Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 25 (1861)
- Issue
- Heft 41 (8.10.1861)
- Date
- 1861-10-08
- Page
- Seite 591 (sequence 7)
- Language
- German
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SSI ein Dogma als solches glauben und es dennoch nicht als Wahrheit demonstriren kann, wird von der heiligen Scharwache der falsche Grundsatz ausgesprochen: was nicht gelehrt wird, wird negirt, und darauf hin in den täglich sich mehrenden Vrochüren Frankels Gedanken supponirt, die nur Derjenige kennt, der Herz und Nieren prüft. Die Streitsache selbst würde einen wissenschaftlichen Werth haben, wenn einerseits die geistreichen und gesinnungstüchtigen Apologeten Rapoport und Kämpf sich aus dem Geröll der alten Schutzmauern herausgewagt, und andererseits die Angreifer nur mit Vernunftgründen für ihr Kleinod gekämpft hätten) statt dessen beschränkten sich Jene nür auf die Vertheidigung, und Diese stellten nur Autoritäten in die Schlachtlinie, so daß mit dem Glauben an ihre Unfehlbarkeit das ganze künstliche Gebäude zusammenfällt. Die neueste Brochüre, womit das begonnene Jahr uns beglückte, ist von Rabbiner Klein in Colmar. Wir haben von diesem tüchtigen, ernsten Gelehrten erwartet, daß er die zerrissenen Gewänder, welche die talmudischen Blößen bedecken, ablegen und den französischen Geist und Geschmack an Form und Inhalt bewähren würde, um die Glaubwürdigkeit einer göttlichen Tradition durch neue, selbstständige Forschung zu beweisen. Aber wiederum werden nur die alten, schleppenden Gewänder aus dem Autoritätencabinette hervorgesucht, die nicht einmal durch eine belebende Farbe erfrischt werden. Wie ein unbestrittenes Ariom, wie ein erkennbares Naturgesetz wird die Göttlichkeit der mündlichen Lehre vorausgesetzt und selbst die Jnterpretationsmaschine wird dem göttlichen Werkmeister beigelegt. Herr Klein hat fast wörtlich die Brochüre jenes bekannten abgesetzten Rabbiners copirt — was daher gegen jene gesagt wurde, gilt also auch gegen diese Brochüre —, nur hat er noch einige agadische Lappen mehr zusammengesucht, um eine bunte Harlequinsjacke zusammenzuflicken, die dem Zudenthum zum Schmucke und zur Zierde gereichen soll. Wir wollen nur eine Stelle hervorheben, womit der Verf. sein Opusculum bereichert hat, um den Standpunkt zu zeigen, auf dem der Repräsentant der französischen Orthodoxie steht. Gegen die historisch begründete Ansicht, daß die soferische Periode mit Esra beginnt, wendet nämlich der Verf. ein, daß schon lange vor Esra in 1 Chr. 2, 55. „ein Geschlecht der Sofrim" genannt ist, daß von Jethroabftammte, und wie R. Abahu wußte, für würdig gehalten worden ist, unter dem Shnedrion zu sitzen, weil dessen Urvater Jethro zu seinen Töchtern sagte: „Rufet ihn, daß er Bröt esse" (Eord. 2, 20.), und dieses Geschlecht habe schon einige Gesetze gezählt und classificirt, wie wir solche in einigen Mischnas finden, daher auch ihr Name Sofrim, die Zähler. Mit diesen und ähnlicher?Sturmböcken sucht man gegen die festen Mauern der wissenschaftlichen Lehren anzustürmen und sie zum Falle zu bringen, ohne zu bedenken, daß, wenn es gelänge, nur frömmelnde Heuchelei und gänzlicher Unglaube die Tagesparole sein werde. — Wir haben aus der reichlichen Fluth schmutzigen Gewässers, das diesen Unkenbrochüren entströmt, keinen neuen Stoff, keinen klaren, geistigen Gedanken herausfiltriren können, und wenn man eines dieser gegnerischen Producte gelesen hat, so kennt man sie alle; sie sind in einer Mühle gemahlen, nach einer Schablone verarbeitet, von einem Werkmeister beaufsichtigt, von einem Zahlmeister bezahlt und eine Zukunft haben sie alle. — R. Kirchheim. Zeitungsnachrichten. Preußen. Berlin, 30. September. (Privatmitth.) Der Vorstand der hiesigen Gemeinde hat der „Vossischen Zeitung" zufolge in seiner jüngsten Sitzung beschlossen, in der neuen, ihrer Vollendung entgegengehenden Synagoge eine Orgel einzuführen. Dieser Beschluß wird' gehörig motivirt, den Repräsentanten zur Annahme demnächst vorgelegt werden. — Dem Vernehmen nach lautete das Gutachten des Rabbinats-Assessors Herrn vr. Sachs gegen die Einführung der Orgel. Eine andere Frage ist, ob eingeführt, die Orgel auch gespielt wird. Denn wir kennen mehrere Orte, wo in den Synagogen die Orgel gesehen, aber nicht gehört wird. Oesterreichischer Kaiserstaat. Frankfurt an der Oder, 17. September. (Offenes Sendschreiben an Herrn vr. Kranz, ÄZadowitzer Kreisrabbiner in Os.wiecim. Ein Vorschlag zur gründlichen Abhülfe gegen das in Galizien durchgehends und im übrigen österreichischen Kaiserstaate zumeist herrschende Rabbiner - Verdrängungs- System.) In der überall verbreiteten Allg. Ztg. d. Judenth. (No. 35, Seite 506) erschallt Ihr Schmerzensruf ob der bittern Verfolgungen, die Sie als Wadowitzer Kreis-