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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1862-01-01 · Heft 1 (1.1.1862) · p. Seite 6

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
26 (1862)
Issue
Heft 1 (1.1.1862)
Date
1862-01-01
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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6 scheinen, doch immer geschmackvoller sind, als die zu Ende der Woche das Publikum beglücken. — Während dessen näherte sich der Moment der Abreise, und mein Führer sagte mir: „Höre, Du darfst während der ganzen Reise kein Auge austhun, denn Du darfst nichts sehen, bis Du an den Bestimmungsort kommst, sonst wirst Du eine Salzsäule, aber Du mußt für den „Israelit" Pariser Briefe schreiben." Die erste Strafe, mit Lots Weib ein gleiches Schicksal zu haben, ist peinlich genug, aber wenigstens ist etwas Salz dabei; jedoch die zweite, so unglücklich es ist, in dem zweiten Acte der Orthodoxie mitznspielen, so ist es doch noch unangenehmer, so ganz ohne Salz zu schreiben. — Ja, lieber unsichtbarer Freund und Führer, sagte ich, Du hast gut reden, da Du kein Sterblicher bist, und die Gegend, die wir durchwandern, gut kennst; aber wir Sterblichen sind neugierig, und was werden die Geographen von meiner Gleichgültigkeit denken, wenn ich meine Reise niederschreibe? „Das ist mir gleich, ich muß thun, wie es mir geheißen wurde, und um Dir Deine Probe zu erleichtern, gebe ich Dir eine Brochüre, in diese schaue nur immer fest hinein, und Du bist sicher, daß Du kein Licht erblickst, und es vor Deinen Augen immer f i n st e r bleiben wird." Nun, was glaubst Du, mein lieber Leser, war es für eine Brochüre? Ich will Dir es einmal errathen lassen, und wenn Du es nicht findest, so theile ich es Dir in meiner Fortsetzung mit. Nur sage ich Dir, daß Du an keinen Leitfaden der Religion oder eine biblische Geschichte für die . Neligionsschule denken sollst, denn daß diese finster sind, braucht man nicht zu errathen, und der gute Führer wird mir doch nicht etwas Altes zum Lesen geben! Literarischer Wochenbericht. Magdeburg, 16. December. Vor Kurzem erschien in Paris folgendes Werk: Ftudes Orientales, pan Adolphe Franck, de l’Instilut. Paris, Michel Levy Frfcres, 1861, 460 S. Wir haben dasselbe noch nicht erhalten; aber eine ausführliche Besprechung in der jüngstenNummer des .„Mag. f. d. Lit. d. Ausl." (No. 51) veranlaßt uns, schon heute die uns interessireudsten Stellen derselben herauszuheben. Wir wissen nicht, ob Herr Franck unsere in einer trefflichen französischen Uebersetzung bei dem Verleger seines Werkes erschienenen und in Frankreich wohlbekannten Vorlesungen anführt; daß wir aber die socialen Lehren des Mosaismus als die wahren Grundsätze der menschlichen Gesellschaft zuerst hervorgehoben und ihre Würdigung angebahnt haben, dieses Verdienst beanspruchen wir. Wir freuten uns daher um so mehr, zu ersehen, daß Herr Franck zu denselben Resultaten gelangt ist. „Beinahe die erste Hälfte des Buches umfaßt die Studien, die. das Recht bei den alten morgenländischen Nationen zum Gegenstände haben; sie sind das Ergebniß der Forschungen, die der Verfasser seinen Vorlesungen über das Naturrecht am College de France zu Grunde gelegt hat. „Um nämlich die Urquellen des Rechts aufzusuchen, glaubte der Verfasser die Rechtsformen, wie sie in den ältesten Civitisationen zur Erscheinung kommen, vorzugsweise in Betracht ziehen zu müssen. Es war also das Recht im Bramanenthüm, im Budhismus, bei den Aegyptern, Persern, Juden und Chinesen zu untersuchen, und dessen Zusammenhang mit der Religion, der Philosophie, der socialen Zustände dieser Völker nachzuweisen. In großen Zügen zeichnet er den Gang der Civilisation, dringt in die Ursachen der hier langsamen, dort raschen Entwickelung derselben ein, und überweiset jeder Race ihre Rolle in dem Weltdrama der fortschreitenden Humanität. „Allein im Orient, und gerade an der Wiege der Civilisation, fallen das Recht, die Moral, die Philosophie mit der Religion zusammen; es fließt aus derselben Quelle, hat dieselben Denkmäler, dieselbe Geschichte. Die Untersuchung über die ersten Anfänge des Rechts im Orient müßte daher in ein desto helleres Licht treten , je mehr sie sich in die Religionslehren der ältesten orientalischen Völker vertieft; und so war für zwei der wichtigsten Abhandlungen: über die religiösen und philosophischen Doctrinen Persiens und über den politischen und religiösen Stand Judäas in der letzten Periode seiner staatlichen Existenz der schickliche Anlaß gegeben. Diesen schließen sich dann einige biographische und kritische Specialitäten an, die eine gewisse Mannigfaltigkeit in die „Studien" bringen, ohne sich von dem Hauptziel des 'Werkes zu entfernen. „Die Einheit dieses Werkes ist aber noch mehr, als in den behandelten Fragen, in dem darin herrschenden Geiste begründet. Tief philosophisches Denken, von aller Befangenheit der Partei oder des Systems freie Wahrheitsliebe, harmonisches Zusammengehen der Gelehrsamkeit mit dem gesunden Verstände, selbstständiger Sinn,

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