Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 25 (1861)
- Issue
- Heft 50 (10.12.1861)
- Date
- 1861-12-10
- Page
- Seite 719 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Vorstandswahlen haben gezeigt, daß diese -im Finsterw schleichende Partei durchaus die numerisch schwächere ist, und da sich .der ganze Streit schon damals um diesen Gegenstand drehte, so läßt sich hoffen, daß man nicht unterlassen wird, von competenter Seite mit allen zu Gebote stehenden Mitteln gegen ein solches Projekt zu arbeiten. Wie wenig in Bayern überhaupt die Orthodoxie; .noch. Gewicht i und Feld hat, haben die jüngsten Rabbinerwahlen gezeigt. Trotz den namhaftesten Anstrengungen und Machinationen ist diese saubere Clique in Burgebrach und München unterlegen , und selbst in Jchenhausen, wo nur auf eine orthodoxe! Größe reflectirt werden konnte,, weillsich kein .Andrer um das dortige Rabbinat beworben hattewar man einstimmig gegen Erwählung eines Bochms aus der Würzburger Schule. Reb Simche hat den Leuten in Schwaben zu früh den Appetit verdorben und die Augen.geöffnet, dem Reb Seligman Bär aber wahrscheinlich . zu spät. - ^,: Es ist sehr erbaulich, diese; Wölfe im.Schafpelze etwas: näher ins Auge zu fassen. Wie wird da geschrien, wenn;; einer. ein Glas Bier; mit entblößtem Haupte trinkt, oder gar sich rasiren läßt.- Ein solcher Schreier kam aber kürzlich innerhalb weniger Wochen in-folg ende Fatalitäten: Er wurde auf der Eisenbahn Lestraft, weil er um die.Fahrtare betrügen wollte, er wurde von dem Holzhauer verklagt, -weil er ihm eine Klafter Holz abläugnete, um ihn um das Hauerlohn zu betrügen, und hatte eine gleiche Klage mit einer Nätherimzu bestehen) die beide zu-seinem Nachtheile entschieden wurden. Unglaublich aber buchstäblich, wahr. Sehtdas find die wahren Frommen, alle. Anderen sind Ketzer. Das Ergötzlichste ist, daß sie einander selbst nicht trauen, und Einer will den Andern immer an.Frommheit übertreffen. Es bewahrheitet sich dabei im vollsten Sinne: „Wer nicht traut, dem ist nicht zu trauen." Hier nur ein Beispiel: Diesen Sommer, weilte ein Männchen im Bade. Er war früher Schächter, gab diese Function jedoch auf, weil sie ihm zu wenig lohnend war, zog dann von einem Orte zum andern , probirte das und jenes, es ging; jedoch nicht, er blieb immer ein armer Schlucker. Da machte er einen Hauptzug,, „der Zweck heiligt die Mittel" ist ja die Devise dieser Leute, er betrog eine Wittwe um 20 tausend Gulden und war nun ein gemachter Mann. Die Sache ging zwar nicht so glatt ab, er mußte flüchten,'und es mag nicht wenig ' Hitze; gekostet haben-; es;dahiw. zu dringen daßjetzt Bäder besuchen und den großen Mann spielen kann. Dieser- Sch— nun; hat.diesen-Sommer, von dem.; Schächter des Badeortes geschlachtetes Fleisch. Nicht gegessen, obwohl dieses von einem, der eifrigsten hyperorthodoxen Rabbinen approbirt war. Doch für heute genug von diesen Finsterlingen. Es thut noch, von von Zeit zu Zeit an^ das Dasein derselben zu erinnernum Andersdenkende vor ihren Klauen zu war-; nen, denn im Umgänge sind sie honigsüß und, die, Unschuld selbst.*) -):i : - Am 12. October; hielt Herr vr, Engelbrecht;seine Antrittspredigt in München, die sehr beifällig aufge-, nommen worden sein soll. Möge er die Hoffnungen erfüllen, die man dort auf seine amtliche; Wirksamkeit setzt. In Jchenhausen wurde Herr Do.-Lob, bis jetzt in Pfungstadt, zum Rabbiner verwählt. Er , ist ein; Schüler Auerbachs. In.Augsburg, das gegenwärtig ebenfalls schon über 60 jüdische Familien zählt,, ist das Rabbinat zur Besetzung ausgeschrieben. — Durch die Berufung des Herrn Weinmann nach Württemberg ist das Rabbinat Welbhausen -erledigt, und wird, vorerst durch -Herrn Rabbiner Grünebaum in. Ansbach verwaltet.. Es-erscheint nur wünschenswerch) daß die Gemeinden, dem von der k. Regierung .aus-, gesprochenen Willen, entsprechen!und sich ganz an?Ans^ bach anschließen. Wir können uns überhaupt. nur, freuen, wenn recht viele Gemeinden der geistlichen Leitung dieses Biedermannes übergeben werden. - Das vom Landtage; angenommene Schulgesetz, wird in pecuniärer Beziehung auch den israel. deutschem Lehrern den Vortheil bringen, daß. deren Minimalge-- halt, statt wie bisher 300, : künftig 350,;fl.; betragen wird. f D. Laupheim. (Württemberg),, 27. October, (Privat-? mitth.) Heute feierte die.. israel. Gemeinde hier, .ein Fest seltener Art. Nachdem vor, 8 Tagen aufbex . *) Besonders möchten wir hier die wahren Freunde ‘ des Judenthums warnen, diese Leute bei ihren seht häufigen Geldsammlungen ohne vorherige reifliche Prüfung' zu unterstützen. Wie gesagt , sie sind, bei solchen; Gelegenheiten sehr servil, wissen den wahren Zweck geschickt zu bemänteln, und so wissen wir eclgtante Beispiele) wo sie aus diese Weise von den heftigsten Gegnern ihrer Unternehmungen nicht unbedeutende Unterstützung fanden. Wir erinnern nur an die Sammlung fürs Thoralernen. . Der Eorresp.