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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1862-01-01 · Heft 1 (1.1.1862) · p. Seite 7

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
26 (1862)
Issue
Heft 1 (1.1.1862)
Date
1862-01-01
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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T der ohne Starrheit wie ohne Schwäche die Rechte der Freiheit mit der Achtung vor allem Achtungswürdigen in Einklang bringt — das sind die Eigenschaften, die sich auf keinem Blatte dieses Buches verläugnen. Herr Franck, ein treu gebliebener Freund der Philosophie auch in ihren bösen Tagen, glaubt an ihre Macht, an ihre leöenbefruchtende Kraft; er weiß, daß falsche Theorien in der Philosophie und Religion zu verderblichen und entehrenden Institutionen in der Praxis führen, ^pnd darum bekämpft er den Jrrthum auch in anscheinend rein speculativen Fragen mit Eifer und Nachdruck. Er weiset z. B. nach, daß „der Pantheismus — oder wie man sonst jenes wirre Zusammenwerfeu von Gott und Natur nennen mag —, weit entfernt, der Gipfelpunkt der Wissenschaft und das letzte Wort der Vernunft zu sein, vielmehr die niedrigste Stufe der Gesinnung und des Gedankens einnimmt: denn die Gesellschaft, in welche jene wüste Weltanschauung gedrungen und von der Staatsreligion öffentlich anerkannt ist, bietet das traurige Schauspiel der feigsten Knechtschaft und des schmählichsten Despotismus; der schrankenlosen Willkür nach Oben und des entwürdigenden Druckes nach Unten, einer stumpfsinnigen Gleichgültigkeit bei Beiden, bei Dem, der das Unrecht leidet, wie bei Dem, der es thut." In einem Gegenstück zeigt uns der Verfasser „die Fortschritte der Gerechtigkeit in der Welt, wo die Siege des Rechts über die Gewalt mit der Idee der Freiheit, der göttlichen wie der menschlichen Hand in Hand gehen." „Er tritt dann gegen eine Theorie in die Schranken, für welche die ausgezeichnetsten Köpfe unseres Jahrhunderts Partei nehmen: gegen die Theorie des entschiedenen Einflusses des Racen-Organismus auf die gesammte geschichtliche Entwickelung einer Nation. Im Namen der Geschichte bestreitet er ein System, das eben aus der Geschichte feine Stärke herleiten will, und im Namen der theuersten moralischen Interessen der Menschheit weiset er die Consequenzen desselben mit allem Nachdruck zurück. „Die Geschichte", sagt er, „protestirt gegen diese schmachvolle Theorie, die in der Seele nur eine Wirkung des Körpers, in dem Geiste nur eine Macht des Stoffes stehet; die alle Gegenstände unseres Glaubens, unseres Denkens, unserer Liebe: Religion, Moral, Philosophie, Politik, Poesie, Kunst auf die bloße Frage über Farbe und Gestalt, über Schädelwinkel und Gesichtswinkel zurückführt; die für die Verschiedenheiten der Vorstellungen, der Glaubenslehren, der Gefühle, der Verstandeskräfte, der Sitten feine andere Erklärung findet, als die Eigenschaften des angeerbten Blutes. Giebt es nun Einen Gott oder mehrere Götter, oder ist am Ende die Natur die einzig existirende Gottheit? Sollst du dir die Pflicht, den Nutzen oder den Genuß zur Lebensregel nehmen? Ruhet die gesellschaftliche Ordnung auf der Gerechtigkeit und Freiheit, oder ist ihr Grundpfeiler der Wille des Herrn Und der stumme Gehorsam des Knechtes? Zur Lösung dieser Fragen wirst du nach der einen oder andern Richtung blindlings geführt, je nachdem indisches oder semitisches, chamitisches oder kuschitisches Blut in deinen Adern rollt. Und doch ist das Schauspiel, das uns der Zug der aufeinanderfolgenden Religionen und Philosophien und der Gang des menschlichen Geistes in den urzeitig civilisirten Gegenden des Orients darbieten, eine augenfällige Widerlegung jener Doctrin. Wir sehen Völker semitischer Abstammung in den rohesten Polytheismus verfallen, sich, von der geoffenbarten Macht der Wahrheit getragen, einen Moment aus dem Pfuhl erheben, um von Neuem darein, wie in ihren natürlichen Zustand, zurückzusinken; während dagegen andere Völker indischen oder indo-europäischen Blutes sich aus freien Stücken zu den Principien des reinsten Spiritualismus und der strengsten Sittenlehre aufschwingen." „Ohne jedoch die Verschiedenheit der Rrcen und ihren Einfluß gänzlich in Abrede zu stellen, greift der Verfasser nur das Paradoxon der Tagesmode, das an seinem Collegen, Ernst Renan, den glänzendsten Anwalt gefunden, in dessen Uebertreibungen an. Und es ist fürwahr dem Verfasser nicht als das geringste Verdienst anzuschlagen, daß er sich von dieser Theorie losgesagt. Er gehört von Geburt dem Stamme an, dessen unverwüstliche Lebenskraft, die allen feindseligen Verwüstungsversuchen siegreich widerstanden und widersteht, eine der merkwürdigsten Erscheinungen der neuern Geschichte bleibt. Die orthodoxen Schriftsteller konnten sich das Räthsel, wie ein überallhin versprengter Volksstamm seinen Cultus, seine heilige Sprache, seinen physischen und moralischen Typus zu bewahren vermochte, nur durch die Annahme eines fortwährenden Wunders lösen. Wie nahe lag nun einem israelitischen Philosophen die Versuchung, das angebliche Wunder auf ein einfaches, ethnologisches Gesetz zurückzuführen! Aber Herr Franck ist nicht der Mann, uns für die fehlenden Begriffe mit einem bloßen Worte abzufinden; er mag der Schwierigkeit nicht aus dem Wege gehen; er scheuet es nicht, sie ins Auge zu fassen, bei ihr zu verweilen, sie durch Thatsachen zu erledigen und seine Abhandlung über den politisch-religiösen Zustand Judäas

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