Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 25 (1861)
- Issue
- Heft 44 (29.10.1861)
- Date
- 1861-10-29
- Page
- Seite 635 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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635 Berlin besorgt, die Krönungshymne und der Krönungsmarsch von dem General-Musikdirector Meyerbeer cvmponirt worden. Gegen das Erstere protestirten die Kürschner, gegen das Letztere die Feudalen, insbesondere der „christlich-konservative Wahlverein". Man kann sich nicht in dessen Schoße überzeugen, daß die Krönungshymne für einen christlichen König von einem Juden verfaßt werden könne. Man beruhigt sich nur mit dem Gedanken, daß Meyerbeer doch nur noch mit einem Fuße im Judenthume stehe, und will nun untersuchen, ob dies das gesunde oder das kranke Bein sei? In letzterem Falle wolle man glauben, daß der „Durchbruch der Gnade" möglich sei, im anderen Meyerbeer ohne Gnade aus der Candidatenliste streichen. Zeitilngsuachrichten. Deutschland. Hannover, 10. Oktober. (Privatmitth.) Während des letzten Decenniums hat die hiesige Gemeinde an Mitgliedern sehr zugenommen und ist eine auch der Zahl nach bedeutende geworden, so daß sie, wenn dieser Zuwachs in gleicher Weise noch mehrere Jahre hindurch andauert, bald mit zu den größten Gemeinden Deutschlands zählen wird. Dieser Umstand hat bereits zur Folge gehabt, daß man sich nach einem neuen Begräbnißplatze.hat umsehen müssen und daß man ernstlich daran denkt, statt der sämmtliche Gemeindemitglieder längst nicht mehr fassenden Synagoge eine neue zu erbauen. Der Begräbnißplatz ist bereits erworben und soll demnächst mit einer festen Umfriedigung versehen werden. In dem hiesigen jüdischen Lehrerseminar sind beim Beginne des gegenwärtigen Semesters einige wesentliche Veränderungen vorgenommen worden. Zuvörderst hat es die von Seiten der Regierung bewilligte Subvention ermöglicht, daß die die Angelegenheiten der erwähnten Anstalt leitende Commission ein Haus ankaufen konnte, in welches das Seminar bereits übergesiedelt ist. Außerdem ist an der Anstalt auch ein zweiter ordentlicher Lehrer angestellt worden und ist die Wahl, weil sich kein geeigneter jüdischer Schulmann fand, auf einen christlichen Candidaten gefallen. Im Laufe dieses Winters werden inmitten, der hiesigen israelitischen Gemeinde wahrscheinlich zwei Festlichkeiten stattfinden. Am 2. Januar k. I. (aais n'S) begeht nämlich unser Wohlthätigkeitsverein (n'Ä msn), welchem fast sämmtliche Gemeindemitglieder angehören, sein hundertjähriges Jubiläum und ist bereits eine Commission ernannt, welche die geeigneten Vorbereitungen zu einer angemessenen Feier dieses Tages, an der sich auch Auswärtige betheiligen werden, treffen soll. An dem üblichen Festessen, dem vielleicht auch ein Ball folgen wird, wird es natürlich nicht fehlen. In denselben Monat fällt aber auch der Tag, an welchem vor 25 Jahren die jüdische Religionsschule hierselbft ins Leben trat und ohne Zweifel wird man, obwohl bis jetzt darüber noch nichts verlautet, auch diesen Tag in angemessener Weise feiern und die Gelegenheit benutzen, die Bedeutung einer Anstalt, welcher die gesammte hiesige jüngere Generation ihre religiöse Ausbildung verdankt, zu allgemeinerem Bewußtsein zu bringen und der Jugend den Beweis zu liefern, wie sehr sich auch die Erwachsenen für das Gedeihen dieser Schule interessiren. Einen schönen Beweis für das Interesse an ihrer Schule lieferte unlängst die jüdische Gemeinde zu Hildesheim. Dem Lehrer Herrn Beradt daselbst, welcher nach zwanzigjähriger segensreicher Wirksamkeit hierher übersiedelte, wo ihm die Stelle eines sogenannten Stistsgelehrten übertragen wurde, ward von dem dortigen Vorstande ein Ehrengeschenk überreicht, bestehend aus zwei silbernen Leuchtern und einem Sparkassenbuche mit einer namhaften Summe, letzteres zu dem Zwecke, um die Umzugskosten damit zu bestreiten. Diese Handlungsweise ist gleich ehrenvoll für den scheidenden Lehrer, wie für die das Verdienst anerkennende Gemeinde. In Stolzenau wurde kürzlich das Jubelfest des dortigen Superintendenten Bornträger gefeiert, welcher vor 25 Jahren daselbst als Seelsorger eingeführt wurde. Die Theilnahme an diesem Feste erstreckte sich auch auf die dortigen Israeliten, welche einen silbernen Pokal anfertigen ließen und ihn dem Jubilar nebst ihren Glückwünschen überreichten. Auf die an einen Israeliten gerichtete Frage, wie sie dazu kämen? antwortete jener: Ihr Herr Superintendent ist ein Ehrenmann, er ist wohl, wie sie sagen, sehr christlich-kirchlich, aber er würde doch niemals sagen, wie der Pastor Harms jüngst in Steierberg gesagt haben soll: „Ihr verdammten Juden könnt niemals selig werden." — Man erzählt indeß, der Herr Superintendent habe zu der Deputation freundlich dankend gesagt: „Ihr. habt siebzehn Häuser mit den entsprechenden Kirchenstühlen z kommt doch, Ihr lieben 44