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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1861-10-15 · Heft 42 (15.10.1861) · p. Seite 601

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
25 (1861)
Issue
Heft 42 (15.10.1861)
Date
1861-10-15
Page
Seite 601 (sequence 3)
Language
German
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Ml hafte Menschen eine größere Macht ausübt,-als das^de.s Guten, so neigte nun im, gedachten , confessionellen Ausschusse während der Abstimmung in der 9ud.enbill.sich auch! schon die Schale zum Unheil des galizischen Judenthums!- (denn um dieses, um das Besitzrecht desselben handelte es! sich im Ausschüsse vornehmlich). Da erhob sich der Präj sident des Ausschusses, ein edler, ritterlicher Pole, ein j Mann, der stets für Freiheit, Recht und Wahrheit kämpft,! und erklärte gleichsam zum Schutze dieser drei edelsten Gsi- \ ter der Menschheit, daß es endlich Zeit sei, den schwarzen, schmutzigen Flecken rein zu waschen, der mitten im gebilde- : Len Europa durch die noch immerwährende schmachvolle Behandlung der Juden der Civilisation und Humanität anklebt! — Dieser Mann voller Menschenliebe, der nicht blos sich selbst, sondern Jeden ohne Unterschied frei zu sehen wünscht, ist der hochherzige Reichsraths-Abgeordnete vr. Franz Smolka!! Mit diesem durch Herrn vr. F. Smolka herbeigeführten günstigen Beschluß rücksichtlich der vollen Gleichberechtigung sämmtlicher Israeliten im österreichischen.Kaiserstaate hat. zwar die Judenfrage hier noch lange nicht ihre endliche Lösung erhalten. Aus dem Ausschüsse kommt sie erst in das Abgeordneten-, dann in das Herrenhaus. In diesen zwei großen Arenen wird ohne Zweifel die sogenannte Judenemancipation von so manchem judenfeindlichen Gladiator die heftigsten Anfechtungen erleiden. Aber es ist immer ein Schritt weiter in dieser Sache durch den wichtigen Umstand geschehen, daß der von den materiellen und geistigen Zuständen der galizischen Israeliten am besten unterrichtete Herr vr. F. Smolka für die volle bürgerliche Gleichstellung derselben stimmte. Es hieße Wasser ins Meer gießen, wollte man hier Dem, was bereits über die bisherige, durch nichts gerechtfertigte Vorenthaltung der bürgerlichen Rechte der Israeliten in Galizien zur Genüge gesprochen und geschrieben wurde, noch Etwas hinzufügen. Wir wollen auch nicht hier vom Standpunkte der durch diese Vorenthaltung tief verletzten Humanität und Moral aus die Sache betrachten. Diese oft vorgebrachte Klage würde wie gewöhnlich nur taube Ohren finden, und bei den Augeklagten nur ein höhnisches Lächeln Hervorrufen. Den Juden als rechtslos zu erklären,, ist hier fast wie natürlich geworden. Giebt es hoch-, dadurch nichts desto weniger staubgeborene Erdensöhne, die da behaupten: „der-Mensch beginne erst vom Baron", warum soll nicht auch behauptet werden können, daß eine ganze Menschenclasse, die nicht zur christlich-katholischen Religion sich bekennt, nicht verdient, in die,,Menschheit" mit eingerechnet zu werden und menschliche Rechte zu genießen. — Diese Behauptung tragt allerdings das Gepräge der Unverschämtheit an sich. Doch anfdiese scheinen die Gegner der Judenemancipation ein gewisses Privilegium zu besitzen; sie tritt bei ihnen ganz unverhohlen zu Tage. So ist es kein Geheimniß, daß die Gegner des Besitzrechtes .der Israeliten in Galizien dasselbe nicht , etwa aus Mangel, an Verdienst der Letzteren, sondern vielmehr ans Eigennutz und ungegründeter Furcht vor möglicher, Uebervortheilung nicht gewähren lassen wollen; und würden sie den Juden schon eher die sogenannten ideellen Güter der Emancipation, wie die Fähigkeit der Aemterbekleidung u. dgl. gönnen, aber nur nicht den materiellen Genuß des Besitz- und ungehinderten Wohnrechtes! Das gewahrte man auch während der Judendebatte im erwähnten confessionellen Reichsrathsausschuffe zu Wien. Das ist doch genug unverschämt und gegen die Moral; aber wir wollen, wie gesagt, über diese den Trauerschleier ziehen, und uns der Hoffnung hingeben, daß das Parlament in Wien schon vom praktischen, oder besser, vom ftaatsökonomischen Gesichtspunkte aus die volle Gleichberechtigung der Israeliten der österreichischen Monarchie als dringende Notwendigkeit,— die gleichfalls bereits zur Genüge dargethan wurde — beschließen werde. Herr vr. Franz Smolka aber hat sich ein ewiges Denkmal unauslöschlicher Dankbarkeit im Herzen seiner jüdischen Compatrioten in Galizien errichtet. Um diesen tiefinnigen Dankgefühlen Ausdruck zu geben, beschloß die hierortige israelitische Cultusgemeinde, an den Herrn vr. F. Smolka eine Dankadresse in Begleitung eines Ehrengeschenkes zu richten. In der zu dem Behufe gestern stattgehabten zahlreichen! Versammlung-die Lei dieser Gelegenheit ein Zweckeffen veranstaltete, wobei gefühl- und sinnreiche Toaste auf vr. Smolka in polnischer und deutscher Sprache ausgebracht wurden herrschte eine freudige, aber auch rührende Stimmung; rührend deshalb, weil es ein Freudenrausch über einen noch ganz unsichern Besitz eines erst in Aussicht stehenden Gutes war, und darum auch auf den Beobachter jenen seelenbewegenden Eindruck machte, den der Anblick des Wohlbehagens eines Leidenden hervorruft, das er beim trostreichen, genesungverheißenden Ausspruche des theilnehmeuden Arztes empfindet... .Das leidendegalizische Judenthüm empfindet nun auch für seinen Wohlthäter und hülfcbringenden vr. F. Smolka die wärmsten Gefühle tiefen Dankes, die in der von Herrn vr. Ettinger in polnischer «spräche verfaßten Adresse der 42*

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