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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1861-12-10 · Heft 50 (10.12.1861) · p. Seite 724

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
25 (1861)
Issue
Heft 50 (10.12.1861)
Date
1861-12-10
Page
Seite 724 (sequence 12)
Language
German
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m bete Gestalt bekommen.. Die Vorwärtsgekommenen ei-' yerseits und die im Stillstand Beharrenden andererseits werden von der Kanzel ^embiaiiS aüert f 1»tufein der. Bequemlichkeitstheorie hervorgezogen. Gleichartige Anschauungen ziehen einander an, ungleichartige stoßen einander ab und drängen zu Parteibildungen. In der Person des vr. .S.: sehen beide das Centrum einer strategischen Stellungdas sie je nach der Gesinnungsnchtnng angreifen und vertheidigen. Die Orthodoren wollen-höchstens den Prediger in vr. S., aber nicht mehr den Rabbiner, .der in der Synagoge traut, anstatt im Vorhof; der in vollem Ornat bei einem Leichenzuge erscheint, und. der durch noch manche andere, zwar minder wichtige Neuerungen das. Judenthum zu untergraben sucht. Die Liberalen wollen den Rabbiner gerade deshalb,; weshalb Jene ihn nicht mögen. Die dadurch . entstehenden Reibungen, s0 sehr sie auch unangenehm .sind, wenn sie in Persönlichkeiten ausarten, waren Msnothwendig; sie haben unserm im Materialismus versunkenen Leben eine geistige Regsamkeit gegeben, die nur ein Finsterling oder ein Milzsüchtiger bedauernwird./ — Unbeirrt jedoch! von der Leidenschaftlichkeit, mit der beide Parteien streben-, sich unbedingte Geltung zu verschaffen,^ verfolgt vr. S.- sein festes-Ziel: Licht im Glauben, , keiner Seite huldigend, keine vorziehend, beide strafend, beide belehrend. Seiner seltenen Rednergabe müssen wir's Dank wissen, daß die kleinliche Zersplitterung und die Haltlosigkeit des religiösen Lebens wie. des Lebens, in der Gesammtheit vom uns größtentheils gewichen ist; daß jüdische Eltern nun wissen, was aus ihren Kindern in sittlich religiöser Beziehung werden, und wie sie es werden soffen; daß Keiner in dem Judenthume mehr einen Gegenstand der Verlegenheit,sondern ein geistiges.Moment steht, ohne welches, die Weltgeschichte. keinen Sinn hat; daß sogar die weibliche Jugend es seufzend bedauert, vernachlässigt worden^ zu sein; daß endlich dem Judenthume ' Individuen und Familien wieder zugeführt wurden, die demselben fast gänzlich entfremdet waren, — entftemdet durch die Erziehung, die nur den luxuriösen Ansprüchen, der Salonbildung zu genügen .strebte, und daher, die Beleuchtung des Judenthums, als außer ihrem. Programm liegend betrachtete. —; Man überzeugt sich.nun nach und nach, wenn es auch.Manche nicht zugeben wo lle n, .daß. die Veränderung iw - der äußern. Erscheinungunseres Glaubens in Hinsicht auf seine Zukunft , eben so nothwendig ist, wie die europäische Kleidung seiner' Bckenckr ds ifl^kn Beziebung auf i h r e Stellung im allgeckeinen 'bürgerlichen Leben; man lernt einsehen, daß unsere Religion sich sehr gut in zeitgemäße Formen kleiden kann, ohne darum ihrem Wesen Und ihrer Bestimmung untreu zu werden, und weil man nun das Wesen des Judenthums Näher kennen gelernt- und Kern v on Schäle zu unterscheiden weiß, so wird auch das Mißfallen an der Gestalt nicht Mehr auf den Gehalt übertragen. Sind dies die Folgen, welche die Kanzel bei den schon mehr öder minder fertigen Charakteren hervorrief, so sind die Wirkungen, welche der vorhergegangene Unterricht und der feierliche Act der Confirmation selber auf die jungennoch biegsamen Gemüther ausübte, von nicht minder großer Tragweite. Diese allgemeine Umwandlung' der Gesinnung äußert sich jedoch nicht nur in rührenden Geständnissen, sondern auch in praktisch schöner Beth'ätigung. Die lange getrennt gewesenen Synagogenpavteien sind vereint, wenn auch noch nicht ganz versöhnt. Personen, die - auf'der Leiter der Gesellschäft dir^ höchsten- Stufen einnehmen, ein . Ignaz Ephrussi, ein Anisstm Raffalovich, nehmen an allen Angelegenheiten der Gemeinde jugendlich warmen Antheil, und streberimäch Functionen in derselben mit einem Ernst/ der sie ür dtn Augen ihrer Mitbürger mehr ehrt, als' alle weltliche Auszeichnung. Und wenn wir diesen Racken dtn vvN Simon Horowitz nicht einreihen, sogeschieht es' nüd, um dem Träger desselben ganz besondere Anerkennung für den opferwilligen Eifer zu zollen, mit dem er sich namentlich der Sache der Vereinigung erwähnter'Parteien annahm. ' Die Arroganz äst verstummt , seitdem so sehr berechtigtere Stimmen sich hören lassen, Ruhe und Anstand waltet, wo' Unordnung' und Zügellosigkeit herrschte. - Die feierliche- Stille des prachtvollen Gotteshauses wird durch keine' öffentlichen ' Privatgespräche-mehr entweiht, und Nichtjuden, die sonst in dem jüdischen Gottesdienste nur einen- Reiz' für ihre Lachmuskeln suchten, finden' nun in demselben eine erbauliche-Weihe, der sie unmöglich -ihre Ehrfürcht versagen können. Hochgestellte Mische Frauen kreten zusammen, um durch vereinte persönliche Theilnahme an der Verwaltungdes Hospitals ihr Mitgefühl'für 'arme und kranke Glaubensgenossen an den Tag /zü legen. -Das Mitleid, das-in-den hohem LeMskreiftn'zu jeder Zeit durch reiche -Gaben sich aussprach','; ist jetzt aus dem engen Räume persönlicher Passivität in den weiten Bezirk der Fürsorge gettetem - Den gesunden Armesi

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