Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 25 (1861)
- Issue
- Heft 47 (19.11.1861)
- Date
- 1861-11-19
- Page
- Seite 676 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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von Gottes Gnaden auf dem Spiele ständen. Der Zeitgeist läßt sich einmal nicht in Fesseln legen, und der gesunde Sinn unserer Mitbürger bildet die Phalanx, an der alle Anforderungen der Reaction spurlos zurückprallen. Einige Verblendete sind zwar in das feindliche Lager übergegangen, doch weist die Mehrzahl des Volkes alle Anmuthungen jener Herren und Herrchen zurück, die" die „alten, bewährten Einrichtungen unangetastet 'wissen wollen". — Welchen mächtigen Einfluß doch der Fortschritt der Zeit auf die Gemächer übt! Sie/die noch'vor wenig Monden mit Stolz und Geringschätzung auf die herabblickten, in deren Ädern'nicht adeliges Blut kreist, sie fraternisiren jetzt Mit dem gewöhnlichen Landmanne, reichen dem Schuh- und Täillieurkünstler die Hand zum süßen Bruderbünde und' scheinen ' den goldenen Zeitpunkt herbeisühren zu wollen, in welchem alle'Menschen auf der himmlischen Aue der Eintracht und Bruderliebe lustwandeln werden. Sehr schönt; Doch' besehen wir dieses Streben nach Bruderliebe und Gleichheit der Herren der ehemals „ kleinen aber mächtigen Partei" bei Lichte genauer, was finden wir da? Die schönen Farben erbleichen und jene honigsüßen Worte sind weiter nichts, als — Worte, leere Worte. Der Ultramontanismus scheint recht gut von dem Spruche Gebrauch zu machen: .mb -hr'3ö üb3>n — Es dürste uns demnach nicht überraschen, wenn die Partei, deren Führer den §. 12 aus der Verfassung gestrichen und den Juden die Wohlthat der Gleichheit vor dem Gesetze entziehen wollte, daß sie eines schönen Tages auch uns Juden eine Lockspeise Hinhalten wird. Möchten wir da wie ein Mann rufen: ■ “jspwa «b «bi möchte kein Jude so tief gesunken sein, sein Judenthum und seine Glaubensbrüder für elenden Mammon zu verschachern und Colporteur zu sein jener Partei, die nichts weniger, als uns wohl will. Dr. A. Jaraizewsky. Berlin, 10. November. Die „K. Z." schreibt: Während das Appellations-Gericht in Königsberg (ostpreußisches Tribunal) unter Führung des „Kanzlers von Preußen" vr. v. Zander gutachtlich beantragte, von dem Handelsrichter-Amte die Juden auszuschließen, hat das westpreußische Appellations-Gericht zu Marienwerder sich gutachtlich einstimmig dahin entschieden, daß Juden auch zu Handelsrichtern zugelassen; werden müßten. Oester reicht sch er Kaiserstaat. Wim, 25. October. Der „K. Z." schreibt man: Im Staatsministerium dauern-die Verhandlungen über die confessionellen Fragen' fort; dieselben sollen jedoch bis jetzt zu keinen Resultaten geführt haben, und beobachtet namentlich der Delegirte des Erzbischofs, Canonicus Mayer, eine durchaus oppositionelle Haltung. Man zweifelt daher auch sehr, daß es möglich sein wird, auf diesem Wege zu einem gedeihlichen Resultate zu gelangen; jedenfalls werden die auf die confessionellen Angelegenheiten Bezug habenden Vorlagen in den Kreisen der Abgeordneten um so weniger mit Befriedigung ausgenommen werden, da in denselben das von dem confessionellen Ausschüsse des Abgeordnetenhauses aufgestellte Religionsedict nur iw den wenigsten Punkten eine Berücksichtigung erfahren haben soll. Gegen dieses Letztere wird von unseren Klerikalen auf alle Weise agitirt, und da sich dieselben, wie man weiß, noch immer einer sehr einflußreichen, Unterstützung zu erfreuen haben, so ist es begreiflich, daß sie den Muth keineswegs sinken lassen. Gewiß ist jedenfalls, daß das Herrenhaus 'die Hoffnungen der Ultramontanen nicht täuschen wird; denn daß dieses das von dem confessionellen Ausschüsse des Abgeordnetenhauses vereinbarte Religionsedict verwerfen wird, steht außer allem Zweifel. (Aus unseren früher gemachten Bemerkungen konnte man schon ersehen, daß uns Obiges nicht überraschen werde. War das bezügliche Religionsedict ja doch nur im Ausschüsse mit der Hälfte der Stimmen sammt der des Präsidenten durchgegangen. Die Redact. d. A. Ztg. d. Judenth.) Prag, Anfangs November. (Privatmitth.) Wenn der russische Kaiser Pauli, den Ausbruch der französischen Revolution einen Sturm in einem Glas Wasser nannte, so möchten wir die hier stattgehabte Agitation bei der Nachwahl zur Cultus-RepräseNtanz „ein Stürmchen in einem Gläschen Wasser" nennen. Die Wahlordnung an und für sich leidet an einem Gebrechen, das nicht nur das Wohl, sondern auch die Würde der Gemeinde beeinträchtigt, es sind nämlich relative Majoritäten zulässig. So kann es leicht kommen, daß bei Hunderten von Wählern einige wenige Stimmen genügen, um den ersten Besten an den grünen Tisch zu bringen. Beispielsweise mag hier angeführt