Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 26 (1862)
- Issue
- Heft 1 (1.1.1862)
- Date
- 1862-01-01
- Page
- Seite 9 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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s passivem Wahlrecht im ganzen Lande 16 Israeliten ausgenommen. Davon treffen das Oberamt Göppingen allein 5; Eßlin g en, Neresheim und Stuttgart je 2; Hall, Kirchheim, Künzelsaü, L a u b h e i m, L u d w i g s b u r g je 1. In Stuttgart ist der Direktor der Königl. Hofbank, Geheimer-Hofrath v. Kaulla bis jetzt Mitglied der Handels- und Gewerbekammer, undVeitWe i l, Leimfabrikant in O b e r - d orf Oberamts Neresheim, Mitglied der Siebener- Commisfön. Kassel, 9. December. Gestern starb in Folge eines Gehirnschlages/ Dr. pllil. Jakob Pinhäs im 73. Lebensjahre. Fast ein halbes Jahrhundert wirkte der Verblichene als Publicift, von 1813 — 1850 als verantwortlicher Herausgeber der Kaffel'schen Allgemeinen Zeitung, von 1854—1860 als Redacteur der Kasseler Zeitung. , (Auch für diese Zeitung hat der Verblichene von Zeit zu Zeit Beiträge geliefert, so noch in No. 35 und 36 dieses Jahrgangs den Aufsatz: „Zuständigkeit der Rabbinen zu Gutachten, in weltlichen oder Staatszwecken.". Ueberhaupt war vr. P. für die jüdische Angelegenheit Hessens auch als Mitglied des Provinziat- Vorsteheramtes thätig.) Mannheim, im December. (Privatmitth.) Durch ein Versehen wurde Ihnen der folgende Nekrolog des sel. Stadtrabbinen Präger nicht rechtzeitig übersandt. Das Interesse an dem frühverklärten Manne ist aber zu groß, als daß diese Erinnerung an ihn nicht noch einen Raum in diesen Blättern finden sollte.; Ne k r o l o g. Die erste Stunde der Ruhe und Fassung, die wir nach dem tief empfundenen schweren Verluste unseres innigstgeliebten und verehrten Freundes, des seligen Stadlrabbiners Präger wieder gewonnen, glauben wir dazu verwenden zu sollen, daß wir für die zahlreichen Freunde und Verehrer desselben seinen Lebens¬ und Bildungsgang in kurzen Umrissen entwerfen. Moses Präger wurde am Neujahrstage 1847 zu Altdorf, Amtsbezirks Ettenheim, geboren. Sein Vater, ein Mann der alten Schule und . Richtung, , mit gründlichen rabbinischen Kenntnissen ausgerüstet, von milder und versöhnlicher Gemüthsart, den profanen Wissenschaften zwar fremd, aber durchaus nicht feind,, ward im Jahre 1822 als Bezirksrabbiner nach Bruchsal .berufen: In der dortigen israelitischen Schule genoß der geisteörege Knabe den ersten Elementarunterricht, während er im zarten Alter schon vom Vater ins Hebräische eingeführt und zum Studium der Bibel in der Ursprache vorbereitet wurde. Zur Freude seiner Eltern Wiesseiner Lehrer wuchs der Knabe wie an Jahren, so an Kenntnissen und Lernbegierde, und wurde darum zur theologischen Laufbahn bestimmt. Ein fleißiger und wissensdurstiger Schüler, ward er bald der Liebling seiner Lehrer; zu Hause lehrte ihn der Vater Bibel und Talmud kennen. Nach einigen Jahren des besten Fortgangs sollte der Jüngling auch mit der Lehrweise anderer namhaften Tälmudlehrer sich bekannt machen und wurde zu diesem Behufe nach Karlsruhe und einige Zeit später hierher geschickt. ^Nachdem er so im rabbinischen Fachstudium gründliche Kenntnisse gesammelt, kehrte er im Herbste , des Jahres 1834 ins Vaterhaus zurück, saß von Neuem zu den Füßen seines väterlichen Meisters, mit warmer Kindesliebe die Unterweisung des greisen Vaters in sich ausnehmend,! trat überdies in die oberen Classen des Gymnasiums ein, das er im Jahre 1837 absolvirte. . So vorbereitet, bezog er alsobald die Universität Heidelberg, wo er bis zum Jahre 1839 seinen Studien mit Fleiß und Eifer oblag, so daß er noch in demselben Jahre die wissenschaftliche Prüfung mit Auszeichnung bestand und im nächsten Jahre nach gleichfalls glücklich bestandenem jüdisch theologischen Examen unter die Zahl der Rabbinatscandidaten ausgenommen wurde. Seine erste Probepredigt, ausgezeichnet eben so wohl durch Jdeenreichthum und glänzende Diction, als streng logische und leichtfaßliche Anordnung, prognosticirte ihm, er werde mit der Zeit ein talentvoller, tüchtiger Kanzelredner werden, als welchen er sich später auch in vollem Maße bewährt hat. Vom Jahre 1840 ab nahm ihn der Vater zum Vicar an seine Seite und es gestaltete sich zwischen Beiden ein seltenes harmonisches Zusammenleben und Wirken; die alte. und neue Zeit lernten sich mit einander vertragen und söhnten sich durch wechselseitig liebe- und nachsichtsvolles Entgegenkommen nach und nach aus. Der Sproß der Neuzeit schmiegtck sich an den alten Stamm fest und rankte langsam an ihm empor. Manche neue, bessere Ordnung in Schule und Synagoge wußte .der Sohn durch seine Befürwortung' beim Vater ins Leben zu rufen und damit eine wei-