Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 25 (1861)
- Issue
- Heft 40 (1.10.1861)
- Date
- 1861-10-01
- Page
- Seite 577 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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577 gegentreten. Was sie aber wollen und beabsichtigen? das wird unS in Folgendem klar werden. Literarischer Wochenbericht. Frankfurt an der Oder, im September. NOÄ ftwa. Hebräische Sprachlehre für israelitische Volksschulen in 2 Cursen von Moritz Ziltz (Pesth, 1861). — Der geehrte Verfasser hat vollkommen Recht, wenn er in der Vorrede sich darüber beklagt, daß „in allen*) Sprachlehren, die uns bis jetzt für die israelitische Volksschule zu Gebote stehen, dem Schüler Regel, Ausnahme, ja nicht selten mit Lehren aus der Syntar versiochten, zugleich dargelegt werden." Und weil eben dies wahr ist, darum ist es um so mehr anzuerkennen, daß Herr Moritz Ziltz, — wie er sagt, — „von dem bekannten festina lentel geleitet", den entgegengesetzten Weg eingeschlagen, indem er eine „Sprachlehre in 2 Cursen" geschrieben, von denen der erste „das Gewöhnliche und Regelmäßige", der zweite dagegen „das Unregelmäßige und Abweichende" bietet. — Indessen, wie sehr Herr M. Z. auch bestrebt gewesen, diesen Gesichtspunkt überall im Auge zu behalten, resp. seinen Grundsatz allenthalben streng und gewissenhaft durchzuführen, so hat seine Sprachlehre, zu unserm großen Bedauern, doch nicht Das, was dieselbe i m.A l l g e m e i n e n zu einem „Buch für die israelitische Volksschule" machen könnte. Es mag für die Schulen Ungarns, Mährens rc., deren Stand wir nicht kennen, immerhin ein treffliches, sehr willkommenes Buch sein; schwerlich aber werden mit dessen Lehrgänge unsere Collegen in Deutschland sich befreunden können, die bei ihrem Unterrichtsverfahren durchgängig von Grundsätzen geleitet sind, auf denen die vorliegende Grammatik bei allen ihren sonstigen Vorzügen **)— bedauernswerter Weise nicht basirt ist. Denn wenn — und das kann durchaus nicht in Abrede gestellt werden — Pestalozzi der Mann ist, zu dessen Fahne unsere deutschen Collegen, Gott sei Dank! allesammt geschworen haben, und wenn — was ebenso wenig geläugnet werden kann, — das System Jacotot's dasjenige istdas nament- *) „In den meisten", wäre hier richtiger gewesen. **) Diese sind namentlich: Kürze und Einfachheit der Sprache, Correctheit und Vollständigkeit der Paradigmen, Vollständigkeit im Allgemeinen, sorgfältige Belegung der Regeln und Ausnahmen mit entsprechenden Stellen aus der Bibel — und endlich noch die ganz besondere Vortrefflichfeit der Ausstattung. lich hinsichtlich des Sprachunterrichtes sich immer mehr Bahn bricht, in unfern Schulen immer mehr Terrain gewinnt, — wie sollen da noch Lehrbücher reussiren können, die einzig und allein für die veraltete „akroamatische Lehrmethode" berechnet, der „Synthetik" nur sehr geringen Spielraum gewähren, von der „Analysis" aber gar Nichts aufzuweisen haben? — Man wird uns einwenden und sagen, daß ein gewandter Lehrer aus, oder .richtiger: mit jedem Buche Gutes und Nützliches werde erzielen können. Wir geben dies zu, so lange das Buch in den Händen des Lehrers sich befindet. Soll dasselbe aber den Schülern in die Hände gegeben werden, so muß es „zeitgemäß" sein, d. h. eS muß durch und durch den pädagogischen Anforderungen der Neuzeit entsprechen, — und wenn es zumal ein Sprachbuch ist, so muß es ganz besonders von Dem, was man „Pedanterie" nennt, überall auf's Strengste sich fern halten und von dem „alten Zopf", — der wenigstens hier in Deutschland längst zu Grabe getragen, — auch nicht das geringste Härlein mehr durchblicken lassen. — Die alte Sprachunterrichts - Methode war, nach I acoto t,*) — „eine lange, dornenvolle Bahn, auf welcher das Ziel entweder ganz verfehlt, oder doch nur nothdürftig erreicht wurde", die «neue, von ihm so treffend „Enseigncment imiversel“ **) genannt, soll — wie er wünscht — nichts Anderes, als eine „Emaneipation inteUeetuelle" erzielen, — und diesen herrlichen Grundsatz sollten wir nicht Alle adoptiren, und diese Devise nicht Alle auf unser Banner schreiben?***) — Doch kehren wir noch einmal zu Herrn M. Z. und seiner Grammatik zurück. In Bezug auf Inhalt und „eigentlichen Kern", die neuern und neuesten Sprachlehren bei Weitem überbietend, hat sie mit allen diesen Das gemein, daß sie hinsichtlich der Vocale die sogenannte „portugiesische Aussprache" acceptirt. Wir können diesem ängstlichen „Haschen nach dem Neuen und Modernen" durchaus nicht das Wort reden. Die portugiesische Aussprache der Vocale — dahingestellt, ob sie die richtige oder nicht— wird sich, glauben wir, bei uns in diesem Jahrhundert wenigstens noch nicht Bahn brechen, sondern wir wer- *) Vergl. Preis, I., „Jacotot's Universal-Unterricht" Abschn. I. Cap. 1. **) Eangue malernelle par J. Jacotot.-- Paris 1830, ed. V. ***) Vergl. unfern, diesen Gegenstand näher behandelnden Aufsatz im Literaturbl. des Orients No. 1. deö Jahrgangs 1848.