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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1861-10-01 · Heft 40 (1.10.1861) · p. Seite 579

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
25 (1861)
Issue
Heft 40 (1.10.1861)
Date
1861-10-01
Page
Seite 579 (sequence 9)
Language
German
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579 breitet und entwickelt, desto mehr ist es Pflicht einer'wohlmeinenden Kritik, der Ueberfluthüng, die fast immer mehr Unbrauchbares als Gutes erzeugt, zu wehren. Es ist sonst eine zwiefache Gefahr zu befürchten; einmal, daß diese Literatur, in die Breite gehend, ihre fortgesetzte Vertiefung, d. i. ihren Fortschritt einbüße; andern Theils, daß sich das Interesse der Leser abstumpfe und der ganzen Gattung widerwillig werde. Man bedenke, der Markt für solche Bücher ist begrenzt, der Käufer gar wenige, was soll daraus werden, wenn sich das Bischen Theilnahme auf Plattheiten und Geringfügigkeiten verzettelt. Kann das aber die Kritik? Vielleicht, ich glaube, da wir ein geschlossenes Häuflein bilden, dürfte eine solche Abwehr nicht unmöglich sein. Das aber kann sie gewiß: dem sich breit machenden Dilettantismus mit aller Energie entgegentreten, ihm den Boden zur bloßen Bespiegelung entziehen. Wer hätte nicht mit Vergnügen die Anzeige des obigen Buches gelesen. Es ist ein kühnes Unterfangen, die Geschichte der Juden in Polen in Angriff zu nehmen, zu einer Zeit, da die allgemeine Geschichte dieses Landes noch keinesweges kritisch geklärt ist. — Und doch ist sie so bedeutsam, gerade setzt, da die Juden in Polen einer neuen Entwickelungsphase entgegengehen — nicht „durch die Ver- „wirklichüng der großen Ideen seines glorreichen Ahns durch „Se. Maj. Franz Joseph I.", auch nicht „durch die milde „Regierung Alexanders II." — sondern, weil kein Volk der Erde dem drängenden Genius der Zeit sich entwinden kann. Die Juden bedurften nirgends „zu raschem Fortschritt und „Aufklärung" der Impulse von den Thronen. Was sie geworden, was sie errungen, haben sie aus ihrer Individualität, ihrer Lehre, ihrem Schriftthum, ihrer traditionellen Hochschätzung geistiger Güter herausgearbeitet. — Unser Autor gesteht die ungewöhnliche Schwierigkeit seiner Aufgabe zwar nicht ausdrücklich ein, aber er bezeichnet sein Werk bescheiden nur als einen „Versuch" und will nur „die aus Urquellen (?) sorgfältig gesammelten „Materialien" zusammenstellen. Beides, scheint mir, ist ihm nicht geglückt. Das Erstere nicht, denn der Verfasser giebt von Geschichte blutwenig, meist ohne Kritik, nicht einmal den besten sekundären Quellen nachschreibend, das Andere nicht, denn weder sammelt der Autor die Materialien vollständig, noch sichtet er mit wägender Besonnenheit. Wir werden mit einigen Sagen aus MartinuS Gallus, Kadlubek und, was das Schlimmste ist, aus dem so unzuverlässigen Dlugosz regalirt, einige durchaus veraltete Ansichten der Numismatiker werden aufgewärmt, einige längst gedruckte Urkunden (nicht etwa correcter!) wieder abgedrückt, und zum Dessert einige nicht eben grandiose Ideen Heinrich Laube's mitgetheilt. Manches davon wollen wir erweisen. Der Verf. erzählt die Abramsage und fügt hinzu: „Die numismatischen Denkmäler (?) vermögen dieser Ueberlieferung historischen Werth zu verleihen." Ei, ja, wenn der Anachronismus nicht da wäre! Erft pflegen die Denkmäler vorhanden zu fein, und dann wird ihnen die Sage angeheftet. Das ist der Lauf der Dinge! Selten umgekehrt! Und der Autor— der doch sonst auf Lelewel schwört, warum hat er denn das so häufig citirte „Pienigdze Piastöw“ so flüchtig gelesen? Lelewel sagt S. 379 der Posener Ausgabe von 1851: „Den Freundlichkeiten und dem Schutz von Seiten des Mieszko antwortete Rabbi Abraham mit schmeichelnden Münzchen." Jedenfalls hat der Verf. niemals einen von den polnischen Bracteaten mit jüdischer Inschrift gesehen, am wenigsten aber alle Typen dieser Münzgattung sich vorgeführt, sonst könnte er nicht die abgethane Ansicht, daß Mieczyslaw die Münzstätte großpolnischen Juden verpachtet habe, wieder von Neuem uns vortragen; er citirt Hierbei Lelewel, der aber mit aller Entschiedenheit, ja sogar mit einigem Humor hiervon nichts wissen will — und mit vollem Recht. Von den Bracteaten (die übrigens auch Lelewel nicht vollständig berücksichtigt) kennt unser Autor nur die vier von Lelewel zufällig besprochenen Sorten, aber die neuen Ausgrabungen von Wieniec, die seinen ganzen Abrahamwahn zerstören, weil unter (sic!) noch nmr’ (sic!) steht, kennt er gar nicht, und doch enthalten sie die meisten Charakteristika für diese Frage, auf die näher einzugehen ich an einem andern Orte Gelegenheit nehmen werde. Die Abdrücke aus Prilusius und Bandtke find, nachdem der Verfasser sie übersetzt und commentirt (aber wie!!) hat, gelinde gesagt, überflüssig; wenigstens aber hätte doch die neueste Petersburger Ausgabe der volumina legum zu Grunde gelegt werden müssen; und wenn das Privileg Bolco I. v. Schweidnitz (das Glicht im II., sondern im III. Bande Sommersbg. rer. 8i1. soript. steht) Gnade in seinen Augen gefunden hat, da es doch nur ein „Transumt" (soll wohl, heißen, eine Nachahmung, denn unter einem Transumt versteht man in der Diplomatik etwas ganz Anderes) der Charte Boleslaw's ist, warum nicht auch das hier und da concisere Heinrichs III. von Glogau?' (Sommersbg. III. S.' 95.) ' ■ ' Für das Histörchen von der Esterka, der Maitreffe Cafimir's III., weiß der Autor durchaus keine andere 40

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