und würdigster Weise dessen Verdienste um die Gemeinde und. ganz Israel hervorhob. Wenn der ausgezeichnete-Kanzelredner am Schlüsse seines Vortrages sagte: „Nur ein so lcher Mann konnte in solcher Gemeinde Solches leisten", so sagen wir: „Nur ein solcher Redner mit dem liebeswarmen. Herzen und der Feuerzunge konnte vor solcher Gemeinde eines solchen Tobten würdige Feier bereiten." „Der Gerechte bleibt in ewigem Andenken." —. Diesem Nekrologe lassen Sie mich hinzufügen, daß unsere Gemeinde die Verehrung gegen ihren verklärten Lehrer auch durch die That erwiesen hat. Die Gemeinde hat der Wittwe desselben eine lebenslängliche Pension von 500 Fl. zugesichert; ein Comito brachte in wenigen Tagen 1200 Fl.-zur Errichtung eines würdigen Grabdenkmals zusammen und widmete der Wittwe eine von fämmtlichen Mitgliedern der Gemeinde unterschriebene Beileidsadresse, und veranlaßt die Herausgabe des Bildnisses des Verewigten zu Gunsten der von ihm gestifteten Waisenanstalt. W—- — r. Auö dem Großherzogthum Baden, im December. (A. Z.) In Baden-Baden ist dem Baron Rothschild, trotz der Bevorwortung der Staatsbehörde und trotzdem, daß er mit vielen Kosten großen Grundbesitz dort erworben hatte, vom großen Bürgerausschuffe die Aufnahme als Gemeindebürger, fast mit Einstimmigkeit versagt worden, weil er ein Israelit ist. Es besteht nämlich im Großherzogthum Baden bezüglich der Aufnahme von Israeliten zu Gemeindebürgern die gesetzliche Bestimmung , daß diese. Aufnahme in Orten, wo bisher noch keine Israeliten ansässig gewesen sind, lediglich von der Gemeinde'selbst abhängt. Hamburg, im December. (Privatmitth.) Bor Kurzem war dieser Zeitung des Judenthums ein-Panegyricus auf einen verstorbenen Rabbi eingeschickt worden, von dem kein Mensch so etwas gehört - hat, außer daß er -im - vorigen Jahr -den Pöbeh gegen die Chronik lauft

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