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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1861-11-26 · Heft 48 (26.11.1861) · p. Seite 688

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
25 (1861)
Issue
Heft 48 (26.11.1861)
Date
1861-11-26
Page
Seite 688 (sequence 4)
Language
German
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christlichen Glquhenslehren / mit, den, christlichen. Ceremonien und Symbolen identisch ist, oder, unverkennbare Merkmale derselben -trägt.-- Dies zkann;nun voneinem mitstkalischen JnstruMnte - auch nichtim - entferntesten gesagt werd en , und : wird Niemand .behauptenwollen, daß es irgend, ein Merkmal - des Christenthums an.sich trägt. D.er< bloße bisherige Gebrauch in den -Kirchen kann die Orgel.aber nicht zu ,einem christlichen Instrumente stempeln „.hg ^sobald , sie in andern. Gotteshäusern verwendet wird/ jene Ausschließlichkeit aufhört. - Mit dem Augenblicke, wo die.Orgel in, ein jüdisches Gotteshaus eingeführt wird, ist sieeben so gut ein.jüdisches musikalisches Instrument. Der Beweishierfür liegt in dem Umstande,, daß die Orgel in der griechisch - katholischen Kirche nicht vorhanden, so daß .sie - also für. die russischen Juden kein chri ftliches Instrument fein könnte. Außerdem giebt. es noch viele christliche. Secten ■,-z.- B. die Herrnhuter, die Quäker, die ebenfalls keine Orgel haben.*) . Aehnliches geschah schon mit der kunstgerechten Predigt in der reinen Muttersprache. Auch, diese war. bis vor einem halben. Jahrhundert allein in den christlichen-Kirchen im Gebrauche. Aber nur ihr Inhalt konnte und kann sie zu einer christlichen machen. Seitdem -sie allseitig, auch von orthfidorer Seite, dn::,bie Synagoge - eingeführt worden,- ist sie eben so, gut jüdisch.--Nicht, minder ist dies der Fall mit dem geordneten-Chorgesang.. Ebenso wird die Orgel, nachdem sie in die Synagoge eingeführt worden, jeden Anspruch auf, christlichen Charakter verlieren, den sie eben nur dadurch hat, daß wir uns derselben enthalten. Es braucht; auch--nicht erst nachgewiesen zu werden, daß Trti-i npin (3; Mos. 20, 23.) in der Thora sich ledig-, lich auf die das Gepräge des Heidenthums tragenden Gebräuche, Sitten und Gesetze, für uns analog auf diejenigen, welche den, realen - Charakter einer nichtjüdischen Religion - ausprägen,, beziehe.. Wir haben auch schon seit so.langer Zeit, auf die,im Mittelalter festgehaltene. Unterschiedlichkeit in Sprache, Kleidung und -Sitte verzichtet , .als daßwir nochanders, als bei der eben bezeichnten engern Bedeutung festhalren könnten. *) Wenn auch nicht von Gewicht oder entscheidend, ist es doch immerhin bemerkenswerth, daß viele Forscher, z. B. der Geschichtschreiber ,der-Musik, Forkel, unter dem bei Daniel (3, 5.) vorkommenden Instrumente Maschrokita und unter dem vom Talmud -beschriebenen,- im Tempel befindlichen Instrumente Magrefa eine Orgel verstanden, daß es jedenfalls , aus vielen Pfeifen neben einander bestandfy daß der.Ursprung der Orgel in das jüdische Alterthum hinaufreicht. ., Wir-halten -uns demnach überzeugt---daß vor der Wichtigkeit der Gründewelche.für die Einführung-.dev Orgel in unseren Gottesdienst -sprechenalle jene kleinlichen Mo-! tiv.e schwinden. - Es kann-keinem ächt religiösen Juden, ' der nicht-durch willkürlichfestgehalrenes Borurtheil verblendet..ist, entgehen, daß, wenn unser Gottesdienst eine lebenskräftige Zukunft haben, wenn ihm das zukünftige Geschlecht nicht ganz absterben soll, er den-bisherigen Cha- . rakter des bloßen Gewohnheitsmechanismus verlieren und - wirksame Momente der Weihe und. Erhebung an- und; aufnehmen muß. -. Das gegenwärtige Geschlecht bedarf eij nes höhern Aufschwungs, eines liefern Ergriffenwerdens- - um religiös gestimmt, gehoben und geläutert zu werden, i Außer, der Predigt ist das musikalisch. getragene Gebet : hierzu am unumgänglichsten. Der! -bloße Chorgesang ge-; nügt aber nicht, weil er entweder die Gemeinde, zum gänz- \ lichen Schweigen verurtheilt (— ein Standpunktder nur - vorübergehendeingenommen werden kann —), oder bei . einer größeren Versammlungsich ungehört verliert. Am ' eine solche im Gesang zu leiten, ist Instrumentalmusik? durchaus nothwendig. - Von dieser ist aber wiederum die j Orgel allein befähigt, die. gottesdienstlichen Zwecke zn epj reichen, theils weil die andern! Instrumente zu schwach, L theils weil -sie . durch die Anwendung bei Men anderen ■ Gelegenheiten zu profanisirt find, während die gewaltigen Töne und mächtigen Schwingungen der Orgel alle Be- - dingungen des gottesdienstlichen Gebrauches erfüllen. Abermals ein Jude — ein retten-er Minister. Die neuesten Blätter brachten die Kunde von dem Siege, welchen der vor längerer Zeit als französischer Staatsminister Achilles Fould über seine Gegner bei dem Kaiser Napoleon HI. errungen, indem er nunmehr, mit bedeutenden Prärogativen ausgerüstet, das Finanzministerium übernommen. Jedermann weiß jetzt, daß Fould. als Bedingungen zwei wichtige constitutionelle Momente ver- und erlangt hat, und die Gründe sind in einer Denkschrift Foulds ausgesprochen, welche einen Blick in den - finanziellen Abgrund, - an welchem Frankreichsteht, werfen läßt:. Zwei Briefe Napoleons selbst erweisen, daß man den. Eintritt Foulds in das Finanzministerium als eine rettende That ansieht. Man war in Deutschland dev Meinung, daß Fould die Religion ' seiner Väter vor längerer Zeit verlassen habe. Dem ist aber nicht so. Die „K. Z." schreibt hierüber aus Paris t

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