Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 25 (1861)
- Issue
- Heft 40 (1.10.1861)
- Date
- 1861-10-01
- Page
- Seite 582 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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Interesse unserer Schulen erst dann die Zeit sein wird'/ diese der katholischen Schulaufsicht zu entziehen, wenn die unabhängige Stellung' des Rabbiners und Lehrers' durch ein Gesetz -garantirt, und die Schule dem Belieben und der Willkür Einzelner entzogen sein wird. r. r. Nieolöburg, im August. (Eingesandt.) Für Jeden, der mit lebhafter Thellnahme der geistigen Entwickelung des jüdischen Lebens unserer Zeit folgt, gereichtes zur doppelten Befriedigung, wenn er in der eigenen Vaterstadt einen erfreulichen Aufschwung der Gemeindezüstände öffentlich constatiren kann: - ' Unsere Gemeinde, eine der hervorragendsten Mährens, entbehrte seit dem Ableben unseres gottseligen Rabbiners , Herrn S. Quetset, schon seit länger» Jahren eines geistlichen Führers, und wurde es daher allseitig freudigst begrüß^, als die Gemeinderepräsentanz unter dem Vorsitze unseres verdienstvollen (jüdischen) Bürgermeisters, des Herrn S. Blau, zur Wahl eines Rabbiners schritt. Sie fiel auf den rühmlichst bekannten Hrn. Dr. Feuchtwang,,damaligen Oberrabbiner zu Neutra. Den am isten d. M. in wahrhaft großartiger Weise gefeierten Empfang desselben hier zu schildern, würde der Raum d. Bl. nicht gestatten.; Wie in allen großem Gemeinden nämlich, theilt sich auch die hiesige in die bekannten zwei Lager. Es muß jedoch zur Ehre der Wahrheit bemerkt werden, daß sie sich keineswegs in hartnäckiger und schroffer Weise gegenüberstehen. Einerseits erklärt diese immerhin erfreuliche Thatsache der offenherzige, versöhnliche Sinn, der beide Parteien durchdringt und. so beiderseits Manches zum Heile des Gemeindefriedens nachgeben läßt, andererseits verdankt die Gemeinde hierin sehr Vieles dem taktvollen > und redlichen Wirken unseres geehrten Herrn Bürgermeisters. Nun ist zwar die Ruhe und Friedfertigkeitreiner Gemeinde rmläugbar eine der ersten Bedingungen ihrer Eristenzaber aüch von kciner wcitern ersprießlichen Wirkung. Nachgeben Änd ümmer Nachgeben sieht zuletzt mehr einem Aüfgebm der höchsten Interessen unserer Zeit gleich, so wie die ängstliche Vorsicht, Nach keiner Seite hin zu verletzen/ gar -oft-zür Thatlostgkeit und zum Stillstand verurtheilt. Wir' meinen hier vorzüglich jene. Männer, die dazu berufen stnd, in unseretiGemeinde dem dr ingendften Anfölderungett unserer Zeit Rechnung zu tragen, Anforderungen, die erfüllt werden -'können, ohne vom l wahrhaften Judenthume f demselben Judenthume, wie es' in der Bmst des . „Gesetztteuesten" lebt, einen Schritt! abzuweichen. ' Und hierin wollen wir die höhe Bedeutsamkeit der neuen Phase finden, in welche Nicolsburg seit dem Eintritte seines jetzigen Seelsorgers getreten ist.' , Herr Dr. Feuchtwang hat in einer mit zündender ‘ Beredtsamkeit gehaltenen Antrittsrede sein Programm freimüthig mit Begeisterung und tiefem Verständniß für; seine Aufgabe, ausgesprochen. Er will ünerschütterlich festhalten an Dem, wqs nur irgend Religion und Glauben von Juden fordern können; aber er will auch die Hohe Idee der allgemeinen Humanität und des Fortschreiten s in unserer Zeit fruchtbar machen für das Ju-! denthum, dessen Möglichkeit für die jetzigen Verhältnisse . dadurch dann noch um so glänzender dargelegt ist. . Wir wünschen innigst, daß Herr Dr. Feuchtwang dieses Ziel erringen möge; wie wir ihn bis jetzt als . den Mann des festen Glaubens, als den Mann der Thatkraft und des ernsten Willens kennen gelernt, können wir es mit Freude.aussprechen, daß wir nicht daran zweifeln. . ’ Gestatten Sie mir zum Schluffe eine kleine Bemerkung.. In No. 30 der Allgem. Ztg. d. Judenth. wurde in einem von Nicolsburg datirten Artikel die Hoffnung ausgesprochen, es werde durch die Berufung des Herrn Dr. Feuchtwang sich bald der. Plan zur Gründung einer höhern jüdischen.Lehranstalt hier verwirklichen können. Wenn nun die hiesigen Leser Ihres geschätzten Blattes von je gewohnt waren, die unparteiische Mäßigung seines Redacteurs hervorzuheben, so mußte es um so schmerzlicher berühren, Sie den Zweifel aussprechen zu sehen, als könne Herr Dr. Feuchtwang, zur Partei der „mit dem Doctortitel geschmückten Neuorthodoren" gehörend, nicht der Mann sein, den erwähnten Plan int Geiste der Zeit zu . realisiren. — Wir glauben, nach dem bisher über-die Richtung des HWnMr. ,Feuchtwang Gesagten zur Aufklärung nur noch,hinzufügen zu müssen, daß er seiner hohen Aufgabe mit ruhiger Würde und mit Kraft bewußt, weit über.jene kindische Eitelkeit hinaus ist^MLei.t, wenn auch mit dem Doctortitel geschmückt, Hohn sprechen zu wollen, und daß unsere ganze Gemeinde bereits, mit vollstem Vertrauen in ihm die Hoffnung einer segensreichen Gutwickclung Nicolsburgs im Sinne des Glaubens -und der Zeit findet. .... .V'. - .; .; .(;y 8, _