Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 25 (1861)
- Issue
- Heft 46 (12.11.1861)
- Date
- 1861-11-12
- Page
- Seite 661 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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f trieften Zügen vor uns und erkennen an jedem Striche die Hand des Meisters. Die Geißel der Satyre weiß Herr St. aufs Bewunderungswürdigste zu schwingen, und das Salz, das er dazwischen streut, kann wahrlich! nicht schärfer, nicht ätzender sein, als wie es in der Thai ist. — Prolog und Epilog fehlen auch nicht. Angehängt ist „Die Rabbinenwahl zu Bummeßel, ein Zeitbild." — Hier sehen wir eigentlich nur in „dogmatischer Form" Das wiederholt, was uns vorher in epigrammatischer gegeben war. Vom Dichter in die Kahals-Stube von Bummeßel geführt, finden wir hier die respect. Gemeinde-Repräsentanz, mit ihrem Präses an der Spitze, versammelt. Auf der Tagesordnung steht die Rabbinatsposten-Miederbesctzungs-Angelegenheit Der Herr Präses eröffnet die Discussion. Wie unstreitig heutzutage in jeder jüdischen Gemeinde, so erheben sich auch hier Stimmen für einen orthodoxen, für einen modernen und für gar keinen Rabbinen. Der Gemeinderepräsentant „Reb Mansche" verketzert und verdonnert mit beredter Zunge die „Neumodischen", während er den „Alten" aufs Wärmste das Wort spricht; der Herr Präses thut seinerseits mit noch beredterer Zunge gerade das Gegentheil. Die Debatte wird heftig und immer heftiger, — bis sie endlich, in ihrer höchsten Heftigkeit sich befindend, Seitens des Vorsitzenden gänzlich abgebrochen und — zur Abstimmung geschritten wird. Was ergiebt diese? Der Gemeinde-Actuar zählt und prüft die Stimmzettel, und siehe da! die Majorität hatte ihr Votum dahin abgegeben, daß für jetzt in Bummeßel „gar kein Rabbiner" gewählt würde. — Ist dies die Entscheidung? Nein! Der Dichter weiß sie durch etwas Anderes herbeizuzaubern, und zwar durch eine kaiserliche Ordre, die er, wie einen ve»8 ex machina, in die Versammlung kommen läßt, den allerhöchsten Befehl bringend, daß das erledigte Seelsorgeramt in der Judengemeinde zu Bummeßel nun nicht länger offen bleiben , sondern vielmehr recht bald, und zwar nur durch einen „studirten Rabbinen" besetzt werden solle. — Das Urthcil über den großem oder geringem poetischen W er t h des Ganzen den Männern vom Fach überlassend, bemerken wir unsererseits nur noch, daß das Schriftchen jedem Leser, — dem alt-, wie dem neu- und auch dem ganz un modischen, — eine sehr heitere Stunde gewähren muß. — „Entweihet Israels Heiligthümer nicht!" ist die Rede betitelt,, die Seitens des Herrn ve. Julius Landsberger in Berlin bei Gelegenheit der von ihm am 2. Juni c. Jtt&er dasigen Hauptsynagoge) veranstalteten ConfirmaWNtsfeier gehalten worden und welcher die Schlußworte des damaligen Wochenabschnittes (Korach), nämlich : erb ber-,iü'>-'>2L *in5“ip ■“ grnan kVi?bbnn —- aU % e x t untergelegt sind. *) — Von dieser Rede sagt ein Correspondent des berüchtigten Schmäh- und Lügenblattes ganz dreist, Herr Dr. L. hätte in ihr hervorgehoben: „daß gleichwie Moses das jüdische Volk um den Sinai versantmelte, um demselben die Gesetze Gottes zu überbringen, so stehe auch er hier, um seine Zöglinge in den Bund Gottes einzuführen, und so stehen auch seine Zöglinge da, um die Lehre zu empfangen." Zur Steuer der Wahrheit fühlen wir uns gedrungen, hier zu erklären, daß ein solcher Vergleich in der ganzen L.'schen Rede, wie sie nunmehr gedruckt vor uns liegt, durchaus nicht vorkommt.**) Herr vr. L. hält sich-zwar von Vergleichen nicht fern, sondern stellt deren sogar eine ganze Reihe — und zwar lauter sehr treffende — auf. So sagt er z. B.: „Denn wie Ihr heute ein Bündniß mit Eurem Gotte schließet für Zeit und Ewigkeit, also schlossen einst unsere Väter um dieselbe Zeit dasselbe Bündniß mit dem Einig-Einzigen an jenem heiligen Berge." -Und später: „Wie Ihr heut' pochenden Herzens vor der Gotteslade steht, die die heilige Thora birgt und mit hochklopfender Brust der Dinge harret, die da kommen sollen, so standen an jenem ewig denkwürdigen Tage, von Schauern der Andacht durchrieselt, von Furcht und Hoffnung erfüllt, am Fuße des Horebs, der heiligen Geburtsstätte dieser Thora, — unsere Väter."-Nirgends aber, ja nirgends sagen wir, findet sich eine Stelle, wo vr. L. mit dem Manne Gottes oder mit dem.Berge Gottes sich vergleiche. Letzterer ist zwar zu öftern Malen, Ersterer aber (Moses) nirgend s genannt — ja nicht einmal genannt.***) — Was sonst die vorliegende Rede *) Als „Heiligthümer Israels werden 1) die Thora, 2) das Gebet, 3) der Sabbath, 4) die Ceremonien vorgeführt — und die letzten sehr treffend mit den ,>Händen der Religion" verglichen. **) Und ein Mann, wie Herr Dr. I. L., hat doch gewiß nichts Anderes drucken lassen, als er gesprochen! ***) Was der bezügl. Correspondent noch an dem Prüfung sacte ausstellt, zeigt eben, daß er an diesem „sonst weiter nichts" auszustellen gefunden. — Was wir unsererseits an den immer mehr Verbreitung findenden jüdischen Consirmationsfeierlichkeiten und namentlich an den damit verbundenen Prüfungsacten auszustellen finden, wol-