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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1861-12-24 · Heft 52 (24.12.1861) · p. Seite 751

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
25 (1861)
Issue
Heft 52 (24.12.1861)
Date
1861-12-24
Page
Seite 751 (sequence 7)
Language
German
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„Vorsteher der Bildung in unserer Gegend- Sie werden „vön den Hebräern inständigst ersucht, zugleich mit ih- „nen Sr. Ercellenz zu danken für alles Das, was er als „Curator und als Mensch für dieselben geleistet, und noch „mehr für Das, was er für dieselben leisten wollte! " Der Student Katzen sagte: „Die kleine Zahl derge- „bildeten Hebräer versöhnten sich mit der Gegenwart, reichsten mit Liebe und Hoffnung ihre Hand den Enkeln, vergessend die Schuld ihrer Vorfahren. Um aber dieses Gefühl des Vertrauens in der ganzen hebräischen Nation „zu ihrer Umgebung zu erwecken, war eine Persönlichkeit „nöthig, welche nicht blos für alle Nationalitäten gleiche „Sympathie fühle, sondern noch ein besonderes Mitleiden „mit meinen Religionsbrüdern habe, und deren Schwä- „chen und Mängel als unvermeidliche Folgen der erlittenen Verfolgungen betrachte. Dazu war aber eine aufgeklärte, höchst sittliche Persönlichkeit, dazu waren Sie „uns nöthig, und Sie erfüllten diese MissionVon der „jungen Generation , welche Sie erzogen, und von der „ganzen hebräischen Nation, welcher Sie nützliche Mitglieder für die Zukunft vorbereiteten und der Sie zuerst die Bruderhand reichten, empfangen Sie den tief» „sten Dank! "■* Am 16. April kam Pirogow, auf sein Landgut fahrend, nach Berdyczew, wohin ihm zwei Abgeordnete Kiews folgten (Einer von der in Kiew studirenden Jugend, der Student Dragomanow, und der zweite vom Handels-und Adelsstände-Kiews, der Kaufmann und Gutsbesitzer Kislowsköy), um'im Namen ihrer Wähler noch einmal und mit der Berdhczewer Gemeinde zusammen diesem großen Manne ein Lebewohl zu sagen. ' Bei seinem Erscheinen in ebengenannter Stadt drängte sich Alles um ihn, wie tun einen vielgeliebten Vater, um vielleicht zum letzten Male sein liebevolles und geistreiches Gesicht recht anzusehen'und dessen Züge auf immer im Geiste zu behalten. — Nach dem ihm zu Ehren gegebenen Abendmahle würden einige Reden gehalten/ von denen Manches hier Erwähnung verdient. — Ein jüdischer Arzt und Ehrenmitglied der kaiserl. Hebräerschülen in Berdyczew hielt die erste-Rede, in welcher er als Einleitung eine kürze Schilderung der Leidensgeschichte der Juden im Allgemeinen machte'und darauf hinzeigtedaß bei der jedesmaligen bekannaheNden Gefahr des gänzlichen Unterganges dieser Nation stets wieder große 'Männer' erstanden, welche frei von allen Vörurtheilen, dieselbe gegerr den Fanatismus des ungebildeten Haufens vertheidigten und von der unmenschlichen -Bedrückung befreiten 5— daß auch in Rußland der Druck auf den Juden -stets lastete rcl', und sagte weiter: „Da kam uns Hülfe in den Vierziger Jahren ün- „sercs Jahrhunderts mit dem Ukase von 'dev Errichtung „besonderer Lehranstalten für die-Hebräer, und die Bil- „dung macht unter der glorreichen Regierung unseres „jetzigen hochherzigen Monarchen zur größten Freude aller „Gutgesinnten unter meinem Religionsbrüdern die größ- „ten Fortschritte. — Noch: aber fehlte die: äußere Unter- „stützung, noch fehlt die allgemeine Anerkennung und Ver- „wendung des gebildeten Theils meiner Religionsbrüder „als gleicher Landeskinder, und dazu ist uns von Gott „Ihre Ercellenz gesandt, dessen mächtige Stimme laut und „ohne Scheu erklinget im Sinne der wahren Humanität, „im Geiste der reinen Religion,, und mit freudig,pochen- „dem Herzen verehren wir Ihre Worte: „„Und in Wahr- „ „heit, wie wir auch unsere . Hebräer betrachten wollen, „„finden wir. nirgends eine rationelle Ursache, daß wir „„ihnen dasselbe nicht wünschen, was wir für uns.selbst „„wünschen.""*) — Diese, ächt humane Denkungsart, „diese wahre religiöse Gesinnung, und dieser frei ausge- „sprochene Wunsch für allgemeine. Ausübung von , Recht „und Gerechtigkeit, welche in jeder Ihrer Aeußerungen „wie in jeder .Ihrer Handlungen zusammen hervorstrah- „len, — machen Ihre, Ercellenz folgerichtig ,auch zum „Vertheidiger des leibenden, des gedrückten Theiles ,der „Menschheit! rc ... .. ... Darauf verlas der Kiewer Abgeordnete Kislowskoy seine Vollmacht vor: . „Se. Ercellenz wurden von der Vorsehung erkoren/ „jene Wahrheit zu offenbaren,, nach welcher für dierus- „sischen Christen wie für die russischen .Juden'gemeinschaftliche, höhere Interessen eristiren- und die Zeit ist „nicht gar fern, wo der Unterschied der Religionen der „Söhne Eines Vaterlandes nicht mehr hinderlich sein „wird, sich in ein unzertrennbares, gleichberechtigtes Volk „zu vereinen. Diese Wahrheit hat sich deutlich geäußert' „am 4. April auf dem feierlichen Abschiedsmähle in Kiew „zu Ehren Sr. Ercellenz,: da die Anwesenden Zeugen wa- „ren, welche warme Sympathie auch die Hebräer für die- „sen großen Mann an den Tag legten. — „Nun erfahren wir, daß auch Berdyczew einen feier- „lichen Empfang dem Manne bereitet, der für das All- „gemeine so Bohlthärig gewirktso benutzen wir Endes-- „gefertigte die Gelegenheit und bevollmächtigen die Her- ' *) Siehe, den zu Anfänge dieses Artikels erwähnten' Brief an den Redacteur des kas-wiet. ''

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