Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 25 (1861)
- Issue
- Heft 46 (12.11.1861)
- Date
- 1861-11-12
- Page
- Seite 659 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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«SS allseitig verdient, insbesondere, so man damit .eine kritische Ausgabe der Massora, Thargumimund der vorzüglichsten Commentare, z. B. Raschi, Jbn Esra, Raschbam, Kimchi re., verbinden würde. — Höchst erfreulich ist es ferner, daß man nun auch dem jerusalemischen Talmud, der von der jüdischen Typographie bisher gänzlich vernachlässigt wurde, eine größere Aufmerksamkeit zu schenken beginnt. Gewiß würde durch eine gute, complete Edition des labtöi")“' "nwbn, der complet blos zwei Mal, Venedig und Krakau, edirt wurde, einem allgemein fühlbaren Mangel und Bedürfnisse Rechnung getragen werden, da vollständige Eremplare von diesem Werke sehr selten und theuer geworden sind. Et sua fata habent libellil Ein eigenes Mißgeschick waltete hier immer ob; denn alle in neuerer Zeit gemachten Projekte scheiterten und mußten aufgegeben werden. Blos einzelne Abtheilungen, . "HD anam "jyiD, sind hier und da gedruckt worden, wogegen ■ppitäi Q^-it sehr gesucht sind. (Vergl. hierüber Schem Hagedolim edit. Ben Jakob II, 178.) Es ist uns unbekannt, ob die von S. Bak und A. I. Menkes in Lemberg längst angekündigte Herausgabe des in Octavo wirklich in Angriff genommen wurde, und wir begrüßen daher um so freudiger die von der Verlagshandlung B. B e h r e n d in K r o t o sch i n veröffentlichte Subfcriptions- Einladung auf den jerusalemischen Talmud nach dem Muster der Krakauer Edition nebst einem Glossar und Namenregister, weil man derselben ein günstigeres Prognostikon stellen kann. Der Prospectus verspricht eine gefällige, schön ausgestattete Ausgabe in ungefähr 14 Lieferungen ä 15 Ngr. — und es ist ein gewiß von Vielen gehegter Wunsch, daß das schöne 'Unternehmen ohne Unterbrechung glücklich zu Ende geführt werden möge. Wir können es nicht bei dieser Gelegenheit unterlassen,. die Aufmerksamkeit der geehrten Leser abermals (vgl. unsere Anzeige No. 1 des gegenwärtigen Jahrgangs dieser Zeitung) auf die prachtvolle Wiener Talmud au sgabe mit vielen Commentaren nebst der Thoßiftha zu lenken, von der bereits vier Traktate vollständig erschienen sind. Wir haben nämlich vor uns wiederum liegen die Traktate: mDirOi sna, sisp aan, Wien 1861, Zamarski und Dittmarsch, die rasch aufeinander gefolgt find, und man kann leicht daraus ersehen, wie schnell das Werk, das in typographischer Hinsicht alle Anforderungen übertrifft, fortschreitet. Auch Herr Ignaz Weiß, am dem die Gesellschaft einen tüchtigen und gelehrten Corr/eet o r gewonnen, verwendet auf die Correctur die größtmöglichste Sorgfalt — ein Vorzug, den man, wie bekannt, den Wiener jüdischen Druckwerken nicht allgemein nachrühmen kann. Nebstdem setzte Herr I. Weiß seine mit. vielem Beifalle aufgenommenen Marginalnoten über die Parallelstellen des babyl. und jerusal. Talmuds mit vielem Fleiße und kritischem Takte fort, welche so manche'dunkle Stelle aufhellen und schon dadurch dieser Ausgabe einen höhern wissenschaftlichen Werth verleihen. Durch solche vergleichende Parallelen, die sich aber auf das ganze immense Gebiet der Talmud- und Midrasch- Literatur erstrecken müßten, wird das Verständniß des Talmuds ungemein gefördert, und wir. brauchen nur auf die kritischen Randglossen des R. Jesajas Berlin und R. Elia Wilna zu verweisen. Allein es giebt hier noch viel zu thun, und man kann mit Recht auf die trefflichen Arbeiten der beiden Kritiker das Wort der Bibel (Richter 8, 2.) anwenden: Die Nachlese Ephraims ist größer als die Weinlese AbiesersAbgesehen von den zahlreichen Namensverwechslungen, die bei historischen Berichten von besonderer Wichtigkeit find, find oft ganze Stellen und einzelne Wörter ausgefallen, die sich in sekundären Quellen, Jalkut, Aruch u. dgl., erhalten haben und daraus ergänzt werden müssen. Wir können nicht umhin, hier auf folgendes interessante Beispiel, das sich uns bei einer Vergleichung des Jalkut §. 160 zum 1 B. M. 49, 12. und Kethuboth 111b. dargeboten, aufmerksam zu machen, da daselbst eine Menge Verschiedenheiten Vorkommen— wovon wir aber blos zwei hervorheben wollen. Der Talmud sucht nämlich die Worte im Segen Jakobs: Röthlich die Augen vom Wein, weiß die Zähne von Milch, agadisch auszülegen, und zwar nach. Jalkut mit folgenden Worten: a^psb Cp^) nrp ■jab vrbdr -Hpn ba b'h hsp a'bna n-o'pTb ’p hd*’ pn^ /taib mb yvoa ♦ arnp .abnw öttro ",ab 'w© mpimb In unfern Talmudausgaben, Kethuboth S. 111b. fehlt das Citat von R. Jizchak und die darauf folgende Stelle gänzlich, wodurch aber der Passus ganz unklar ist. (Vgl. R. Samuel Edeles zu dieser Stelle und Midrasch rabba Ab. 98 sä locum.) Daß die geistreiche, diätetische Behauptung des R. Jizchak, daß der Wein für Greise und Hochbejahrte eben so vortrefflich ist, wie die Milch für Säuglinge, wahr und richtig ist, finden wir in dem berühmten Werke: „Der Kreislauf des Lebens" von Moleschott S. 312 eklatant bestätigt. „Ich weiß nicht", heißt es daselbst, „aus welcher gemeinsamen Quelle schöpfend George Sand und Liebig Beide den Wein die Milch der Greise; nennen. Sicher aber ist es, daß Beide Recht haben rc. re.