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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1861-10-15 · Heft 42 (15.10.1861) · p. Seite 606

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
25 (1861)
Issue
Heft 42 (15.10.1861)
Date
1861-10-15
Page
Seite 606 (sequence 8)
Language
German
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Wohlthaten, die sich nur zum' geringeren Theil auf weltlichem , zum weit, weit größeren Th eil . aber auf geistigem. Gebiete zeigen. •. Es würde vielleicht wiederum nicht unserer Stellung angemessen sein- Hier als Juden Partei zu nehmen, obgleich Reuchlin und die. Burtorfe direct aus jüdischen Quellen geschöpft haben; allein als Deutsche wissen wirdaß seit diesem. 350 Jahren/.alle, unsere elastischen Poeten, Philosophen . und Historiker bis auf diesen Tag Protestanten gewesen sind. Als deut.sche Juden wissen wir, daß alle, diejenigen unserer Männer der Wissenschaft und des Fortschritts, alle unsere Vorkämpfer auf dem: politischen Gebiet protestantisch studirt haben, während die einzige katholische Universität in Deutschland, die von Juden frequent.irt wird, meist nur Finsterlinge und dünkelhafte,. unwissenschaftliche Männer geliefert, hat. In, katholischen Ländern, selbst in denen des Codex Napoleon,, hat es wohl Juden gegeben, , die Austern und Schinken aßen, und den Ceremonial-Cultus aufgaben, aber eine wirkliche Aufklärung, im Privat- und Gemeinschaftsleben konnte ihren Herd nur auf. protestantischem: Boden finden.. Berlin, Dessau, Seesen, Kopenhagen wären für uns nicht dageweftn, wenn sie in Altbayern oder in Böhmen lagen. Die katholischen Gewalten jenseit des Rheins glaubten Alles gethan zu haben, wenn sie eine gegliederte jüdische Hierarchie stifteten, und diesseits, wenn sie ein Bene Zion zum Symbolum erhoben. Wir wiederholen es: alle diejenigen Männer jüdischen Stammes, deren Ruhm in Wissenschaft,, Kunst und Literatur wir als unsere gemeinschaftlichen Kleinode betrachten, ja, noch mehr, sogar die von uns abgefallenen judenchristlichen berühmten Theologen Mancher, Stahl und Andere haben protestantische Bildung genossen. So weit geht kein Zufall! Hier muß ein inneres Element vorhanden sein,, eine lebendige Kraft, die den einen Theil unaufhaltsam vorwärts treibt und den andern Theil zurückhält.. . Und deshalb dürfen wir deutschen Juden unser Verhältniß zu den beiden christlichen Hauptsecten nicht lediglich nach dem Grade unserer bürgerlichen Besserstellung, sondern weit mehr nach der geistigen und ausbildenden Ein- und Wechselwirkung bemessen, die uns mit ihnen verbindet. Vielmehr haben wir die Reformation als eine der größten Wohlthaten einer gütigen Vorsehung auch, ja, ich möchte sagen, vorzüglich für uns zu betrachten. Doch genug hierüber, Unsere Stadt, vor Allem unsere Gemeinde, hat einen fühlbaren Verlust durch den Tod des braven Moritz M. Baum erlitten. Derselbe hinterläßt einen sehr guten Namen als Kaufmann, und hat seit einer Reihe voll Jahren fast alle unsere Gemeindeämter, auch das eilles Vorstehers, mit ünermüdeter Thätigkeit und Einsicht bekleidet. , Unsere „israelitische Freischüler wird jetzt ihre Schülerzahl stark vermehren/ nachdem-esHr durch einige Geschenke möglich gewordennst^ zäeiUläffenzimmer anzubauen, ohne ihr eigenes Capital in Anspruch zu nehmen.*) Beiseförth in'Kurhessen, 10. September. (Privatmitth.) Am 18ten v. M. feierte Herr Lehrer Hause zu Neukirchen sein fünfundzwanzigjähriges Amtsjubiläum. Die Feier verlief ohne Pomp, aber auf gemüthliche Weise. Mehrere Schüler des Jubilars beglückwünschten denselben, indem sie Geschenke überreichten. Auch die christlichen Collegen desselben zeigten sich theilnehmend. Die jüdische Gemeinde jedoch, deren Jugend Herr Hause seit circa vierzehn Jahren unterrichtet, deren Gottesdienst er durch erbauliche Predigten zu heben sucht, nahm keine Notiz von der Feierlichkeit. Mannheim, 5. October. (Privatmitth.) Vor vierzehn Tagen tagten hier die Synagogenräthe der Städte Karlsruhe und Heidelberg mit dem hiesigen behufs einer Reorganisation des Oberrathes. — Sie werden von der Krankheit unseres Präger, die leider immer weitere Fortschritte macht, vernommen haben. Unsere ganze Gemeinde ist in tiefe Trauer versenkt, und in ganz Baden nimmt Alles, was dem wahrhaft religiösen Judenthume *) Die obigen Auslassungen unseres gesch. Mitarbeiters über unser Verhältniß zum Protestantismus enthalten viele Wahrheiten. Auch wir haben den welthistorischen Act der Reformation mit seiner geisteserlöfenden Kraft stets zu würdigen gewußt, und wo wir darüber zu sprechen hatten — z. V. in unseren Vorlesungen— gewürdigt. Allein eben so wie wir das Christenthum in seiner Ursprungsphase und seiner ersten Periode sehr wohl von den späteren christlichen Kirchen zu unterscheiden haben, eben so sehr dürfen wir die Reformation mit den späteren protestantischen Kirchen, mit deren starren dogmatischen Gestaltung nicht verwechseln, und wenn wir demnach über unser Verhältniß zu den protestantischen Kirchen sprechen, welche Richtung, Geist, Inhalt und Zweck der Reformation so ganz verlassen und verläugnet haben, so brauchen wir dabei die Reformation selbst, deren directe und indirecte Segnungen für die Juden nicht zu berühren. Die Redaktion,

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