Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 25 (1861)
- Issue
- Heft 42 (15.10.1861)
- Date
- 1861-10-15
- Page
- Seite 605 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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603 Zeitungsnachrichten. Deutschland. Hamburg, im October. (Privatmitth.) Der Heilige von Krakau hat doch so Unrecht nicht gehabt, die Crinolinen in Bann zu thun; die jüdische Damenwelt hat's wahren? dieserMeierHgej Mden AotteE^usern empfunden, und E^WWiKe^Lst>chaK^ weyn künftig neue GebäuäMmMHtzM.AttÜmMnen' errichtet und in Gang gebraut DinÄerden? Woran ja kein Zweifel erlaubt ist, die Mode voMer sein und die Nachwelt über die großen, leerenRaüme schreien wird. . Vorläufig waren hier die israelitischen öffentlichen und Privat-Gotteshäuser überfüllt, und was die Neujahrs-Predigten anbelangt, so konnte das Publikum nicht satt werden, in allen möglichen und unmöglichen Variationen die ganz neue Weisheit zu hören, daß das Leben kurz, die Zukunft uns unbekannt ist, daß Gott unser Schicksal lenkt, und daß es viel angenehmer ist, lange und gut zu leben, als kurz und schlecht. Nachdem nun hier seit vier Monaten die Civilehe zum Gesetz geworden ist, haben jetzt zwei Brautpaare sich ihrer bedient, allein nicht, wie erwartet wurde, confessionslose, sondern gerade im Gegentheil, Mystiker von den hier bestehenden kleinen Gemeinden „Kripplein Christi" und „evangelische. Zionsgemeinde". Diese, und somit auch ihre Prediger, sind nämlich nicht „anerkannt"; sie lassen sich daher erst auf dem Bureau und hernach in ihren Capellen copuliren, befinden sich mithin in derselben schimpflichen Lage, die noch immer über alle preußischen Israeliten verhängt ist. Freilich ist eine solche Beleidigung gegen eine 3500jährige Kirche etwas schwerer, als gegen eine erst seit 5 Jahren keimende. Weil gerade von Copulationen die Rede ist, so wäre doch wohl den Herren Predigern rc. zu rächen, das schöne poetische Bild von dem Ehebündniß zwischen Gott und Israel doch nicht zu oft und zu grob auf menschliche Copulationen anzuwenden. Der Vergleich, sobald er mehr als eine Redeweise sein soll, ist gar zu unpassend. Bei einer solchen Ungleichheit des Standes kann keine gute Ehe statt haben, konnte es selbst im Alterthume lassen. Der Druck, hebräisch wie deutsch (Friedländers Officin in Brilon), ist vortrefflich, das Papier hingegen nicht von der besten Sorte. Den Preis (12 Sgr.) finden wir bei der Vollständigkeit und Stärke des Buches (460 Seiten) auch noch mäßig. nicht;'-obgleich Menu sagt, die Frau dürfe keinen andern Gott haben, den sie anbete, als ihren Ehemann, und deshalb müsse sie sich auch mit seiner Leiche verbrennen lassen. Der verstorbene Holdheim hat diesen Standpunkt in seinem nachgelassenen hoch-ironischen Werke über die Ehe zwischen Rabbaniten und Karaiten großartig vorgen ömmen. Ich kann nicht umhin, einige Bemerkungen über unser Verhältniß zur katholischen und zur protestantischen Kirche den neulichen schönen Aufsätzen' nachzuschicken. Ob die distinctiv-religiöse Verfolgungssucht in der innern Natur des vom Judenthum abgelösten specifischen Christenthums liegt, darüber steht uns kein Urtheil zu; genug aber, sie ist mit ihm in die Welt gekommen und mit ihm gewachsen. Da die römische Kirche bald die stärkste Kirche und in den wichtigsten Ländern im unbestrittenen Besitz war, so war auch ihre Intoleranz die heftigste und ausdauerndste, während die auf ihrem eigenen heimathlichen Boden um ihr Dasein kämpfende griechische darin nicht so weit gehen konnte. Als aber die römische Kirche sich in Secten spaltete, als namentlich die, Reformation entstand und bald auf geistigem Gebiete noch mehr als auf materiellem siegreich ward, da entstanden Kriege, vor Allem die beiden von Schiller beschriebenen, und da drängte sich den Menschen die Gewißheit auf, daß keine der beiden Hauptparteien völlig siegen werde, und da sah auch Jeder ein, daß, wenn das Todtschießen nun nicht aufhöre, bald weder Katholiken, noch Protestanten mehr übrig bleiben würden. Und so wurde Holland die Heimath der Toleranz, von der die so eben dem Torquemada entflohenen Juden zuerst die Früchte.genossen. Aehnlich ging es in England, und als da wieder neue protestantische Scheiterhaufen loderten, ward Nordamerika das Asyl der zelotischen Religionsflüchtlinge, welche nun ihrerseits bald genöthigt waren, die Toleranz zum Grundsatz zu machen. Von da hat das Jahr 1789 sie nach Frankreich und dann nach andern Ländern Europas gebracht, wo sie jedoch Meist nur da zur vollen Geltung kommt, wo die politische Nothwendigkeit dazu zwingt. Die Theologien haben überall sehr wenig dabei zu thun gehabt, und Dänemark dürfte das einzige Land sein, wo die religiöse Duldung ganz ohne politische Nöthigung ihre Fahne aufgepflanzt und entfaltet hat. Dies vocausgeschlckt, bettachten wir die Wohlthaten, die uns die deutsche Reformation gebracht hat,