Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 25 (1861)
- Issue
- Heft 52 (24.12.1861)
- Date
- 1861-12-24
- Page
- Seite 749 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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749 ketottm Schuldner, und das ist, Gott sei Dank! unser Vaterland. nichts. — Hierzu kommt noch, daß man in nicht jüdischen Kreisen in der Regel über unsere Stellung sehr wenig unterrichtet ist; sieht man daher dort, daß wir noch heute über das vor 50 Jahren verflossene EdicL jubeln, so wird man glauben, daß wir schon viel zu viel „Rechte" besäßen, und daß wir schon allzu sehr zufrieden seien, um uns das einräumen zu wollen, was uns au. unserem Rechte, noch fehlt. Russisch-jüdische Zustände. Von der russischen Grenze, im Oktober. (Schluß.) > : . Dieses ist eine oberflächliche Uebersicht der Tragweite des genannten Schreibens eines Mannes, dessen Name nicht allein in den Annalen Rußlands den ersten Rang verdient, sondern auch einen ehrenwerthen Platz unter den berühmtesten Männern in. der Weltgeschichte einzunehmen würdig ist; da doch die Leistungen eines großen Mannes nicht seiner Nation allein, sondern der ganzen Menschheit angehören. Ich meine aber nicht jene großen Männer, welche Schlachten liefern, Völker unterjochen, Lander erobern, Reiche zerstören, Gesetze aufdrängen rc., sondern diejenigen genialen Männer, welche, den Zeitgeist wohl verstehend, still und friedlich durch Einführung neuer Ideen, neuer Grundsätze, die Menschheit zum ewigen Frieden, zur Glückseligkeit naher führen, Wege zur Nächstenliebe, zur Vervollkommnung des Menschengeschlechts anbahnen. — Und in dieser Hinsicht verdient Verfasser des besagten Briefes ein wahrhaft großer Mann genannt, zu werden, dessen Namen besonders wir Hebräer unter die wenigen Ausgezeichneten setzen müssen, welche für unsere Nation ein gewichtiges Wort in die Wagschale der Gerechtigkeit legten, uns ritterlich gegen die vielen verjährten Vorurtheile unserer andersgläubigen 'Landes? brüder vertheidigten und so uns von Bedrückung, von Verfolgung befreiten. — i; Zwar ist es ihm nicht gegönnt, in seinem Amte so lange; fort zu wirken, bis er die Früchte seiner Leistungen sehe, aber, der.reichlich äusgestreute Same wird ganz zweifelsohne segenreiche Ernte bringen! — Leider mußte Pirogvw —Krankheits halber seinen Posten viel zu früh verlassen, aber was er in der kurzen Zeit von 21fa Jahren im Kiewer Bezirke geleistet, ist von unberechenbarer Tragweite. Seine unermüdete. Thätigkeit,: sein rastloses Wirken als Curator hinterließ -in allen gelehrten und Lehranstalten unverwischbare Spuren i seiner Gegenwart. Ich will hier Einiges aufführen.; 1) Er führte zur Besetzung einer Stelle an der Universität Kiew Und in den Gymnasien seines Bezirkes die Concurse ein, wodurch setzt nur innerer Werth, nur geistige Ueberlcgenheit zur Professur, zu Lehrerstellen verhelfen können, statt früher bloße Verwendung; Recommendation rc. hinreichten. 2) Auf seine Anregung wurde ein pädagogisches Seminar in Kiew eröffnet, da bis jetzt bei den Lehrern auf pädagogische Kenntnisse gar keine Rücksicht genommen wurde. Z) Das Studium der historisch-philologischen Facultät wurde von ihm erweitert und erleichtert durch die Theilung dieser Facultät in die historische, klassische und slawonische Philologie. ' 4) Das astronomische Observatorium wurde unter ihm verbessert, ja ganz umgestältet. .5) Das chemische Laboratorium ließ er umarbeiten, vergrößern. 6) Er errichtete eine Stndenten-Bibliothek sammt Lectorium, und bereicherte erstere durch viele Bücher seiner eigenen Bibliothek. 7) Er führte die moralische Autorität unter allen ihm untergeordneten Beamten ein, und verminderte dadurch die bekanntlich so schädliche Autorität des Ranges. 8) Ihm gehört die Verbesserung des Universttätsgerichts, wodurch kein Studirender willkürlich bestraft werden kann, was bis dahin leider.nicht selten geschah, wodurch die menschliche Würde in den Studenten erniedrigt wurde. Er befestigte durch diese neue Einrichtung das Vertrauen der Studenten zu ihren Lehrern und flößte ihnen damit auch das Gefühl der Ehre ein. 9) Unter seiner Leitung wurden die besten medicinischen Werke des Auslandes ins Russische übertragen, wodurch ein bis jetzt sehr fühlbarer Mangel in der russtschmedicinischen Literatur beseitigt , wurde. 10) Er eröffnete in Kiew eine Sonntagsschule" für die untere Volksclasse. Diese Kiewer war die erste in Rußland; jetzt giebt es schon in vielen Städten Sonntagsschulen und für Hebräer Samstagsschulen. .? 11) Die-früher erschienenen, sehr trockenen und unbedeutenden Bezirks-Circulare (worin gewöhnlich blos die Zahl der Schüler> der Lehrer, die Anstellungen und Versetzungen der letzteren, die verschiedenen-Verordnungen, Gesetze rc. über Schulwesen in dem Kiewer Bezirke zu