Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 25 (1861)
- Issue
- Heft 45 (5.11.1861)
- Date
- 1861-11-05
- Page
- Seite 645 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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645 und den Repräsentanten vieler Nationen, durch dessen Kenntniß todter und moderner Sprachen, und deshalb er mit Recht und geistreich gewiß von unserem jüdischen Jean Paul in London in dessen Vorrede zu „Salomo Len Gabirol" der Secretär der babylonischen Thurmbau- Gesellschaft genannt wird. Dies vom Atelier; das nächste Mal von den kleinen Steinchen und dem großen Baue unseres Meisters, wenn der geduldige Leser mir Nachsicht schenken will. Literarischer Wochenbericht. Biebrich am Rhein, im October. Eine fehlerlose und vollständige Masoreth. Es ist unläug- Lar, daß in unserm Jahrhundert zur Lichtung und Hebung der ebräischen Literatur Vieles gethan wurde, daß die mannigfachen Gebiete derselben sowohl durch neue wie durch alte bis dahin unbekannt gewesene Schriften bedeutend erhellt und erweitert wurden. Unläugbar ist jedoch auch, daß ein Feld dieser Literarur, und gerade ein solches, das einen Hauptbestandtheil, ja gewissermaßen das Element derselben bildet, bis jetzt fast noch ganz unbearbeitet und den Meisten unzugänglich, wenn nicht völlig unbekannt geblieben ist. Wir meinen die Masoreth, nämlich das Dokument derselben, wie es sich dem Schriftterte anreihet als mmb jp^o mott. — Die Unwissenheit in diesem Gebiete hat aber weniger ihre Ursache in etwaiger Gleichgültigkeit gegen den Gegenstand selbst, denn dieser ist allezeit von Allen als hehr und wichtig geehrt worden. Die Ursache liegt vielmehr in der confundirten Abfassung des Gegenstandes, in der planlosen Form der Masoreth; durch diese ward sie ein über obscurus, vor dessen Studium ein Jeder zurückschreckte. Denn daß Ben Chajim bei der Beifügung der Masoreth zu Bömbergs Bibelausgabe (1526) dieselbe nicht allein ohne alle Ordnung, sondern auch unvollständig und im höchsten Grade fehlerhaft zusammengestellt hat, und daß sie in dieser fehler-und mangelhaften Gestalt dann auch in andern Bibelausgaben (wie z. B. Basel 1619, Amsterdam 1724) ohne irgend welche Verbesserung abgedruckt worden, ist bekannte Thalsache. — Und doch hat die Masoreth eine so hohe Bedeutung! Denn sie ist es, die uns den Probirstein abgiebt, nach welchem die Richtigkeit oder Unrichtigkeit von Wörtern und Buchstaben, Accenten und Punkten der sämmtlichen heiligen Schriften sich prüfen läßt. Sie ist es, welche den Bibeltert nach allen seinen Theilen auf alle Zeiten als unveränderlich fundamcntirt dergestalt, daß Niemand etwas dazu, noch davon zu thun vermag, das nicht gleich als falsch entdeckt werden könnte. In Anbetracht solcher Wichtigkeit habe ich darum bereits vor 17 Jahren angefangen, die Masoreth in allen Einzelheiten zu corrigiren und zu ordnen, überhaupt in ihrer Reinheit herzustellen. Als Subsidi^n dienten mir außer den Vorarbeiten eines Levita, Norzi, Ans. Worms, Jos. Eschva, Dubno, Heidenheim, Heinemann, Frensdorf ii. A., noch besonders alle mir zugänglichen alten handschriftlichen Masoreths (worunter eine sehr correcte von 1294), und habe ich so mit des Himmels Hülfe die Masoreth fehlerfrei und vollständig in Manuscript gebracht, in solcher Ordnung, daß zu jedem Schriftworte da, wo es zum ersten Male vorkömmt, auch immer alle darauf bezüglichen masor. Bestimmungen sich finden. Auf den Wunsch von Sachkennern, die das Werk geprüft, beabsichtige ich nunmehr dasselbe unter dem Titel „T& auf dem Wege der Subscription heftweise von je 7 Bogen ü 12 Sgr. zu veröffentlichen, und werden die desfallsigen Subscriptionslisten demnächst ausgegeben werden. Da jedoch der Umfang des Werkes ein so großer ist, daß die enormen Druckkosten nur durch eine zahlreiche Betheiligung von Subscribenten gedeckt werden können, so erlaube ich mir hier schon im Voraus das verehrliche Publikum um ein eifriges Interesse für die Förderung des Werkes zu bitten. S. Baer, Verfasser von Thorath Emeih. Die Wichtigkeit des oben beschriebenen Werkes brauchen wir unsererseits nicht hervorzuheben. Obgleich wir nun die Arbeit des Herrn Baer noch nicht gesehen, so schrieb uns doch vor einiger Zeit Herr Professor Delitzsch in Erlangen, gewiß eine Autorität auf diesem Gebiete, sehr viel Rühmliches über die Forschungen, die Herr Baer angestellt. Möge daher sein Unternehmen allseits unterstützt und gefördert werden.. Die Redaction. Berlin, 23. October. In den nächsten Tagen kommt in Amsterdam eine der kostbarsten Sammlungen zum öffentlichen Verkauf, welche in dem alten Sitze der spanisch-portugiesischen Juden wohl je verwahrt wurde. Es ist das die Bibliothek des am 28. April 1860 verstorbenen berühmten holländischen Dichters Jsaac da Costa, deren Verzcichniß unter dem Titel „Catalogue de la colleclion importante de livres, manuscrits etc. h<5breux, espagnols et portugais du feu Mr. Issac da Costa d’Amsterdani“