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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1861-12-03 · Heft 49 (3.12.1861) · p. Seite 703

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
25 (1861)
Issue
Heft 49 (3.12.1861)
Date
1861-12-03
Page
Seite 703 (sequence 5)
Language
German
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zuschuldigen,- sie zu verketzern, und suchen die gleichgültigsten und. harmlosesten Dinge hervor, um -sie der Untreue, des- Abfalls von. der Nationalsache u. dgl. zu zeihen — gleichsam als ob sie auch schon für die Zukunft sie von sich abstoßen wollten, oder nach dem alten Erfahrungssatze: wer sich getreten glaubt, sucht nach einem Andern, den er treten könnte. Trotze allem Dem würde es uns sehr seid, thun, wenn unsere Glaubensbrüder in Ungarn nicht ruhig und besonnen auf dem Wege fortwandelten, sich-: dem Volkes und. dem Vaterlande anzuschließendas ihnen die. göttliche: Vorsehung zugewiesen. Je weniger wir die, überstürzende Magyaromanie billigten, welche in der jüngst verflossenen. Zeit viele ungarische Israeliten beth ätigten, und. die den Ruin ihrer eben ausblühendon Institute. untergraben hätte, und von den Magyaren selbst ganz falsch ausgelegt wurde: desto mehr müssen.-wir es jetzt betonen, daß es die Israeliten Ungarns sich selbst schuldig sind,, den besonnenen nationalen Tendenzen treu zu bleiben. Daß diese auch der kaiserlichen Regierung nicht zuwidcrlaufen, daß. sie mit jeder gesetzlichen Haltung ,ganz. wohl übereinstimmen können, brauchen wir nicht auseinanderzusetzen. So wie., es aber unrecht gewesen, das vorhandene deutsche:Element, gewaltthätighinauswerfen. zu wollen , so wäre..es jetzt unrecht, das. magyarische Element zu verbannen und zu. bekämpfen. Die ungarischen Juden haben vielmehr jetzt Zeit, und Raum, beide in ihnen factisch. vorhandenen Elemente zu. versöhnen, auszugleichen, und in organischer Weise ihre vaterländische Zukunft vorzubereiten^ . , Dies, ist unsere Anstcht und unser wohlgemeinter Rath. Wir wissen, daß, trotzdem man uns in, der vergangenen Zeit vielfach zu verdächtigen.gesucht, wir in Umgarn treugesinnte^ Freunde behalten hWn, die unsere guten Absichten, zu. würdigen verstanden. Man wird diese, letzteren daher jetzt um. so,, eh er anerkennen, und unsere wohlgemeinten Rathschlage nicht übersehen. Ierstreute DcmcrKungcn. In den letzten Wochen, machten die.ersten Bände von V.arnhagen. van- Enses Tagebüchern'/ bedeuturdes Aufsehen. i^s hommen indenselben auch einzelne Bemerkungen vor, die unsere,Leser interessiren werden, und. welche wir hahex-hier nach, und nach hervorheben, mögend Th. I: S. 44 heM es : „Abends, mit. Professor, Gans; die. Ver- WWWgkssr der sächsischen Lankstände) üben-die Rechte -der Juden werden scharf durchgesprochen, die stupiden, kleingeistigen, selbstsüchtigen Widersacher der Juden gehörig bezeichnet. „Und wie viel Juden sind denn in ganz Sachsen, daß diese Lumpenchristen so große Furcht haben?" — Kaum achthundert. — „So wenig Juden nur sind dort? Ja/ da wundert's mich nicht, daß die Sachsen so dumm geblieben sindDie müßten sich erpreß welche ausbitten, damit mehr Gcscheidtheit ins Land käme!" — S. 1.34: „Mit S ch ar n h o r st allein; über die Juden äußert er sich vortrefflich." — S. 167: „Der Prediger Moliöre erzählte eine hübsche Geschichte: Ein aufgeklärter Jude folgt dem Rathe christlicher Freunde, und will sich taufen lassen) der Geistliche fragt ihn, ob er denn ein rechter Jude sei und alles Jüdische glaube? Nein, ganz, und gar nicht, und eben deshalb wolle er sich davon lossagen. „Was?" ruft der Geistliche, „Sie glauben nicht an den alten Bund, nicht an die Propheten? Dann können Sie auch kein Christ sein", und weist ihn zurück. Sonderbar, daß ein Jude/ um Christ zu werden, erst recht ein Jude sein soll!" (Fortsetzung folgt.) Die neulichst unter dieser Rubrik gemachte Bemerkung . über den Herrn Großrabbincn Ullmann in Parishat die unter dessen Patronat erscheinende Verils israelite gewaltig aufgebracht. Wir haben nichts dagegen. Wir beneiden den Patron nicht um seinen Schützling, und den Schützling-nicht um seinen Patron. Hatte sich Herr Ullmann-das Recht vindicirtdas Würzburger Pamphlet zu unterschreiben, so glauben wir uns auch das Recht vindiciren zu können, über Herrn Ullmann eine Bemerkung zu machen. Dahingegen müssen wir uns vor dem Manöver verwahrenwelches die „Veritö" versucht) die Gesammtheit derfranzösischen Israeliten mit Herrn UllNrann zu identificiren und ihren Lesern vorzuspiegeln ,' daß wir gegen die französischen Israeliten Gehässigkeiten hegten und aussprächen. Einsolches Verfahren ist wahrhaftig keine -/israelitische-Wahrheit". Das Manöver ist aber zu plump, um gefährlich zu sein: Wir brauchen gewiß nicht zu versichern, daß wirall die hohe Achtung vor den Israeliten Frankreichs besitzenauf die sie mit'so-großem Rechte An^ spruch haben-; diese ist aber wahrlich nicht davon abhängig, ob wir eine solche auch vor Herrn Ullmann haben.

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