Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 25 (1861)
- Issue
- Heft 50 (10.12.1861)
- Date
- 1861-12-10
- Page
- Seite 722 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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722 der Perfassung garantirten. -„Auch, andern, nichtchristlichen Bekenntnissen kann der Große Math/(also-nicht die. Verfassung)?die-Ausübung' des. öffentlichen G ottesdienstes gestatten." . Gehorsamer Diener! Wenn es aW einmaluden Juden non-Sn:Gallen einfällt, zu machen, was, wie ich glaube, bei ihnen etwas Unerhörtes ist, müssen -sie nach - diesem - Entwürfe; erst den Großen Rath darum - bitten! — Das ist in der Schweiz seit' dem Mittelalter nicht vorgekommen. Denn beiden Konfessionen in St. Gallen ist es nur um ihre Sache zu thun, die Judenangelegenheit wird als -Modeartikel behandelt; dabei will der Ultramontanismus immer den bestey Brocken davontragen. Ist unsere Sache im Aargau einmal in Ordnung, so wird der Bundesrath ein Anderes sagen.! ,!; St. Gallen, im November. Die Volksabstimmung hat.stch in großer Majorität, für den vorgelegten Verfassung sentwurf entschieden, und ist somit -die Gleichstellung- > für - alle. Confessionen im Canton St.. Gallen ausgesprochen. - Zürich, im Oktober. Der „ Sinai" schreibt: „Ein.Consul j übischer Abstammung ist in der Schweiz, wie wir zum Voraus erwartet, eine solche Ungeheuerlichkeit, daß Herr Bernays in Zürich auf große Schwierigkeiten gestoßen, bevor er sein Exequatur dort erlangte. Mehrere in Illinois ansässige Schweizer hatten gegen seine Aufnahme protestirt, erstens, weil er ein geborener Israelit ist, zweitens , weil er als Redakteur des „Anzeigers" sich wiederholt auf unliebsame Weise gegen die Schweiz geäußert haben.soll. Der.Bundesrath ließ sich imponiren und zögerte mit der Ertheilung des Exequatur. Der Gegenstand erregte Aussehen und wurde in hitziger Zeitungspolemik besprochen, bis endlich die Executive sich des Skandals zu schämen begann und Das that, was sie gleich Anfangs hätte thun müssen, indem sie Herrn Bernays. in der von der Regierung der Vereinigten Staaten ihm verliehenen Eigenschaft anerkannte." * Nordamerika. Washington; im. Oktober. Der „Sinai", berichtet: „Keine jü bischen Feldpredig er. Herr Cameron, der bisher als vortrefflicher Geschäftsmann bekannt, hat stch nun auch den Ruhm eines vortrefflichen Christen'--erworben; er wM nurregelmäßig ordinirte Geistlicht von christlicher Cönfesston' Äs Feldprediger zugclassenwissen! Wie wir aus'det „Sunday Dispatch" vom 10. Oktober ersehen, hatte dieses schmächvolle Attentat' des - KtiegsMnisters gegen unsere Constitution bereits die'AbdänkUng eines jüdischen Feldpredigers zur Folge, obgleich derselbe in einem Regimente fungirte, das Mehrere - jüdische Officiere zählt. Unter der demokratischen Rkgiemng durfte ein Jude den' Congreff Mit einem Gebote eröffnen^ während die republikanische Regierung die Principienlosigkeit bis zur konfessionellen Ausschließung zu treiben wagt.- Es' ließe sich nicht das Geringste dagegen einwenden, wenn' das überwiegende konfessionelle Element in einem Regimente die Glaubensgemeinschaft des Feldpredigers zu bestimmen hätte. Wie aber die Sachen jetzt stehen, dürfte nicht einmal in einem durchaus jüdischen Regimente ein Jude als Prediger sungiren, ohne sich vorher von Herrn Banquier CaMeron — wie diesen die „Illinois StaatSzeitung" nennt — taufen zu lassen. Wie es scheint, ist es nach der An-, sicht unseres CabinetS nicht die Bluttaufe, sondern die Wassertaufe, wodurch die Union gerettet werden söÜ, und es sollte uns nicht wundern, wenn unsere from-^ Men Kirchenmänner auf den Einfall kämen, Pius IX. zUm Nachfolger Lincoln's zu erwählen, und so zwei Fliegen mit Einer Klappe todtzuschlagen: die Unchristlichkeit und das A.ntisclaventhum!" Rußland. Warschau., 18. November. / Der Staatsrath hat heute die Berathung über das Judenemancipationsgck setz begonnen. / .? > Warschau, 18. November. Der „Ostsee-Zeitung"^ schreibt man: „Die verhafteten Rabbiner, zu denen von der Provinz noch andere eingebracht worden sind, so wie der verhaftete jüdische Kaufmann Feinkind, Synagogenältester, sollen der Aufwiegelung der ganzen Judenschast beschuldigt sein, die bekanntlich in früherer Zeit immer gut Russisch gesinnt war und noch, vor zwei Jahren fürchterlich von den Polen angefeindet und von der Regierung' gegen die ärgsten Excesse der Polen geschützt wurde." - Odessa, 15. November. (Privatmitth.) Seitdem Dr. Schwabacher das Amt des Rabbiners und Pre-