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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1861-12-03 · Heft 49 (3.12.1861) · p. Seite 702

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
25 (1861)
Issue
Heft 49 (3.12.1861)
Date
1861-12-03
Page
Seite 702 (sequence 4)
Language
German
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m nur in den wenigen Stunden während des Gottesdienstes find die Verkaufsläden durch polizeiliche Bestimmungen geschloffen, die Kirchen stehen leer und-Nachmittag und Abend sind den.öffentlichen Lustbarkeiten gewidmet. Da nun die. letzteren auch an den Werkeltagen stattfinden, da daS häusliche Leben '.seine«''besten- Reiz verloren und in den unteren Schichten durch die Kneipen/ in -den höheren durch Gesellschaften, Vereine, Theater, Concerte und Bälle verdrängt worden ist, so hat die Sonntagsfeier wenig Inhalt und Bedeutung noch, und es läuft auf. eitle Täuschung hinaus, wenn man sie überhaupt «och der ernstenenglischen Sonnlagsfeier gegenüberstellt. Das pure Gegentheil die ältjüdische Sabbathseier; bei der strengsten, und ausgedehntesten Gesetzlichkeit, die alles erdenkbare Maß einhielt, gehörte sie zu gleicher Zeit zu den.erhabensten und erfreulichsten Erscheinungen in der Menschenwelt, so voller Innigkeit und Erholung, so voller Freudigkeit und Genusses, daß fie für ein Leben voll Druckes und. Mühsal. genügend, entschädigte. Wer draußen stand, begriff nur jene ehernen Bande des Gesetzes, jene bis ins Kleinlichste reichenden Vorschriften, das Gefäß, das nicht von. leichtem Porzellan, von durchsichtigem Krystall, sondern von schwerem Erze war —> aber den köstlichen Inhalt, den erquickenden und stärkenden Most hatte er nicht gekostet. Das mosaische Sabbathgesetz gebot das Unterlassen jeher Arbeit, der Entfernung vom Hause, des Anzündens von. Feuer. Es ist dies. Alles, nur Negatives, das nun die Ueberlieferung und ihre Pfleger nach, dem Grundsätze dB: „Zauns um das Gesetz" weithin durcharbeiteten. Nun aber kam das. Positive. Die gottesdienstliche Feiersowohl, in der .Synagoge als im Hause, die Eeremonien, die, Segtnssprüche über den Becher, die Gesänge, die der Hausvater, mit seinen Familiengliedern anstimmte; dann die. Vorbereitungen, die Reinigung des Hauses, die Zierlichkeit in den Zimmern, das. weiße. Linnen, die Sabbathkleider, die-Versammlung, der ganzen Familie , der Seggen, den. die.Eltern auf.: die Kinder legten, die guten Speisen - inmehrfachm Mahlzeiten , vor Allem das Abwälzen, jeder Sorge, jedes weltlichen. Gedankens, die Freiheit-, die dadurch mitten in der Sclaverei in die-Brust jedes Einzelnen einzog, die Gastfreundschaftdie für diesen Tag geübt-ward, die heiligende Sage, - die.sich an den Tag knüpfte u. s. w. — dies war das Positive der jüdischen. Sabb.athfeier, welches, nun jenes Negative, jene strenge Gesetzlichkeit so bekleidete,: daß es nichtmehr, gleich jener Abhängigkeit in der glücklichen Ehe,-drückend erschien, sonderst; seine' strenge' Erfüllung' erst recht den Geist erhob und - den gewissenhaften Ueber zu einem besonders AuSerwählten stempelte. Geschah es doch' so, daß zuletzt die heil. Sage dem Juden für den Sabbath noch eine besondere Seele (m*rv» N?3wo) zuertheilte; und selbst die Sünder im Geheimen während des Sabbaths ruhen und von ihren Strafen befreit sein ließ. Hiernach kann wohl ein-Jeder ermessenob die altjüdische Sabbathfeier wirklich die Beinamen verdient, welche ihr von christlicher Seite so oft beigelegt werden, und ob es an der-Zeit sei, -daß auch dieses Vorurtheil verschwinde. In der That war sie während der ganzen Zeit der Ausschließung und Verfolgungen der stärkste Rettungsanker für die Juden, an welchem sie ihr Menschenthum, ihren Geist und die Sittlichkeit ihres Familienlebens festhielten. -Da kann doch schwerlich der Sabbath das dürrehohläugige Gespenst sein, das nichtjüdische Tadelsücht daraus machen möchte. ’ Die Israeliten in Ungarn.; Niemand, der an der Entwickelung der Völker und Staaten einen aufrichtigen und warmen Antheil nimmt, kann anders als mit tiefem Mitgefühl auf die Lage sehen, inwelche Ungarn gerathen ist. Daß die Magyaren im Uebermaße ihres Selbstgefühls jede Vermittlung, jeden Eompromiß mit der- Centralregierung zurückgewiesen und^ einen Widerstand organistrt hatten, welcher nur einen kleinen- Schritt von offenbarer Widersetzlichkeit entfernt, war, so daß die kaiserliche Regierung aus dem einfachen Motiv dev Selbsterhaltung den, wenn auch gemäßigten. Kriegszustand decretiren 'mußte, muß jeden Liberalgesinnten mit tiefem Bedauern erfüllen- Keine Lage aber ist unangenehmer und zweideutigerals die der Israeliten Ungarns. Die Magyaren hatten fie vom Beginn der Bewegung an, als nicht zu ihrer Nationalität gehörig, ausgeschlossen, sie vielfach unwürdigbehandelt und von sich abgewiesen, und zwar dies, obschon die große Mehrheit der ungarischen Juden sich der Magyaromanie hingegeben hatten^ Daß der ungarische Landtag in seinen letzten Momenten sich-für die Inden aussprach, konnte mehr als ein Act-der Selbsterkenntniß eines Fehlers, als eines Unrechtes angesehen werden, und mußte - bedeutungslos bleiben. Jetzt nunwo die Magyaren sich ruhig den Maßregeln der Centralregierung fügen-,, wiebenehmen sie sich nunmehr gegen die Juden? < Sie fahrt» ffort/ sie an-

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