Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 25 (1861)
- Issue
- Heft 47 (19.11.1861)
- Date
- 1861-11-19
- Page
- Seite 675 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/3224737-3226256-3226304--19880-3248922- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
67L wenn diese Partei so sehr auf die-Majorität der Altjuden pocht, warum dem laut gewordenen allgemeinen Wunsch der badischen Juden, eine Synode zur Reorganisirung des Oberraths und unserer Kirchenverfassung einzuberufen, keine Folge gegeben wird? Gerechte Entrüstung aber muß es Hervorrufen, wenn in den. Motiven 3. und 4. verlangt wird, den dem Fortschritt huldigenden Juden allen Rechtsschutz zu entziehen, da allein die dem alten Judenthume treu ' Gebliebenen die legitimen physischen und moralischen Erben des zu allen Zeiten in Baden geübten Rechtsschutzes seien. (Wir behalten uns vor, diesen Entwurf mitzutheilen und zu beleuchten, in dem Falle er wirklich eine Berücksichtigung finden sollte, können aber schon hier bemerken, daß wir lange kein so acht jesuitisches Machwerk vor Augen bekommen haben. D i e R e d a c t) Preußen. Exin, im November. Das Bromberger Wochenblatt enthält: Am 30. November, Sabbat Chanukka d. I., feiert die hiesige Gemeinde Das 50jährige Amtsjubiläum ihres hochbetagten ehrwürdigen Rabbiners, Herrn Wolf Jacob Klausner. Der Jubilar kam 1811 hierher, nachdem er bereits Ln Obornik sieben Jahre als Rabbiner fungirt hatte. Am 18. v. M. feierte er seinen hundertjährigen Geburtstag in bescheidener Stille. Seit mehreren Jahren entbehrt er des Augenlichtes, ist aber im Uebrigen in vollem muntern Gebrauch seiner ungeschwachten Geisteskräfte und versieht noch alle seine amtlichen Functionen. Kl. gehört zu den nur noch wenig vorhandenen altrabbinischen Celebritäten ersten Ranges, eine nicht geringe Zahl bejahrter Rabbiner sind seine Schüler und auch der jüngstverftorbene hochbetagte L. Äaschke, Rabbiner zu Schönlake, gehörte zu denselben. Es hat sich hier ein Comite gebildet, dessen Aufgabe es ist, diese seltene Feier zu einer würdigen und erhebenden zu machen, daß dem verehrten anspruchslosen Greise, wie seiner noch lebenden Gattin, mit welcher er vor acht Jahren die goldene Hochzeit feierte, ein Freudentag bereitet werde. Unser Nachbar, Herr Rabbiner Dr. Friedmann aus Rakel, hat zur Abhaltung der gottesdienstlichen Feier sein Erscheinen zugesagt. — Den zahlreichen Freunden, Verehrern und Schülern des ehrwürdigen Jubilars glauben wir mit dieser Ankündigung einen Dienst zu erweisen. - Berlin, im November. (Privatmitth.) Der Vorstand hat einstimmig in der Person des Herrn Schlesinger zu Potsdam den zweiten Cantor der Gemeinde gewählt, dessen Stellung derjenigen des ersten, soweit wir wissen, völlig coordinirt ist. Diese Ernennung ließ sich mit ziemlicher Bestimmtheit voraussehen, da, wie in den vorangegangenen 2 Jahren in der Jnterimssynagoge, Herr Schlesinger diesmal in der Hauptsynagoge während der hohen Feste die entsprechenden Functionen zum ungetheilten Beifall der Anwesenden verrichtete. Seine treffliche Begabung hat ihm schon vor längerer Zeit die Berufung als Cantor der Re? ligionsgesellschaft in Frankfurt a. M. verschafft, wo er 3 Jahre rühmlichst seinem Amte Vorstand. Die Wahl in Warschau lehnte er vor 3 Jahren aus freien Stücken ab, in der Erwartung, recht bald in Berlin die erstrebte Anstellung zu erhalten. . Berlin, 12. November. (Privatmitth.) Anlehnend an den vor einiger Zeit von Ihnen gegebenen Leitartikel über die in Berlin neben den Statuen Schillers und Goethe's vor dem Schauspielhause zu setzende Bildsäule Lessings, mache ich auf den erfreulichen Erfolg aufmerksam, daß der König auch der Lessingsstätue sein Protektorat zugesagt hat. Mögen Ihre Worte, welche unsre Glaubensgenossen, namentlich in Berlin, aufforderten, reichlich für Lessing zu steuern, die nachhaltigste Bethätigung finden! — Die „Berichtigung" in Nr. 45 berichtigend, bemerke ich, daß jetzt allerdings vom Vorstande Herr 'Dr. Sachs aufgefordert worden ist, ein Gutachten über die Zulässigkeit der Orgel in die Synagoge abzugeben, welches er binnen vier Wochen einzuhändigen versprochen hat. Schon vor einem Monate aber forderte der Vorstand über diese Frage Gutachten von mehreren „hervorragenden Rabbinen" ein. Cüstrin, 5. November. (Privatmitth.) Die Reaction erhebt jetzt auch in hiesigen Kreisen noch einmal das todtesbleiche Haupt. In einem Circular an die hiesigen ländlichen Wähler röchelt sie das Leben ihrer nur noch schwachen (?) politischen Thätigkeit aus. . Vergebens sucht sie ihren ländlichen Wählern den Glauben aufzudrängen, daß durch den Liberalismus die heiligsten Institutionen der Kirche und des Königthums