Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1862-01-01 · Heft 1 (1.1.1862) · p. Seite 8

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
26 (1862)
Issue
Heft 1 (1.1.1862)
Date
1862-01-01
Page
Seite 8 (sequence 8)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3224737-3226310-3226312--19994-3249035
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

8 in den Tagen, als es mit dessen Nationalität auf die Neige ging, nimmt in den „Studien" durch wissenschaftliche Gründlichkeit, wie durch gewinnende Darstellung den wichtigsten Platz ein; die Thatsachen sind entweder neu, oder unter neue Beleuchtung gebracht. Man merkt es, daß der Verfasser von der Vergangenheit, der Herkunft, den Ueberlieferungen seiner eigenen Familie spricht; er ist auf seinem Gebiete, bei sich zu Hause. Er zeigt uns, wie der weltbürgerliche Trieb sich zeitig bei den alten Juden entwickelt habe; wie, lange vor der Zerstörung Jerusalems, ihre Zerstreuung durch die bekannte Welt eine vollendete Thatsache gewesen; wie Jerusalem selbst in ihrem freiwilligen Exil dennoch ihr religiöser Mittelpunkt, das Augenmerk ihrer Gedanken geblieben sei. Wir sehen, wie unter außergewöhnlichen Umständen die Sprödigkeit des National-Charakters mit einer wunderbar leichten Anschmiegsamkeit sich paarte. „Natürlich bekennt Herr Franck für die Geschichte, die Ueberlieferungen, die Tendenzen seines Stammes eine Sympathie und eine Achtung, die er dem Leser mitzutheilen bemüht ist. Er zeigt, wie diese'urzeitige und unvergängliche Nation sehr früh die ewigen Principien aller Civilisation in sich ausgenommen, und wie von deren Lebensodem ihre Religion, ihre Philosophie, ihre Gesetzgebung durchwehet ist." Zeitungsnachrichten. Deutschland. Auö Württemberg, 1. December. (Privatmitth.) In der 67. Sitzung der Kammer der Standesherren in der Berathung über den Etat des Departement des Kirchen- und Schulwesens macht der Fürst v. Hohenlohe-Waldenburg dem Ministerium Borwürfe darüber, daß die Mittel des katholischen Jntercarlarfonds nicht in der rechten Art verwendet werden. Er habe z. B. gerüchtsweise gehört, daß von diesem Fond große Summen zur Erbauung der Stuttgarter Synagoge ausgeliehen worden seien; wenn dies der Fall wäre, so würde doch eine ganz besondere Verwendung dieser Gelder stattfinden. —Nun hat wirklich der Jntercalarfond der israelitischen Gemeinde zum Zwecke des Synagogenbaues gegen gute Versicherung ein bedeutendes Capital zu 4^0/v angeliehen und das durchlauchtigste Mitglied der Kammer des Standesherrn scheint in' dieser Handlung eine Profanisirung dieser Heiligengelder zu finden. Ein Artikel im Staatsanzeiger weist diesen Vorwurf würdig zurück und findet es sehr gewagt, die Verwaltung deshalb zu verdächtigen. — Der schwäbische Merkur bringt in seinen Spalten folgenden Bericht: Heilbronn, den 23. November. Heute zog eine Procession von Israeliten und Israelitinnen mit einer von einem hiesigen israelitischen Bürger gestifteten GesetzsS-rolle in ihren Betsaal, welcher provisorisch in einem Saale des ehemaligen Deutschordenscommando eingerichtet worden ist. Nachdem nämlich am 5. Mai 1831 zuerst ein Jsraelite hiesiger Bürger geworden, haben sich nach und nach so viele hier niedergelassen, wovon 21 Familien hier bürgerlich geworden sind, daß ihre Seelenzahl über 100 beträgt. Sie bilden jetzt eine besondere Gemeinde, die sich von der in Sontheim trennt, mit der sie dann nur noch den Begräbnißplatz dort gemein haben. Früher waren viele in Heilbronn, welche die Judengasse bewohnten, Synagoge und Judenbad und einen besonderen Begräbnißplatz hatten. Als 1348 eine Pest, die man den schwarzen Tod nannte, von Asien her in Deutschland eingedrungen war und viele Tausend Menschen hinweggerafft hatte, wurden die Juden beschuldigt, sie hätten die Brunnen vergiftet, sie wurden in vielen Städten verfolgt, und auch in Heilbronn wurde ihre Synagoge zerstört und viele von ihnen verbrannt und grausam hingemordet. Die übrigen entflohen, jedoch auf Kaiserlichen Befehl kehrten manche wieder zurück. Aber im Jahre 1467 begann in Heilbronn wieder eine Judenverfolgung, und von da an durften nur sehr wenige hier wohnen , ja noch bis zum Ende der Reichsstadt mußte jeder Jude, der sie besuchte, am Thore jedesmal 15 kr. Leibzoll erlegen. Der Begräbnißplatz wurde überbaut, 1589 mit der Amtswohnung des städtischen Syndicus (jetzt die Oberamtei) und 1765 mit dem Stadtarchiv. Mehrere Leichensteine wurden bei der Anlegung einer Schießstätte, wo jetzt der neue Hafen ist, verwendet, und umgekehrt. Zwei derselben blieben dadurch gut erhalten. Sie sind von den Jahren 5168 und 5180 (1408 und 1420 nach Christi Geburt), und der eine ist im städtischen Archive, der andere auf dem Sontheimer israelitischen Begräbnißplatz zu sehen. In die von den Siebener-Commissionen entworfenen und von dem Collegium der Centralstelle entgültig festgestellten Wählerlisten zu den Wahlen für die Handels- und Gewerbekammern wurden mit activem und

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.