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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1861-11-12 · Heft 46 (12.11.1861) · p. Seite 662

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
25 (1861)
Issue
Heft 46 (12.11.1861)
Date
1861-11-12
Page
Seite 662 (sequence 8)
Language
German
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anlan^t, so hat der Leser ^hingehendes Referat hier um so weniger zu erwarten, al^U erstlich überhaupt ganz außerhalb der engen Grenzen unserer journalistischen Thätigkeit liegt, auch über Werke auf dem Gebiete der homiletischen Literatur zu referiren, und als es zweitens hier noch dazu um das homiletische Product eines Mannes, wie vr. L., sich handelt, welcher aber in dem qu. Fache für allzutüchtig bekannt und anerkannt ist, um nicht über Das, was seinem Munde und seiner Feder entflossen, mit einem einfachen irwz) ‘trr idik “nn rn nnnw ^na, die etwa fragend Aufblickenden beruhigen zu können.— Nichts desto weniger aber können wir es ungesagt lassen, daß die L.'sche Rede ganz und gar dazu angethan ist, auch, — was bei so vielen homiletischen Erzeugnissen der Neuzeit durchaus nicht der Fall ist — auf den Leser ihren tiefen Eindruck nicht zu verfehlen. Wir haben solchen überall und mit Freude empfunden; wir haben nicht blos an dem guten Kern uns gelabt, sondern auch an der schönen Schale, d. i. dem trefflichen Styl, unser Auge und Herz geweidet, — und wir haben uns wiederum* *) gefragt, warum denn von so vielen Predigern der neuern Zeit gerade aus den Styl so wenig Werth und Gewicht gelegt werde? — Ist denn der Styl nicht gewissermaßen das Kleid, so der Geistliche um sein homiletisches Kind hüllet? Und warum sollte dieses Kleid ein abgenutztes, ein geflicktes und fadenscheiniges sein? Warum sollte es — wie dies nun so oft der Fall ist— ein Alltagskleid sein? Ist es' doch nicht das Alltagskleid, in welchem der Prediger selber vor uns tritt, wenn er die Kanzel besteigt! — Soll zwar von dieser herab nicht in der Sprache des Salons zu uns geredet werden, soll zwar der Mann da oben nicht in hohen Dithyramben sich ergehen, so dürfte doch, meinen wir, dem Style eine gewisse Eleganz, eine gewisse Festtäglichkeit niemals fehlen,**) — und zum wenigsten sind wir — daucht uns — berechtigt, etwas mehr als bloßeAlltagsphrasezu verlangen. Denn eben so wenig wie dem Orte, an welchem, entspricht letztere der Stimmung, i n welcher gottesdienstliche Vortrage gewöhnlich angehört werden. Und wie bald sinkt die Alllen wir in einem diesem Gegenstände besonders zu widmenden Artikel ausführlich darlegen. *) Vergl. den Schluß unseres literarischen Berichts in No. 33 d. Ztg. **) Wir müssen bei dieser Gelegenheit ganz besonders auf die bisher gedruckten Reden des Redacteurs dieser Zeitung aufmerksam machen. tagsphräse — sie nennen sie zu ihrer Beschönigung die „populäre Redeweise" — wie bald sinkt sie nicht bis zur Trivialität hinunter? — Trivial aber, und nicht anders, nennen wir es, wenn z. B. ein Prediger inmitten einer Etul- oder Rosch-Haschanah-Predigt, in der Terminologie des Italieners Lucas sich erschöpfend, uns ermahnt, das Conto-Buch aufzuschlagen, kein Folio zu überspringen, überall Debet und Credit gewissenhaft zu vergleichen, auch Memorial und Journal nicht außer Acht zu lassen, das Facit zu ziehen, die Bilanz zu machen rc. re., oder wenn er gar in einer Jom- Kippur-Draschah uns andonnert, heute nicht blos gegen die leichten Truppen (d. h. die minder großen Sünden) kämpfend anzustürmen, sondern — was Hauptsache ist — mit schwerem Geschütz gegen die Kerntruppen Front zu machen u. dgl. m. — Man hat über die alten Darschanim Zeter geschrien, wenn.sie „Katze und Maus", oder „Heuboden und Hühnerstall" auf die Kanzel brachten, und heutzutage sollten wir Aehnliches, weil es modern üb er tüncht ist, ruhig hinnehmen? Nein! wir werden Derartiges rügen, so oft sich nur — was wir übrigens durchaus nicht wünschen — die Gelegenheit dazu darbieten sollte. — Der jerusalemische Talmud — von welchem bisher nur zwei complete Ausgaben, nämlich die Venetianische von 1523 und die Krakau'sche von 1604, vorhanden*) — erhält nunmehr in der vortrefflichen Officin und im Verlage von B. Wehrend in Krotoschin eine neue und vollständige Edition, mit welcher der Verleger einem um so größern Bedürfnisse abzuhelfen hofft, als — wie er im Prospectus ganz treffend bemerkt — ,>die durchgreifende Forschung der Neuzeit auf dem Gebiete der jüdischen Literatur den hohen Werth des jerusal. Talmuds für ein gründliches Talmudstudium, für die jüdische Geschichte und die Kenntniß des aramäischen Idioms tiefer erkannt und das Interesse daran noch mehr geweckt hat." Es wird dieser neuen Jevuschalmi-Ausgabe die Paginirung der Krakau'schen zu Grunde gelegt, und soll sie mit dieser auch den „kleinen Commentar" gemein haben. Vermehrt aber wird sie um ein hinten angehäng- *) Alle übrigen Ausgaben des Jeruschalmi, obschon mit ausgedehnten Commentaren versehen, sind incomplet, indem sie nur einige Ordnungen .des Talmuds umfassen, oder gar nur auf einige Traktate beschränkt sind — und selbst die Krakau'sche vollständige Ausgabe ist in typographischer Beziehung sehr verunstaltet.

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