Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 25 (1861)
- Issue
- Heft 43 (22.10.1861)
- Date
- 1861-10-22
- Page
- Seite 622 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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MS außer dem schon im ^jaatsrathe vorliegenden Gesetzentwürfe wegen Gleichstellung der Israeliten noch weitere''Gesetzt über ' die- Ordnung des-Erziehungswesens derselben und über die Organisation-eines -„mosaischen General-Conststoriums" iw Aussicht siehen. Ein anderer Artikel desselben Regierungsblattes bringt! einen statistischen Machweis über die Zunahme der israelitischen Landesbevolkerung, wonach, wenn dieselbe ferner so fortschreitet, wie seit einer Reihe von Jahren, die Stadt Warschau binnen 100, das ganze Königreich Polen aber in 120 Jahren eben so viele Juden als christliche Einwohner zählen würde. Hierzu bemerken wir nach andern Quellen/ daß unser Land bekanntlich bei einer Gesammt-Einwohnerzahl von beinahe 5,850,000 über 600,000 Juden hat, von denen 511)000 in den Städten und 89,000 auf dem Lande wohnen. Warschau -zählt 6et 165,000 Einwohnern gegen 45,000 Juden. Bei der ersten Volkszählung im Jahre 18 L 6 hatte Polen im Ganzen 213,000 jüdische Einwohner, von denen 144,000 in den Städten und 69,000 auf dem Lande wohnten.- Damals waren von 1000 Juden 677 in den Städten und 323 auf den Dörfern ansässig, während 1859 in den Städten 859, auf den Dörfern aber nur 141 Juden wohnten. Die jüdische Bevölkerung auf dem Lande vermehrte sich also kaum um ein Drittel, während sie sich in den Städten verdreifachte. Bei den eingebrachten und noch in Aussicht stehenden Gesetzvorschlägen in Bezug auf die Juden müssen wir zu obigen statistischen, in runden Summen angenommenen Zahlen noch bemerken, daß die Städte im Königreiche hinsichtlich der Juden in vier Kategoriengetheilt sind: 1) Städte, wo die Judenunbeschränkt wohnen dürfen, 2) privilegirte Städte, in welchen sich dieselben nicht niederlassen dürfen; 3) solche, wo sie nur in besonder» Stadttheilen oder Straßen (wie in Warschau), in den andern nur unter gewissen Bedingungen, wohnem dürfen, und 4) die im Grenzgürtel (21 Werste öder 3 Meilen von der Grenze) belegenen Städte) in welchen sich Juden aus andern Gegenden des Landes nicht niedertassen dürfen. — (Die statistische Berechnung des Regierungsblattes ist offenbar noch in dem Geiste abgefaßtin welchem frühere statistische Angaben zum Nachtheile der Juden aufgestellt und zu künstlichen Folgerungen gemißbraucht wurden) -Dabei sind derartige Berechnungenin der Regel illusorisch, weil sie auf frühere: statistische Angaben sich beziehen/ die durchaus aus -unzuverlässigen Zählungen hervorgegangen. Daß die-jüdische Bevölkerung auf dem -Lande -sich relativ verringert hat> daran-list' die Gesetzgebung schuld, die ihre Erwerbsquellen uauf-dem Lande verstopfte,. den - Juden z. B. die Brau-, Brenn- und Schankgerechtigkeit durchaus entzog/ ohne daß dadurch freilich der polnische Bauer weniger säuft.-— Die ganzen Emancipationsverhandlungen flößen uns leider noch die Befürchtung ein/ daß sie von keiner Seite ernstlich gemeint seien. Die Redaction der Allg. Ztg. d. Jud.) Petersburg, 6. Oktober. Die „Schlesische Zeitung^ läßt sich von hier aus schreiben, daß der Kaiser — versuchsweise auf drei Jahre — die Errichtung einer jüdischen Handwerksschule in Schitomir genehmigt hat.- Dieselbe ist auf 30 Zöglinge berechnet. Dona »fu rste nthüme r. - Brüssel, 12. October. Ein rumänisches Blatt, „1.3 voix 4o la kouinsnio", vom 26sten September, sucht die wallachische Regierung wegen des. berüchtigten Austreibung-Decretes zu vertheidigeN, wobei zugleich bemerktwird, daß der Termin, das platte Land zu verlassen, für die Juden auf sechs Monate verschoben worden ist. Wir nehmen dies als Vorbedeutung an, daß das wallachische Ministerium die ganze Angelegenheit wird fallen lassen wollen, können aber nicht unterlassen, hier; die ausgezeichnete Widerlegung zu geben, welche der „Levant“ \n rüstiger Verfolgung des angestrebten Zieles dem rumänischen Blatte zukommen ließ-:"- : -; „Wir wollen unfern ehrenwerthen Collegen in Bukarestnicht wegen seiner Unterscheidung zwischen Theorie und Praris quälen, und, obwohl nur mit Hülse ähnlicher Ausflüchte sich die Sclaverei mittem zwischen einer vorgeschrittenen Civilisation hält und man in den Donaufürstenthümern die Emancipation der Bauern verzögert, wollen wir doch für das Erste die.Nothwendigkeit zugestehen, in welcher sich oft die mit dem besten Willen begabten Regierungen befinden, die Strenge der Grundsätze vor gebieterischen Umständen weichen zu lassen. Wir wollen nicht gleich auf die Aermlichkeit des Argumentes aufmerksam machen, daß einige bevorzugte Juden in den Salons der Bojaren zugelassen werden; der goldene Schlüssel/ der dem Baron Rothschild! Und den Herren Pereire die Paläste der Päpste und Czaren öffnet, hat die Zeit der Verfolgungen in Rußland und