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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1861-10-29 · Heft 44 (29.10.1861) · p. Seite 636

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
25 (1861)
Issue
Heft 44 (29.10.1861)
Date
1861-10-29
Page
Seite 636 (sequence 10)
Language
German
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63 fr Leute, bisweilen her und hört zu, was in christlicher Predigt gesagt wird!" Aus Süd-Baden, im October. (Privatmitth.) Bei uns in Baden gehen Dinge von großer Wichtigkeit vor; während wir von der demnächst zusammentretenden Kammer die volle Gleichstellung erwarten dürfen, sehen unsere cultuellen Angelegenheiten trostlos aus; das leitende Mitglied des Oberraths geht damit um, das seither in Karlsruhe auch für jüdische Zöglinge zugängliche evangelische Seminar in das Privatinstitut des Dr. Plato (Tochtermann von Rabbiner Hirsch in Frankfurt) zu verpflanzen; gegen dieses Vorhaben haben sich jedoch die meisten Gemeindevertreter und auch die bezügl. Synagoge förmlich verwahrt. Preüßen. Schneidemühl, im October. (Privatmitth.) In der seit einigen Jahren hierorts bestehenden höheren Knabenschule, welche die vier untersten Gymnastalclassen von Serta bis Tertia bereits umfaßt und durch baldige Hinzufügung der Secunda sich zum Progymnastum gestalten wird, ist von Anfangs her die Einrichtung getroffen, daß die jüdischen Schüler an-den Sonnabenden und Festtagen vom Schreiben und Zeichnen dispensirt sind, ja durch schriftlichen Antrag der Eltern vom ganzen Schulbesuche an diesen Tagen sich dispensiren lassen können. Der Religionsunterricht wird den jüdischen Kindern in dieser Anstalt, wie auch in der zu gleicher Zeit gegründeten höhern Töchterschule > vom hiesigen Rabbiner Herrn S. Brann, der mit zu den Lehrern der Anstalt gerechnet wird, gegen einen festgesetzten Gehalt ertheilt. In der vor einiger Zeit neu erschienenen Schulordnung, die vom Magistrat und der Schuldeputation entworfen und von der Königl. Regierung zu Bromberg genehmigt wordey, ist die Bestimmung vorhanden, daß das j ü du sch!e Neujahrs- und Versöhnungsfest zu den für die-g anz e Anstalt bestimmten Feiertagen gezählt werden. Möge dieses Beispiel in allen derartigen Anstalten recht baldige Nachahmung, finden. .Die hiesigen jüdischen Lehrer waren bisher zu den städtischen Abgaben, von denen die christlichen Lehrer ganz befreit find, herangezogen worden. Vielseitige Beschwerden an den Magistrat, die Stadtverordneten und Königl. Regierung.blieben erfolglos, bis endlich der Oberpräsident unserer. Provinz nach langen Erörterun-, gen zwischen den betreffenden Regierungen zu Posen und Bromberg die Bestimmung traf, daß fortan auch die jüdischen Lehrer vom allen Communalabgaben befreit fein sollen. Vor einigen Tagen fand Hierselbst ein gewiß sehr seltenes Ereigniß statt.' Ein christlicher Handwerker- - im Alter von 28 Jahren, aus dem hier nahegelegenett Städtchen I. ist Jude geworden und hat sich allen nöthigen Formalitäten auf das Bereitwilligste unterzogen! ■■ H. C. Oesterreichischer Kaiserstaat. Wien, 18. October. (Privatmitth.) Der Reichsrath feiert und alle Wett ist gespannt, in welcher Weise die Krisis dieses Mal in Oesterreich überstanden wird. Kein Mensch weiß, wie die mannigfach geschlungenen Knoten gelöst oder zerhauen werden. So weit es jedoch das jüdische Interesse betrifft, ist es nicht praktisch von unseren Glaubensbrüdern, wenn sie dem-Staatsminister v. Schmerling Hindernisse in den Weg legen, denn dieser ist ein Anwalt der Glaubensfreiheit und daher auch ein Anwalt der Rechte der Juden. Ich weiß es wohl, daß die Anerkennung unseres Rechtes jetzt nicht von irgend einer hervorragenden Persönlichkeit abhängt und hätte sie auch das Staatsruder in der Hand. Graf Goluchowsky war als Statthalter in Galizien den Juden nicht gewogen, nichts desto weniger hat er als Minister manches Unrecht gesühnt, obschon er den Juden in Galizien den Grundbesitz nur unter der Bedingung zuerkannt wissen wollte, wenn sie gewisse Studien gemacht haben: Trotz der Einsprache des Concordatsministers Grafen Thun, welcher besorgte, „daß die Juden die Christen dienstbar machen würden", wenn christliche Dienstboten in -jüdischen Häusern fernerdienen dürften, hat bekanntlich Goluchowsky die Aufhebung jenes Gesetzes bewirkt. Welche Kämpfe hätten wir jedoch noch durchzukämpfen, wenn ein Graf Clam rc. Staatsminister würde! Wir wünschen selber, daß Juden in politischer Beziehung sich als Bürger fühlen und ihrer politischen Ueberzeugung folgen sollen; sie dürfen aber auch nicht vergessen , : daß sie eben Juden sind. -— - ' - , --i Bald wird die - theilweise Neuwahl des Vorstandes stattfinden. Wie ich höre, wollen sich dieses Maldie Männer, welche der sogenannten örthodoren Frcictiön! an gehören, lebhaft bei der Wahl betheiligem - '

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