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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1861-10-15 · Heft 42 (15.10.1861) · p. Seite 603

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
25 (1861)
Issue
Heft 42 (15.10.1861)
Date
1861-10-15
Page
Seite 603 (sequence 5)
Language
German
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603 stände über hiesige jüdische Verhältnisse, die manchmal unnatürliches Gepräge tragen, schreiben? — Und doch sind die Pariser schreibselig, wie der Maskir, vielleicht nicht ohne persönliche Berücksichtigung, vom Redacteur des Rikajon Hajona bemerkt. — Ich selbst wurde auch veranlaßt, dem Pariser Treiben auf kürze Zeit Valet zu sagen, und wurde als Abkömmling orientalischer Race in die Sommerunthätigkeits-Periode versetzt. Also noch einmal: womit den Faden unserer,Schreibseligkeit anknüpfen? Daß es heiß war, das'ist ja allbekannt; daß ein Pastoralbrief vor vom hiesigen Großrabbiner erschienen, gehört ja nicht in das Juden- 1hum!, Kurz, drehe ich mich rechts, so sagt man mir, hier ist Alles link; drehe ich mich links, so höre ich, wir haben Dich zum Narren gemacht, h i e r ist gar nichts. Alles ist so ruhig, daß man vor Ruhe seekrank werden könnte; selbst die AUianee isradlite universelle, deren Aufgabe doch ist, Lärm zu schlagen, ist in eine Lethargie versunken, bis der große Tag der Preisvertheilung mit Glocken herankommt. Nun mache ich einen Ausflug in die Dreiheit der hiesigen jüdischen Journale, in der Hoffnung, hier irgend einen Strohhalm zu finden, an dem ich wenigstens für den Augenblick ffesthalten will; ja, ich finde aber nur Spreu. Die Archives isr. sind meine Sache nicht, das überläßt man vr. Wolf in Wien, und übrigens sind dieselben seit der neuen Redaction etwas philosophisch hegelianisch, d. h. man versteht.nicht viel davon. Die Verile isr,, mit dieser sollen es die Herren vr. Frankel und Hirsch ausmachen; man sagt, Beide wären auf dem Hohlweg/ und daß Beiden, wie der Nachtigall Gellerts, geantwortet werden soll: Ihr singt Beide nicht schön. Uebrigcns ist die V£rite unter dem Patronat der hiesigen Großrabbinen; ein weiteres Attribut wäre unnöthig, dies sagt Alles. Sie giebt alle geistigen Productionen derselben, als Pastoralbriefe, Predigten, nebstdem die Geschichte des Katholicismus zur Belehrung für die I u d e n am S onnabend. In Wien vielleicht würde die Kirchenzeitung schon dagegen einen Proceß erhoben haben. — Der Revers isr. ist mir zu wenig orthodox, und überlasse ihn lieber zur Ausbeute dem Correspondentcn der Pariser Briefe im Israelit. Ich werde vielleicht einmal Sie etwas ausführflicher über die hiesige jüdische Journalistik unterhalten? Sie werden über meine vielen Versprechungen lachen, und mancher Leser wird zu sich selbst sagen Wir können aber nur wenig sprechen, da wir schreib selig hier find. Ich selbst gestehe Ihnen offen, habe auch wenig Vertrauen zu mir, um Alles, was ich versprochen, zu behandeln; aber ich nehme es mir wenigstens vor. Es wird mir so gehen, wie Demjenigen, der behauptete, daß es jedem Juden bestimmt sei, reich zu werden, nur Mancher erlebt es nicht. A propos, denken Sie nicht, daß ich den Titel meiner Briefe andern sollte, da der Israelit auch Pariser Briefe jetzt hat? Ich habe zwar dieselben noch nicht gelesen, denn es ist so schwer, den Israelit— hier zu finden. Ich glaube, er wird von den Orthodoren aüfgekauft, damit dieser Schatz ja nicht in unedle Hände gerathe. — Ja, wie aber soll ich meine Briefe betiteln? Pariser nichtorthodore Briefe? ich glaube, daß ich mir Unrecht thäte, ich bewege mich doch zu wenig in denselben, um die Orthod oren? Ich dachte, als ich Paris hinter dem Rücken Hatte, die Ucberschrift Nicht-Pariser Briefe zu adoptiren; ein etwas curioser Titel, aber nicht der erste in unserer Zeit; ich glaube, ein Büch, welches nicht lange erschienen/ führt einen ähnlichen Titel. Ich mache Sie aufmerksam, daß die Literatur nicht mein Fach ist, und ich dies nur aus einer Anzeige erfahren. Uebrigens wäre es wünschenswerth, daß eine Titel-Eensur eingeführt werde/ Denken Sie sich, in welche Verlegenheit ich kommen mußte, als ich einem Franzosen, der sich mit einer Arbeit über die Hasmonäer beschäftigt, angerathen, das jüngst erschienene Buch: Vom ersten bis zum zweiten Tempel zu lesen; ich wurde natürlich ein Narr gescholten, und doch habe ich keine Schuld, ich habe nur den Titel angezeigt gesehen, es ist die Literatur nicht mein Fach. — Die „Schwalben" von dem bekannten jüdischen Dichter Ludwig Wihl, übersetzt ins Französische von T. Mercier, führen den Titel: „Res Herondelles Poesie allemandes de Louis Wihl Iraduites en frau^ais avec un essai sur la littdrature juive par T. M.“ Nun, glauben Sie, welche literarischen Werke der Juden sind hier behandelt, etwa die Philosophen? nun, die gehören nicht hierher; die Rabbulisten? liegt etwas zu ferne; aber doch die Dichter, ein Gabirol, Jehuda Halevi re.? auch nicht, deren Namen sind nicht einmal genannt. Das Ghetto, die Juden in Böhmen u. s. w., von Kompert, nun, das lasse ich mir noch gefallen, da dieselben wirklich Originelles und Classisches enthalten; aber es wird da auch Ia vie alsajeune des juifs, oder wie diese namenlose Geschichte heißen soll, von Hauben (Vidal) aufgezählt; nun, wie kann der Mensch so tief finken? Wieder ein neues Versprechen. Ich muß doch nächstens Ihnen den Erfolg, den L. Wihl seit der Uebersetzung der Sch wMl.b e n und seinem Artikel in der Revue contemporaire über die deutsche Philosophie

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