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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1861-12-03 · Heft 49 (3.12.1861) · p. Seite 701

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
25 (1861)
Issue
Heft 49 (3.12.1861)
Date
1861-12-03
Page
Seite 701 (sequence 3)
Language
German
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m etwas Gemachtes , habenmüffe. Wir gestehen, gern; eindaß>,)viL-persönlich nicht.-Gelegenheit gehabtehaben,: öon anglikanischen Sonntagsfeier. eine richtige und sorgfältige Vorstellung zu gewinnen;- allein wir.haben vor dem ^Praktischen- Geist und Per -Freiheitsliebe, -der Engländer zu viel. Respect/ um ihnen gegenüber;; eine tief eingewurzelte Institution, derselben von einem.-deutschen Kathedermann verdammen /zusehen, ohne über ihn, statt übex sie, zu lächeln. .. u ,. - .Um nun zum,jüdischen Sabbath zu kommen, so:- gestatte/.. man . uns eine Digression, durch welche wir -die Frage ins rechte.Licht zu stellen; glauben.. Mein-Amt führte mich neulich in zwei Nachbarshäuser, in welchen zwei Familien wohnen,. Pie -allerdings. nichts mit einander; gemein haben, aber durch ihren Contrast aüffallen. Zn. dem .ersten wohnt ein Ehepaar,. das sehr unglücklich trjit einander lebt.? Mann, und Frau sind fast schon bis zum gegenseitigen Hasse gekommen; ihre süßeste. Beschäftigung ist, sich gegenseitig Bitterkeiten zu sagen und zu bereiten, und nur der einzige Umstand macht dies erträglich, daß sie des Tages über wenig mit einander zu thun haben; der -Mann geht seinen Geschäften und, sind diese abgemacht , seinen : Vergnügungen , die Frau ihrem Hauswesen und ihren Klatschgesellschaften nach; kommen sie dann zusammen, so geht, der Hader los, und -was für eine Erziehung die Kinper da erhalten, wie diese bereits ihre Eltern bespötteln, verhöhnen, betrügenwie der Unfriede auch unter.ihnen herrscht, -kann .man sich denken. Hundertmal wollten die Eheleute schon, auseinander, und sie würden Pen Augenblick -der Scheidung glücklich Preisen; aber die Verhältnisse gestatten es nicht, Armuth und Schmach würde das-Lops Beider sein :., sie sind an einander -gekettet und -müssen es bleiben. Wer dies beobachtet...und weiter nichts-vonder Ehe wüßte, wie müßte der Pie Ehe füreine Erfindung des-. Teufels halten-, für,; Pie unglückseligste Institution des .Menschengeschlechts, > Pie verkehrteste Einrichtung, so recht dem Erdenpilger zur. Last, zum Verderben erdacht, --den Armen , ein drückendes Joch, die arbeitenden Elasten brutalisirend, die Cynsumtion der gebrannten .Wasser , steigernd ,. den-Kin-- dern .Pas Spielen und Lachen entziehend, alle Poesie des Lebens zerstörend". -- Begeben wir; uns nun aber zum Nachbarshause, so weht , uns gleichsam schon.beim Ein?? tritt der Hauch pes Friedens entgegen; das Ehepaar wird in. wenigen. Jahren die -silberne Hochzeit feiern, aberdieselbe Liebe, - dir sie einst große. Hindernisse. überwinden ließ, -um, zu -ihrer Vereinigung /.zu gelangen-.- fesselt«ihre Herzen noch heute, an einander, ja nochgestärkt und geläutert durch, die. Prüfungendes Lebens/ -die sie mit einander bestanden;, welch ein.Abschied./: wenn- -den- Mann sein. Beruf -aus. dem Hause führt, -wie . wirdmit jeder Stunde gegeizt,: welche die Beiden mit« einander -verbringen können;: kein Vergnügen, keine. Erholung lohne einander; welche..Aufopferung und Hingebung in dm Stunden der Noch und des -Leidens; wie glücklich sind sie in der gegenseitigen Abhängigkeit; welche Mcksichtnahme auf den leisesten Wunsch,, auf das geringfügigstePedürfniß; wie breitet. sich diese Liebe auchüber! die- Kinder aus, welche Gemeinsamkeit und - Eintracht, umschließt diese!.. Nun, da' erscheint doch . die Ehe - als eine göttliche Institution,; als .eine von Gott dem Menschenbereitete, sein ganzes Heil und; Ziel umfassende .Einrichtung, die feste Unterlage des;ganzen gesellschaftlichen Gebäudes, unantastbar-, heiligt, . Was folgert hieraus? Dieselbe Veranstaltung, dasselbe Gesetz, dieselbe! Sitte .kann, bei dem Einen das Beglückendste, Befruchtendste, Segensreichstesein, darauf die ganze Fülle -der Existenz beruht, die-Wurzel des Lebensbaumes; — aber ebenso bei dem Andern das 'Trüb- und Unseligste, ein-Galeerenschiff, die niedrigsten, unsittlichsten. Leidenschaften hervorrüfend und nährend -— Alles kommt auf Geist und Herz an, mit denen es erfaßt wird; Gesetz- und Sitte sind ein-Gefäß, aber der Werth und die Bedeutung werden erst - durch den Inhalt gegeben, mit dem es gefüllt, wird. Die Sabbathfeier — wir gebrauchen im Folgenden dieses Wort als allgemeine Bezeichnung-- also ebenso' auch für. den Sonntag der Christen und für- -den Freitag der Mahömedaner- — gleicht der Ehe, nach dem Bilde, -das wir oben gezeichnet. Sie kann bei dem- .einem Volke zu einer völligen.Freiheit und Willkür des..Einzelnen,-.ohne; irgend welche besondere gesetzliche-Bestimmungen, -geworden fein, und dennoch -alles Erhebenden, Feiernden, Freudigen, Innigen 'entbehren'; wie sie im- Gegentheil bei einem: anderen Volke von einem engen. unp. strengen Gesetze-getragen, -vielfach bi-nE dend unp beschränkend sein -kann, und dennoch'eine Fülle des Genusses- . einen wahren Freudenbecher volb Schwunges und Poesieentgegenzubringenvermag. Beobachten wir z. B. : die; Sabbathfeier in Norddeutschland, so wird in den Häusern die werkthätige Beschäftigung fortgesetzt *), -*) In den Königl. Militär-Werkstätten, B. der Schneider: und Schuhmacher/ wird' in Preußen am' Sö'nNtag gearbeitet...:^-" 49* W

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