Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 25 (1861)
- Issue
- Heft 52 (24.12.1861)
- Date
- 1861-12-24
- Page
- Seite 753 (sequence 9)
- Language
- German
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/,wird/ da ich weiß, daß sso schnell nichts gelingen Äinn! „Jirdessen werden sich ohne Zweifel Manche finden, welche „behaupten:werden, daß die Ursache des Mißwachses Nus „meinen Feldern nicht die Eisschollen sind, welche die „Erde zu lange bedeckten,-nicht die vom Aufthäüen die- „str Eismassen entstandenen Wasserströme es sind, welche „meine Saaten wegschwemmtm, selbst nicht die Heuschre- „ckenschwärme, deren Brut begraben lag noch vor mei- „nem Dahingelangen, sondern sie werden sagen: die Ur- „sache des Mißwachses sei die, daß ich zu früh meine „Felder nach der neuen Art zu bearbeiten anfing und „daß die Sclavenarbeit zu schnell mit der freien Arbeit „verwechselt wurde. — Als ich Curator war, habe ich „ebenfalls im späten Frühling geackert und gesäet mein „Feld, welches kaum von der Frühlingssonne erwärmt „und thcilweise noch von einer Eisrinde bedeckt, und in „welchem theilweise Heuschreckenbrut vergraben war. Die „Arbeit war weder frei noch beiderseits ergiebig. Natür- ,,lich, daß sich auch hier Solche finden konnten, welche „nicht in den Gesetzen der Nothwendigkeit und nicht in „dem gewöhnlichen Gange der Dinge die Ursache suchten, „warum meine Felder nicht sobald übermäßige Saaten „lieferten. Aber sollte ich darum stehen bleiben, der „Deutungen Anderer folgend, und nicht mehr an Dasjenige glauben, was ich mit Sicherheit wußte? Sollte „ich den ganzen Plan meiner Handlungsweise ändern? „Das Rationelle, den gesunden'Menschenverstand vertau- „schen mit der alten Routine und dem Unverstand? — „Was wäre ich dann in den Augen der Fortschrittsmän- „ner, deren Meinung mir theuer ist, und hauptsächlich, „was wäre ich dann in meinen eigenen Augen? —- Nun, „da ich bei mir zu wirtschaften anfange, werde ich mich „vor Allem nach Credit umsehen müssen; Vertrauen Derjenigen, mit denen ich meine Geschäfte betreiben werde, „ist mir unumgänglich nöthig. Und wenn der Credit „und das gegenseitige Zutrauen mir nun, als dem künf- „tigen Landwirth, unumgänglich nöthig sind, wie waren „sie mir mehr noch nöthig, als ich Curator war?! Was „konnte ich Wesentliches thun, wenn ich gleich anfangs „das volle moralische Zutrauen derjenigen nicht erworbell „hätte, deren Hauptpflicht es ist mit Ueberzeugung zu „leiten i und derjenigen, auf die ich auf dem Wege der „Ueberzeugung wirken mußte? Dieses volle, moralische „Zutrauen ist es , welches ich nach Kräften einzuflößen „strebte, sowohl den Altenals der Jugend, und eben „darum mußte ich gerade und offen handeln. In ber „Gegend, wo man stets mit verschiedenen Nationalitäten „zu thun hat, mußte ich mir gleich bleiben , und gegen „Alle streng unparteiisch,das Gute mnd die Wahrheit, „ohne Unterschied für Alle gleich wünschend. In mei- „ncn Augen ist der Curator weniger Beamter als der „Missionär: er soll nicht befehlen, aber überzeugen; sonst „kann er weder aus sich selbst, noch auf Andere zählen, „besonders in schwierigen Umständen, wenn er ernste „Mühe von seinen Untergebenen benöthigij wenn er eine „Aufforderung zu machen bemüssiget ist an ihre Gefühle „für Pflicht und Gesetzlichkeit. Diese ist meine Ansicht, „sie konnte befremden, ja selbst gefährlich erscheinen, ich „wußte es recht gut, und es blieb mir dennoch nichts „weiter, nur fortzuschreiten übrig, und die Vorsehung „entscheiden zu lassen, wer stärker ist: die Hindernisse „welche sich mir entgegenstellen, oder ich selbst. Diesen „meinen Ansichten folgend, mußte ich sowohl auf die „lernende Jugend als auch auf die Lehrer selbst wirken, „die Gemeinde, die Väter, die Mitbürger hatten volles „Recht, Rechnung meiner Handlungen zu fordern, mich „zu loben oder zu verdammen. Und konnte man hier „die Gemeinde, welche aus einigen Nationalitäten zusam- „mengesetzt ist, umgehen, ohne Widerspruch, ohne falsche „Gerüchte und ohne fehlerhafte Erörterungen? —- -Das „Lehren und die Verbreitung gelehrter Wahrheiten achtete „ich als heilige Handlungen, die wahren Lehrer achtete „ich hoch, aber auch in den Schwachen schätzte ich die „menschliche Würde und Persönlichkeit. In den jungen „Leuten liebte ich und achtete die Jugend, weil ich der „meinigen noch wohl gedenke. Auf dieser Achtung, „welche ich laut und offen zeigte, gründete ich das gegenseitige moralische Zutrauen zwischen Lehrer und Lernenden, von dem ich auch schon Nutzen zog, nicht für „mich, aber im Interesse der Universität, und der ganzen' „Gesellschaft dieser Gegend. Auch wußte ich bestimmt, „daß unbedachtes Auftäuchen und Vergehen der Jugend, - „widersprechend den Gesetzen der Moralität in dem Maße' „selbst verschwinden werden, als noch stärker das gegen-' „fettige Zutrauen heranwachsen wird und mit ihm auch „die Bedeutung der moralischen Macht. Ich wußte, daß - „wo die Macht der Ueberzeugung herrscht, da verschwindet ■, 1 „der Eigenwille und mit ihm auch die stürmischem Folgen.' - „Ich konnte diese glückliche Zeit auf meinem Posten „nicht erwarten, -aber Ihnen, geehrte Herten Mitglieder „der hiesigen Gemeinde, bleibt es überlassen — wenn „Sie meine Ansichten mit mir vollkommen th eilen und „rnit meinen Ansichten" sympathisiren — "die von mir „gegebene Richtung ferner mit Ihrer Meinung, mit Ihrer - 52