Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 25 (1861)
- Issue
- Heft 52 (24.12.1861)
- Date
- 1861-12-24
- Page
- Seite 750 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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WFMWMWW« MWW *f50 lesen waren), wurden unter ihm zu einer bedeutenden,: sehr beachteyswertheu Zeitschrift. ----s,)•-/,;j; :u(a 12) Er führte literarische Vorlesungen und Gespräche ein; zum gegenseitigen -Austausche; der Gedanken zwischen Lehrern, und Lernenden und belebte dieselben oft mit seiner Gegenwart. - r 13) Ex änderte die bisherige Prüfungsweise der Schüler zum Vortheile derselben, .indem nun der Schüler den Gegenstand erlernen muß, nicht nur Prüfung zu machen, aber um denselben zu verstehen, um denselben inne zu haben rc. re..—! . Aber nicht im sichtbaren Einreißen des Alten, und nicht im sichtbaren Aufbauen von Neuem, nicht in großen. Papierhaufen mit Regeln und Gesetzen vollgeschrieben, bestand-der geheimnißvolle Einfluß dieses trefflichen Mannes, sondern im belebenden Geiste, mit dem er sowohl Personen, als ganze Anstalten beseelte. Er verstand bei jeder Gelegenheit die Selbstthätigkeik und Strebsamkeit bei der mit frischen Kräften begabten Jugend sowohl . wie beim schon. müden Alter hervorzurufen. Seine Macht gründete er nicht durchs Jmponiren mit.seiner Gelehrsamkeit, mit seinem Stande oder Range, sondern auf Hingebung eines jeden ihm Untergeordneten an das Lehrfach und auf der innern Ueberzengung eines Jeden. .Er flocht dadurch ein geistiges, unzerreißbares Band zwischen allen Dienern dev: Wahrheit und Bildung, wohingegen bis dahin der ,Untergeordnete blos. dem todten Buchstaben-des Gesetzes folgte,: die äußere Form beobachtete, den innern Werth, den Geist des Gesetzes aber unberückstchtigt ließ. Durch seine, eigene große Thätigkeit und seinen mächtigen Einfluß .rief er eine nie dagewcsene pädagogische, und geistige- Thätigkeit und ein Verlangen nach Vollkommenheit in allen Lehrern seines Bezirkes hervor. Dieses geschah aber nicht aus Furcht vor dem Vorgesetzten, sondern; aus ehrfurchtsvoller Achtung seiner Meinung und aus Liebe zum Gegenstände. Er achtete in Jedem nur den Menschen und forderte von Jedem nur die That) hingegen hatten bei ihm formelle Pflichterfüllung, schmeichelhafte Versprechungen, unterthäniges Rückenbeugeu re. gar kein Gewicht. / . - - - . Um die Leser Ihres geschätzten Blattes - noch besser mit dem Charakter dieses großen Mannes und. dessen Handlungsweise bekannt zu machen, will ich'hier, einige Auszüge ausi den vielen Reden, welche während der zwei Abschiedsgastmahler in Kiew und während , eines Abschiedsmahles: in Berdyczew ihm zu Ehren gegebenvorgetragen wurden. Aber. nichtnur der ganze Kiewer Bezirk/ sondern das:/ganze! denkende - Rußland, - besonders/ die -gelehrten Gesellschaften und/ alle.Bildungsmittelpunkte Rußlands nahmen an. diesen Feierlichkeiten Antheil. Es: langten nämlich 2 5 Telegramme aus allen Enden Mußlands nach Kiew, und zwar aus Petersburg 4. (davon, eines von den hebräischen Studenten der Petersburger Universität), aus Moskau 4, aus Pultawa 7, aus Zitomir 3 (davon eins von den Schülern, der Rabbinerschüle und/eins vom Director und dem Lehrer dieser Schule), aus Rowno 2, auS Helsingfors I, aus Odessa 1, aus Charkow 1, aus Kasanj 1 und ans Tschernigow 1. — In allen diesen Telegrammen wurde große Sympathie für Nicolai Pirogow, höchstes Bedauern über sein Ab treten von dem Posten als Curator und gegründete Hoffnung ausgedrückt, daß er auch ferner und lange durch seine Geistesthätigkeit dem Vaterlande, wie der ganzen Menschheit.Nutzen bringen werde.: ..; Das -erste Abschiedsmahl wurde am 4ten April von dem gelehrten Theile Kiews Veranstalter Es waren 110 Gäste, darunter der Curator-Gehülfe, der Rector: der Universität, der Director. der Gymnasien, alle Professoren, alle Lehrer und einige- Studenten und Gymnasialschüler. Hier wurden^ 12 Reden gehalten, von.denen alle Gäste so gerührtwaren, daß. manche Thräne floß. Der von den.: Fortschrittsmannern der Berdyezewer Hebräergemeinde zu diesem Abschiedsmahle geschickte Deputirte, Vorsteher und Lehrer der Berdyezewer hebräischen Bürgerschule, Herr Hornberg, sagte unter Anderm: „Sie haben zuerst in dieser Gegend Ihre Stimme für „die verfolgte hebräische Nation erhoben, und selbst von „allen Vorurtheilen frei, hatten Sie mit dem Beispiele „der Humanität mehr Einfluß auf Ihre Untergebenen, „als alle Ihre Vorgänger mit ihren formellen Verord- „nungen..... Als Curator zählten Sie mit Recht die „hebräischen Lehranstalten, wenn nicht als dm wichtigen,, „doch wenigstens als . den kränklichsten Theil Ihres Lehr- „bezirks'. Als Arzt, stets mitleidsvoll mit der leidenden „Menschheit, reichten Sie dem gebildeten Theil der He- „bräer Ihre hülsreiche Hand und stärkten so Ihre Kräfte „im -ungleichen Kampfe mit dem Fanatismus ihrer in „Bildung zurückgebliebenen Religionsbrüder, wie mit den „Vorurtheilen der ungebildeten ChristenDie Hebräer hoffen übrigens , daß: Sie, wo immer Sie sein „werden, nie: aushören werden, Ihre Stimme für die gerechte Sache der Hebräer'ertönen zu lassen! Ihre Stimme, „die starker ist als die des Curators, denn es ist die ,-Stimme Pirogows! Sie, meine geehrten Herren, als