Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1861-11-26 · Heft 48 (26.11.1861) · p. Seite 695

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
25 (1861)
Issue
Heft 48 (26.11.1861)
Date
1861-11-26
Page
Seite 695 (sequence 11)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
92% known words query
IRI
…/3224737-3226256-3226305--19901-3248944
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

695 Weisel, Prediger vr.r Jastrow. W verhaftet.- . -jDie.„K>rZ>". schreibthierüber: Warum gestern -er RabbinmMeisel, vr. Jastrow, Prediger Kramstuck und der Gemeindevorsteher Moses Femkind, allgemein geachtete und beliebte Persönlichkeiten, verhaftet worden sind, weiß man nicht, es ist Alles ein Räthsel. Da vr. Jastrow preußischer Unterthan, ist, so soll der preußische iGeneral-Consul sich beim Statthalter für ihn verwendet'haben,--daß er bald zum Verhör komme. Es können.ihm höchstens seine Predigten zur Last gelegt werden, die abernur fteisinnig und keineswegs revolutionär gewesen find. Ebenso verhalt es sich mit Mamstuck. Ober-Rabbiner Meisel ist zwar wegen seiner Gesinnungen für die National-Partei bekannt, aber man darf ihm eben so wenig wie den anderen Verhafteten zutrauen, daß er sich auf ein Complot eingelaffen habe. Feinkind ist nun vollends ein bekannter Ruffenfreund uttd besitzt auch nicht die mindeste Hinneigung für die nationale Sache. — Hingegen berichtet' man der „Ostsee-Zeitung": „Es haben denn auch in den letztversiöffenen Nachten neue, massenhafte Perhastungen stattgehabt, von denen besonders die des Ober-Rabbiners -Meisel von der alten Schule , des Rabbiners, vn. Jastrow und des Predigers Kramstuck von der neuen 'reformjüdischen Synagoge und zwei anderer, weniger Bekannten in der Stadt viel Aufsehen machen und., die Judenschaft nicht wenig erregen. Mam spricht.sogar-davon,-dass in Folge anbefohlener,; unnachsichtlicher Strenge mit diesen Verhafteten in der Cidatelle der bekannte kategorische Imperativ angewandt worden sein soll. — So gut wie der eine evcingelische Pastor den katholischen Geistlichen im Patriotismus nicht nächstehen wollte, eben so haben sogar in öffentlichen Predigten die israelitischen Religionslehrer-in deutschen und polnischen Predigten die letztem fast noch übertroffen. Es :ist kaum begreiflich, wie sonst verständige Männer so alle Klugheit aus den Augen -setzen und öffentlich Aufstand, Vereinigung anderer russischer Lan-! destheile mit Polen predigen konnten, während die Regierung noch bestand, welche jeden Augenblick die Macht hatte, 'sie festnehmen und bestrafen zu lassen, und wie sich»jetzt zeigt/- vorerst alle Mittel, der,Güte anwandte,; bis die Geduld ein.Ende, nehmen mußte,, wenn nicht alle Ordnung und persönliche Sicherheit zu Grunde läufigen Lybphrasen ,zü geben, von - denen die oben angeführten LhatsachM ffegseitetzwaren. Die Redaktion. gehen sollten. Zudemwerden xdie Rabbiner hier nicht als Geistliche angesehen, haben nicht den persönlichen Adel der katholischen undevangelischen Geistlichkeit und unterliegen! daher Much M dem Kriegsgerichts der in Rußland gewöhnlichen Bestrafung. Daß Meisel ein österreichischer/ vr. Jastrow ein preußischer Unterthan ist,, durfte sie ebenfalls unter den jetzigen Umständen nicht schützen und glücklichen Falls-dann ihre Ausweisung zur Folge Hadem t- (Wir hoffen und wünschen, daß. die letztere Mittheilung überwas Schicksal der Verhafteten nur. eine Voraussetzung des Correspondenten ist.Ein grausames Schicksal wäre es, wenn die Juden, weil sie sich dem Nationalitäts-Enthusiasmus ergaben, in Ungarn von der Nationalpartei, in Polen von der Regierung durchgeprügelt werden. Früher wurden die' Juden verfolgt, - weil sie von den Natioüen ausgeschlossen waren, jetzt, weil sie sich ihnen .anschließen. Es scheint also für' uns'immer auf dasselbe hinauszulaufen. Gott gebe, daß -bald bessere Nachrichten einlaufen l Die Redaction der Allg. Ztg. b; Jud.) Einige Befriedigung schafft daherwie Mchricht, daß trotz des Kriegszustandes die Sitzungen' des Staatstathes wieder begonnen haben und so die bekannten Gesetzentwürfe wieder ausgenommen wurden. Es wird nämlich unter, dem 13ten h. berichtet: Nachdem die Sitzungen des Staatsraths kurz nach Erklärung des Kriegszustandes auf drei Wochen suspendirt worf pen, fand heute wieder >te erfte. ^i^ünö d er s , der züm ersten Male, iprästdirte, drückte. der „Bresl. Ztg." zufolge seine Freude darüber' aus, daß es ihm gegönnt-- sei, wie ft' wichtigen Fundämetttalgesetze mit zu schaffen, die Gesetze nämlich über Ablösung des Robots, die Schulorgänisätion' und die Juden emancipation. Die Mitglieder des. .Staatsmths sähen wohl die Dringlichkeit dieser Gesetze ein und er erwarte dahetz daß sie mit allem Eifer daran arbeiten würden, damit dieftlbm so -bald wie möglich zur allerhöchsten Sanktion vorgelegt werden könnten. Nordamerika. Washington, im October. Das Jew., Chron. berichtet, daß , in Washington,•: bekanntlich Hauptstadt feeri Union, ein Jude, Herr^ Richard Wallach, zum Bürgermeister gewählt worden. (Es' ist dies um so ehrenvoller, je bedeutender in dem jetzigen Kriegszustände dieser Posten ist.).- , 48**

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.