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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1861-11-26 · Heft 48 (26.11.1861) · p. Seite 689

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
25 (1861)
Issue
Heft 48 (26.11.1861)
Date
1861-11-26
Page
Seite 689 (sequence 5)
Language
German
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; „Deutsche Zeitungen haben schon Lei Gelegenheit der Ernennung des jetzigen holländischen Justizministers, der bekanntlich der -mosaischen Confession angehört, die Notiz gebracht, er sei der einzige jetzt lebende jüdische Minister, da Herr Fould, damals Staatsminister in Frankreich, kein Israelit, sei. Bei dem Wiedereintritt dieses französischen Staatsmannes ins Finanzministerium bemerkte die Mainzer Zeitung, Herr Fould müsse der frommen katholischen Kaiserin doppelt verhaßt seinda er ein „protestantisch" getaufter Jude sei. Der Jrrthum mag ursprünglich daher entstanden sein, daß ein französisches Journal einmal den Herrn Fouldals juif Protestant bezeichnet^ worunter ein Jude verstanden wird, der nicht dem orthodoren, sondern dem, wie man in Deutschland sagt, „reformieren" Zudenthum angehört. Herr Fould hat, wie man von jedem seiner Stammesgenoffen in Paris erfahren kann, niemals die Religion seiner Väter verlassen, deren fromme Gebräuche er zwar, wie die meisten modernen Juden, nicht gewissenhaft befolgt, aber Lei feierlichen Gelegenheiten, und wenigstens einmal im Jahre, nicht verabsäumt." — Unsere Leser wissen, wie wir denken. Es ist uns an sich von durchaus keiner Wichtigkeit, ob zufällig ein Jude die-höchste Staffel des Ansehens und des Einstusses erreiche, oder nicht; aber von großer Bedeutung erscheint es uns, wenn ivir einerseits von einem Juden abermals Patriotismus und Hingebung an die Interessen des Vaterlandes bethätigen sehen, andererseits wieder einmal ein Beispiel geliefert wird, w i e w ichtig es ist, keine Kraft durch erbärmliche Schranken dem Staate zu entziehen. Zerstreute Demerkungen. Es erscheint uns sehr charakteristisch, daß von den nichtpoetischen Arbeiten Lessings das Hauptwerk der Laokoou, während das Meisterwerk Mendelssohns der Phädon ist. Lessing und Mendelssohn waren Beide keine Theologen von Profession, aber mit sehr großem theologischen Wissen ausgerüstet; Jener ein gründlicher Kenner der Kirchenväter, Dieser der talmudischen und rabbinischen Literatur, wie sie. Beide in einer Menge von Schriften dargethan Habens Die zwei genannten Hauptwerke lehnen sich an das griechische Alterthum, der Laokoon an die bekannte Gruppe, so wie an Homer und Virgil, der Phädon an die Schrift Platos gleichen Titels. Uber Lessing schreibt über Bildhauerkunst, Malerei und Poesie,; Mendelssohn über — Unsterblichkeit. Das Religiöse ist einmal das Lebensmoment des Juden, und, mag er noch so sehr von classischer Bildung durchdrungen sein, er benutzt diese nur um so mehr, um das religiöse Moment durchzuarbeiten. Die Gerechtigkeit fordert von uns die Bemerkung, daß, gerade im Gegensatz zu Riehl, der Verfasser der mit sovielem Beifall aufgenommenen „Musikalischen Briefe" (Baumgärtner , 2te Auflage) Meyerbeer gegen alle ihm von Jenem gemachten Vorwürfe vertheidigt, und nirgends eine Spur von nationaler Antipathie zum Vorschein kommen läßt. Ein Freund legt uns die Frage vor: wie sich ein glaubenstreuer, von Ueberzeugung durchdrungener Jude der bekannten Erzählung von den drei Ringen in Leasings Nathan dem Weisen gegenüber zu verhalten habe? Er sei kein Fanatiker, der jene Erzählung, wie wohl beit ganzen Nathan von vornherein abhorresciren werde; aber von der Wahrheit seiner Religion erfüllt, könne er doch kaum den Gedanken, den Lesfing -hier ausspricht, zulassen. Wir haben ihm zu antworten, daß es immerhin bemerkenswerth ist, wie Lessing, dem bekanntlich die Erfindung dieser Erzählung nicht angehört, sie gerade dem Juden in den Mund legt, und diesem somit auf der Leiter der Duldung die höchste Staffel zumeist. Ging Lessing dabei von dem Erfahrungssatze aus, daß die unterdrückte Religionspartei immer die toleranteste sei? oder wußte er, daß selbst der Talmud den Ausspruch gethän, die Gerechten aller Nationen haben Antyeil an der ewigen Seligkeit, womit er die Ausschließlichkeit verneint, welche sowohl die christliche Kirche, als auch der Islam gegen alle Andersgläubige übt, sie vom Himmel ausschließt und in die unterste Hölle verweist? Aber diese captatio benevolenliae soll uns nicht verblenden. Lessing sagt aber nicht, daß überhaupt jeder Bekenner einer Religion nicht die seine für die beste, die volle Wahrheit enthaltende halten solle, vielmehr rechtfertigt er dies gerade „Hat von -Euch Jeder seinen Ring von seinem Vater: So glaube Jeder sicher seinen Ring Den ächten. —" Vielmehr wollte Lesstng gleichsam die internationalen Verhältnisse der drei großen Religionen feststellen, so daß, wenn auch Jeder seine-Religion für die ächte und wahrhaftige Hält, er. dies Keinem, da diese Ueberzeugung eine

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