Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 25 (1861)
- Issue
- Heft 44 (29.10.1861)
- Date
- 1861-10-29
- Page
- Seite 634 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Andenken der Nation vermachte. Der Berufung der Einen und der Andern zur vollständigen Lheilnahme an unserem socialen Verbände wurden durch das Mißgeschick der späteren Zeiten Schranken entgegengestellt." An einzelnen Facten tragen wir noch nach: Aus Wloclawek liegt uns eine Correspondenz vor, die in doppelter Beziehung für uns bemerkenswerh ist: Einmal ersehen wir aus derselben, daß die Verbrüderung zwischen den christlichen und den jüdischen Bevölkerungselementen in Polen Wurzel schlägt, und dann, daß der Weg der Reformen, welchen das russische Gouvernement im Nachbarlande eingeschlagen hat, zur Versöhnung der Gemüther und zum vollständigen Siege der besonnenen Elemente über die eraltirten führen kann und, so Gott will, führen wird. Am 24. v. M. hatten in Wloclawek die Stadtverordnetenwahlen statt. Mit Bezug auf dieselben sagt der Verf. der Correspondenz: „Die Wahlfähigkeit wie Wählbarkeit ist zwar durch einen Census, jedoch sehr niedrigen, beschränkt, im klebrigen aber nur an Bedingungen, wie sie überall geltenohne Rücksicht auf das Glaubensbekenntniß geknüpft. Wir erkennen hierin einen Beweis, daß die diesseitige Regierung bestrebt ist, den verjährten Sauerteig veralteter Vorurtheile aus ihrem Bereiche zu verbannen. Die hiesigen Bürger haben bei den Wahlen ihrerseits auch deutlich zu erkennen gegeben, wie sehr es ihnen daran liegt, jeden confessionellen Haß auszumerzen, indem sie unter den 8 Stadtverordneten 3 und unter den 8 Stellvertretern 4 Israeliten gewählt haben. Die Gewählten (der prakt. Arzt vr. Posnanskidie Kaufleute D. Bock und M. Levinski sind Stadtverordnete) gehören keineswegs zu den reichsten, wohl, aber zu den gebildetsten Mitgliedern der jüdischen Gemeinde. — Auch in Plock, der Gubernialftadt, sind mehrere Israeliten zu Stadtverordneten, und ein Israelit von den polnischen Edelleuten, im Gegensatz zu der bekanntenpreußischen Junkerpartci, in den Kreisrath gewählt. Mit Freuden begrüßen wir diese Erscheinung, daß auch in Polen wie in Italien das Princip der Gleichberechtigung aller Confessionen Wurzel schlägt." — Zu Obigem theilen wir nach der „Schles. Ztg." Folgendes mit: Bei den gegenwärtigen Municipalitätswahlen werden die Israeliten fast überall speciell berücksichtigt. Auch in den Listen der Kreisrathsmitglieder begegnet man fast regelmäßig einem oder ein Paar israelitischen Namen. Nachdem andererseits auch die Regierung mit der Gleichstellung der Juden im bürgerlichen Recht umgeht, kann man sagen, daß die Polen „mosaischer Confession" jetzt eben so günstig situirt zu sein anfangen, als sie früher benachtheiligt und verkürzt waren. - — Aus Polen. Die Verbrüderung der Polen mit ihren Landsleuten mosaischen Glaubensbekenntnisses scheint, so sagten wir in vor. Nummer, tiefe Wurzeln zu schlagen. Heute bringen wir ein Schriftstück bei, welches uns befreundeterfeits von jenseits der Grenze zugeschickt worden ist. Nachstehendes Lied sangen die Warschauer Juden in ihrem Gotteshause am Neujahrstage 5622, welches in wörtlicher Uebersetzung also lautet: „Herr, der Du Jahrhunderte das Volk Israels auf dem Wege der Ausdauer und der Prüfung geführt, und ihm in die Brust den Keim der Einheit gepflanzt hast, welcher uns vor dem Untergänge gewahrt und geschützt hat, heute sieht dies arme Volk, welches so viel erduldet hat, in seiner Trauer um eine glückliche Zeit. „Gott, siehe hernieder auf die armen Polen!..." Verflossen ist ein Jahr der Opfer, des Schmerzes und der Strafen, in welchem wir auf dem Grabe der getödteten Landsleute die Standarte der Verbrüderung entfaltet haben! Der Sohn Israels fleht Dich, Herr, an, auf dem frischen Grabhügel um eine glückliche Zeit! „Herr, verknüpfe auf ewig zwei Völker, die scholl heute durch Blut und Thränen verbunden sind, — gemeinsam mögen sie überwinden Martern und Leiden, gemeinsam heilen die wieder offene Wunde.... Gott, auf dem gemeinsamen, großen Grabhügel flehen wir Dich an um eine glückliche Zeit. „Brüder, vertrauet! — Es kommen bessere Lage, der Regenbogen erglänzt, der Wettersturm verzieht sich, — für immer bleibe unser Wahlspruch: Einigkeit und Liebe —: Glaube und Hoffnung! — Gott, auf dem gemeinsamen, dem einigen Grabhügel flehen wir Dich an uni eine glückliche Zeit!" Allerdings haben sich seitdem durch die am löten d. erfolgte Erklärung des Kriegszustandes die Dinge mit Einem Schlage wieder verändert, die angeführten Institutionen sind vorläufig wieder außer Kraft getreten, und es steht dahin, wann und in wie weit sic wieder zu einer Wirksamkeit berufen werden. Zerstreute Bemerkungen. Es ist bemerkt worden, daß die Krönüngsmäntel der preußischen Majestäten von dem Kaufmann Gerson in