Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 25 (1861)
- Issue
- Heft 46 (12.11.1861)
- Date
- 1861-11-12
- Page
- Seite 658 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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verkümmern will, diese sind völlig unberechtigt, und wenn sie sich noch so sehr aus den Buchstaben eines Contractes steifen; es ist nicht, was er lehrt, sondern daß er nur unter Controle lehren soll, was den Gegenstand des Streites macht, und dies ist verwerflich. Wenn man diesen einfachen Standpunkt der Sache festhält, so glauben wir schwerlich, daß ernstliche Reibungen entstehen oder zu einem Bruche führen können. Noch einmal: der Rabbiner lehre und rathe, die Gemeinde beschließe und handle — diese aber wolle jenen nicht in seiner Belehrung beschränken und in seiner Berathung verkümmern, und jener wolle dieser nicht seine Meinung aufdrängen und ihr Thun und Lassen beherrschen. Zerstreute Bemerkungen. Wie der Elberfelder und Kölner Zeitung geschrieben wird, hatte man sich in Königsberg zu beklagen, daß Wissenschaft und Kunst, daß Akademien, Universitäten u. s. w. bei der Krönung durchaus nicht vertreten waren — wir Juden können uns also trösten, wenn wir mit Wissenschaft und Kunst dasselbe Schicksal theilten. Savigny ist todt! Abermals eine jener Celebritäten, die so lange Zeit an Deutschlands wissenschaftlichem Himmel glänzte und nach dem Erlöschen durch keinen Stern gleicher Größe ersetzt wird. Wir verehrten ihn auch als unfern Lehrer. Nichts war interessanter, als aus dem „Naturrechte" des lebhaften, an schlagendem Witze und geistreichen Pointen übersprudelnden Gans (eines Hegelianers und geborenen Juden) zu den „Institutionen und Pandekten" des in Sprache, Haltung und Gegenstand classisch ruhigen und würdevollen Savignys zu kommen. In unserer Jugend nämlich war es, namentlich bei den jüdischen Studenten, noch nicht Sitte, sich auf das Fachstudium zu beschränken; man strebte nach allseitiger Bildung, und hörte begierig jeden bedeutenden Mann, wenn auch, wie z. B. bet Savigny, nur die Einleitung. — Savigny war von 1842—1848 Minister der Gesetzgebung, wobei die Fügung wollte, daß gerade Savigny, welcher in einer sehr bekannten Schrift den gesetzgeberischen Beruf unserer Zeit geläugnet hatte, zur Gesetzgebung berufen worden. Was Wunder, daß gerade aus seiner Thätigkeit an Gesetzen nichts mehr vorhanden ist, als die Gewerbeordnung von 1845, die aber durch die Verordnung vom 9. Februar 1849, und das Judengesetz vom 23. Juli 1847, das durch die Verfassung fast ganz beseitigt ist. Seine gelehrten Arbeiten werden länger dauern, und noch erinnern wir uns der Schauer der Ehrfurcht, mit denen wir die Erzählung anhörten, wie er aus einem kleinen Fragmente erkannte, daß eine Handschrift des großen Rechtslehrers G ajuS vorhanden sei! Literarischer Wochenbericht. Gr. Becskerek, 18. October. Die neuen Talmudausgaben und namentlich die Wiener Talmudausgabe. Es ist jetzt eine allgemein gehörte und wohlbegründete Klage, daß das Studium des Talmuds nur der rabbinischen Literatur, das früher sogar einen wichtigen, ja Hauptbeftandtheil des höhern Volksunterrichtes bildete, in unserer Zeit, wo die Jeschiboth fast spurlos verschwunden, gänzlich vernachlässigt wird. Um so merkwürdiger ist es, daß ungeachtet der stiefmütterlichen Psiege, die nun fast überall diesem Schriftthume zu Theil wird, dennoch so viele neue und prachtvolle Ausgaben des Talmuds gegenwärtig veranstaltet werden, - und daß also sonderbarer Weise die buchhändlerische Speculation sich auf einmal auf ein sehr wenig lucratives Gebiet geworfen hat. Editionen des babylonischen Talmuds erscheinen jetzt gleichzeitig im Pränumerationswege in Warschau, Lemberg, in doppelter Ausgabe in Folio und Octavo bei S. Bak und A. I. Menkes, und in Wien, von welcher uns drei neue Bände vorliegen. Zugleich wird aus Berlin berichtet, daß daselbst ein wahrhaft kolossales Unternehmen vorbereitet wird, nämlich eine Stereotypausgabe des babylonischen und hierosolymitanischen Talmuds — und obschon gegen die Ausführbarkeit und Realisirung dieses großartigen Planes so viele Zweifel und Bedenklichkeiten erhoben werden, so bleibt es doch höchst seltsam, daß die Concurrenz sich noch immer hier mit Aussichten auf günstige Erfolge schmeicheln kann. Doch wurde bereits in Berlin mit einer Stereotypausgabe der Mi sch na mit den wichtigsten Commentaren ein bedeutender Anfang gemacht, und die ersten drei Bände sind schon davon erschienen. Weit praktischer und zeitgemäßer ist die Idee, welche ebenfalls, nach Steinschneiders Hamaskir, von einem Berliner Buchhändler ausgeht, die sogenannte rabbinische Bibel, Mikraoth Getioloih, mit den besten alten Commentaren und den T h a r g u m i m, zu stereotypiren. Es wäre dies wahrlich eines der schönsten Nationalwerke, das die größte Theilnahme und Unterstützung mit Recht