Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 25 (1861)
- Issue
- Heft 48 (26.11.1861)
- Date
- 1861-11-26
- Page
- Seite 691 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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c) sub No. 37 einen jüdischen Krieger, der mit vielen andern Glaubensgenossen den Befreiungskrieg von 1813 mitgemacht hat. *) — In den Bildern aus der Geschichte der ältesten Völker (wie Aegypter, Phönizier, Perser rc.) ist überall, wo es angemessen) auf die entsprechenden Stellen in der heil. Schrift hingewiesen, und bei den Herrschern, die der neuern Zeit angehören (wie z: B. Kaiser Joseph II.) auch ihre Toleranz gegen die Juden nicht unerwähnt gelassen.**) — Der Abth. V des Stern'schen Lesebuches sehen wir um so gespannter entgegen, als dieselbe eben nur „Jüdische Geschichte" (in Lebensbildern) enthalten soll. Louis Wehl. Chronik des Erzbischofs Thietmar von Merseburg (gest. 1018) entnommen. — Am Schlüsse der Erzählung findet sich eine Notiz, nach welcher es für „wahrscheinlich" angenommen wird, daß eben dieser Ka l o n y m u s auf Veranlassung des Kaisers (Otto III., da Otto II. bekanntlich schon 983 starb) nach Deutschland, — wo seit dem Ende des 10ten Jahrhunderts das Geschlecht der Kalonymiden blühte, — übergesiedelt, und daß R. Meschulam aus-Italien, der erste berühmte Rabbiner Deutschlands (vornehmlich zu Mainz und Speyer) aus diesem Geschlecht hervorgegangen wäre» — Es kann sein, daß ein Jude, mit Namen Kalonymus, dem Kaiser Otto II. in der Schlacht bei Bosentello das Leben gerettet, es kann auch sein, daß des Letztem Sohn und Nachfolger den Erstem aus Italien nach Deutschland berufen habe. Anzunehmen aber, daß das Geschlecht der Kalonymiden erst seit dem Ende des 10ten Jahrhunderts in Deutschland geblüht hätte, und daß R. Meschulam der erste berühmte Rabbiner dieses Geschlechts in Mainz re. gewesen wäre, will uns um so gewagter erscheinen, als sowohl. nach Josua Kohen und Graetz, wie auch nach Carmoly und S. D. Luzatto schon unter Karl dem Großen — und durch diesen — also jedenfalls um 200 Jahre früher — die Berufung des ersten Kalonymus aus Italien (Lucca) nach Deutschland stattgefunden haben soll. Nach Carmoly soll das Jahr 787 genau das der Berufung gewesen sein. Und selbst nach S al. L u ria diffcrirt die Angabe unseres Buches um mindestens 70 Jahre, da nach Jenem die Verpflanzung der Familie Kalonymus nach Deutschland ins Jahr 849 der Zerstörung — d. t. 917 christl. Zeitr. (also unter Conrad I. von Franken) — fällt.— (Vergl. übrigens Graetz' Gesch. d. Juden V.) *) Dem Tagebuch des betreffenden Soldaten entnommen. **) Ebenso ist in dem Capitel von den „Kreuzzügen" am Schluffe auch — wenngleich nur mit sehr wenigen Worten -—' der Leiden der Juden gedacht. ZeitMgsnachrichten. Deutschland.! Karlsruhe, 12.November. Advocat vr. Kusel in Bruchsal ist soeben als der erste badische Landtags- Abgeordnete jüdischen Glaubensbekenntnisses aus der Wahlurne unserer Residenzstadt hervorgegangen. Die „Karlsruher Zeitung" schreibt hierüber: Aeußerm Vernehmen nach wird der Landtag Dienstag-26. b. zusammentreten. — Daß bei der heutigen Wahl eines Abgeordneten hiesiger Stadt zum Ersatz für Hrn. Ministerialprasidenten Frhrn. v. Roggenbach, welcher bekanntlich für hier abgelehnt hat, Hr. Oberg erichtsadvocat vr. Kusel von Bruchsal gewählt wurde, ist oben bereits angezeigt. Der langjährige frühere Abgeordnete, Hr. Hofbuchhändler Knittel, welcher seit mehreren Wochen schwer erkrankt därniederliegt, hatte bereits in der vorigen Woche erklärt, daß er wegen seiner erschütterten Gesundheitsverhältnisse eine etwaige Wahl nicht annehmen werde. Hr. Reg.-Rath Jolly, der von einem Theile der Wahlmänner in Aussicht genommen war, hatte ebenfalls eine ablehnende Erklärung abgegeben. (Er ist seitdem bekanntlich von der Universität Heidelberg gewählt worden.) So blieb .Hu vr. Kusel als einziger Candidat übrig, und da man ohnehin mit seiner politischen Richtung allseitig einverstanden war, so war vorauszusehen, daß er mit größer Majorität gewählt werden würde. In der That vereinigten sich 70 Stimmen von 78 auf ihn, 3.°weltere fielen aüf Hrn. Knittel, 3 auf Obergerichtsadvocat Busch, 1 auf Baurath Gerwig, und 1 auf Oberbürgermeister Malsch. Beiläufig mag bemerkt werden, daß Hr. vr. Kusel der erste Israelit ist, welcher in die badische Kammer tritt. Somit wäre durch seine Wahl zugleich ein längst veraltetes Vorurtheil thatsächlich überwunden. (Also abermals ein Parlament, in welches das Volk einen Juden als Abgeordneten gesandt hat. Rechnen noir uns einmal diese Parlamente auf: das englische Unterhaus (3), der französische gesetzgeberische Körper (1), das italienische Unterhaus (6), der österreichische, böhmische, mährische und galizische Landtag, der österreichische Reichstag (Unterhaus 2, Oberhaus 1), das preußische Abgeordnetenhaus (2), das bayersche Unterhaus (1, früher 2), der braunschweigische Landtag, und nun das badische Unterhaus, außerdem in Nordamerika Senat und Haus