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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1861-11-05 · Heft 45 (5.11.1861) · p. Seite 642

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
25 (1861)
Issue
Heft 45 (5.11.1861)
Date
1861-11-05
Page
Seite 642 (sequence 2)
Language
German
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und so in ihren Gemüthern wohlwollende Erinnerung und dankbares Andenken wecke. Und welche ist nun die Zukunft Israels nach Herrn Pstavel? Daß es vom Messias nach dem Lande seiner Väter zurückgeführt, dieses wieder in Besitz nehmen, Jerusalem wiedererbaucn und. in Frieden und Glückseligkeit daselbst wohnen werde. Dies ist freilich nichts Neues. Aber noch mehr; Israel wird daselbst der Mittelpunkt des ganzen Menschengeschlechtes sein; er sagt: „Die Israeliten werden nur Das sein, was sie sein können und sollen, sie werden nicht eher die Fülle der Wohlthaten, zu deren Organ sie berufen sind, auf der Erde verbreiten, als wenn sie unter der Anführung ihres Königs-Messias versammelt und in ihrem Lande wiederhergestellt sind; dann werden sie der Welt das Beispiel eines Volkes geben, dessen ganzer Ehrgeiz darin besteht, dem Ewigen zu dienen und auf seine Stimme zu hören." Auch dies ist nicht ganz neu. Welche Bedingung stellt aber nun Herr Pstavel für diese Zukunft Israels? Daß sich das ganze Volk taufen lasse. Und wer ist ihm der König-Messias von Israel? Kein Anderer, als der Stifter der christlichen Kirche, wie ihn die Kirche als Gott anerkennt und anbetet. Das System Pötavel's ist also: sämmtliche Juden sollen sich taufen lassen, demungeachtet aber ein Volk bleiben, nach Palästina geführt werden, und da das Mustervolk für die ganze Menschheit bilden, womit dann das Gottesrcich auf Erden angebrochen sein wird. Um aber sich taufen zu lassen, muß man zuvor die christlichen Dogmen annehmen, vor Allem die Dreieinigkeit, die Gottheit Christi, die Welterlösung durch den Tod Jesus. Es ist nicht unsere Sache, zu untersuchen, wie weit die Ansichten des Herrn Pstavel mit der bisherigen protestantischen, katholischen u. s. w. Dogmatik im Widerspruch steht, wie weit in jener einerseits der Geschichte und der Vernunft, andererseits der christlichen Gläubigkeit vor den Kops gestoßen wird. Für uns ist nur von Wichtigkeit, zu sehen, daß auch hier Alles nur auf die Taufe hinausläuft; daß selbst hier, wo man unsere Moral nicht anficht, unser Recht im Staate anerkennt, unsere Treue im Glauben an einen einzigen Gott über alle Maßen lobpreist, doch nichts Anderes will, als die uns schnurstracks widersprechenden christlichen Glaubenssätze insinuiren und uns taufen! Es ist immer dasselbe Spiel. Wahrend man früher uns durch Schwert und Scheiterhaufen unserem Gotte abtrünnig machen wollte, will man es jetzt durch Emancipation und Bruderliebe. Nachdem insonders der Protestantismus lange versucht hat, uns durch die christliche Eregese von Bibelstellen zu bekehren, läßt er jetzt dies fallen, und will unS durch die Verheißung einer großen Zukunft kirren. Aber wisset- J.hr denn nicht, daß Ihr nicht im Stande seid, in Euren Schilderungen die Größe der Verheißungen zu erreichen, welche schon die Propheten vor unseren Blicken ausgebreitet haben? Aber diese Propheten stellen uns die unabweisbare Bedingung, daß wir dem einzigen Gotte treu bleiben, und, wohin wir auch zerstreut wären, ihn allein anbeten;' diese Propheten verkünden, daß die Völker sich zu unserm Glauben, nicht aber wir zum Glauben der Völker uns bekehren werden, bis „wie der Ewige einzig, so seine Anbetung einzig sein wird auf der ganzen Erde!" Gehet also; wie Ihr Euch auch geriret, Ihr seid im Widerspruch mit unserer heiligen Schrift, Eure Versuche scheitern ... Die Ansichten Pstavel's sind nicht neu; auch in einer andern Region haben sich dergleichen seit längerer Zeit schon aufgethan. Wir erhielten in diesen Tagen ein Verzeichniß der Bibliothek eines gewissen Da Costa*) in Amsterdam, zu welchem ein Herr Schwarz eine Vorrede geschrieben. Da findet sich der neueste'Ausdruck dieser Absurditäten, nämlich daß die getauften Juden die eigentlichen Christen und das wahrhaft auserwählte Volk Gottes seien. Jene Classe von getauften Judenmissionaren muß sich doch ein Feld suchen, wo sich ihr geistlicher Hochmuth, um sich für die Verachtung, die sie von Jude und Christ erfahren, zu entschädigen, eigene Hütten baut. Sie sondern sich von den Christen ab, als ihrer neuen Glaubensgenossenschaft, wie sie ihrer alten untreu geworden. Wie sehr sie der ganzen Geschichte und allzeitigen Tendenz des Christenthums widersprechen, und aus letzterem ein willkürliches, zu ihrer persönlichen Glorification zurecht geknetes Phantasiewerk machen, dies zu erweisen, überlassen wir Andern. Wir Juden wollen von dieser Doppelzüngigkeit noch weniger wissen. Unfern Glauben zu verläugnen und unfern nationalen Bestand sich zu Nutze zu machen, ist eine Escamotage, die nur von solchen zweideutigen Naturen ausgehen mag. Begnügen wir uns heute mit diesen kurzen Andeutungen, welche jedoch, wie wir glauben, den Standpunkt der protestantischen Kirche zu uns klar machen, der protestantischen Kirche, die, so zahllose Nüancirungen sie auch umschließt, uns gegenüber nur das eine Ziel verfolgt — *) Catalogue de la colleclion importante de livres, manuscrits etc, hGbreux, espagnols et portugais du feu Mr. Isaac da Costa d’Amslerdam. Amsterdam, 1861.

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