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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1861-09-24 · Heft 39 (24.9.1861) · p. Seite 567

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
25 (1861)
Issue
Heft 39 (24.9.1861)
Date
1861-09-24
Page
Seite 567 (sequence 11)
Language
German
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567 jungen israelitischen Bildhauers gestiftete Stipendium E. A. Soldin, einem jungen Manne von 15 Jahren zuerkannt.— Die Akademie der Inschriften und schönen Wissenschaften hat in ihrer jährlichen öffentlichen Sitzung vom 9. August den Namen eines jungen Glaubensgenossen, HerrnZotenberg's, bekannt gemacht, der.eine Schrift „Ueber die Sprache und Literatur der Aethiopier" (die für den Preis Bordin aufgestellte Frage) .verfaßt hat. Die Akademie hat nicht geglaubt, das Werk krönen zu dürfen; aber sie hat dem Autor fast den vollen Werth des Preises, eine Summe von 2000 Francs, als Entschädigung zugestanden, was' einer sehr ehrenden Erwähnung gleichkommt. Paris, 15. September. (Privatmitth^) Nachdem die hohen Festtage vorüber sind, werden die jüdischen Journale, von Paris die stereotype Redensart bringen: „Der Zufluß der Gläubigen war sehr groß'." Diese Phrase• hat' etwas Lächerliches an sich. Denn w enn man den 20,000 Juden, die mindestens gerechnet in Paris leben, gegenüber die unbedeutenden gottesdienstlichen Räume erwägt, welche in Paris für den jüdischen CultuS vorhanden, so gehört nur ein schwacher Zufluß dazu, um jene schon im Uebermaß zu füllen. Der Consistorial-Tempel in der Straße Notre-Dame de Nazareth, der höchstens an Männern und Frauen zusammen 1000 Seelen faßt, und der kleine sephardische Tempel in der Rue Lamartine sind der ganze Cultusapparat, zu welchem sich natürlich eine Unzahl Minjanim gesellen. Während in dem sephardifchen Tempel die, größte Ruhe und Ordnung gewahrt wird, die jedem Eintretenden den Geist der Weihe und der Andacht entgegenbringt, herrscht in dem Consistorial- Tempel ein Getreibe, ein Hin- und Hergewoge, eine Unruhe, nothwendige Folgen der Ueberfüllung, daß . an Andacht gar nicht zu denken, von der Rede des Rabbinen kein Wort zu verstehen ist, und selbst der Chorgesang in so schrillem Gegensatz zur Gemeinde ausgestoßen wird, daß alle Wirkung verloren geht. In der That ist es eine Schmach für die Pariser Juden, sowohl für die reichen, die in einem entehrenden Lurus schwelgen, als auch für die bemittelten und ärmeren, denen ihr Cultus, das ganze Jahr keinen Franc kostet, daß sie keine anderen und größeren Tempel besitzen, eine um so größere Schmach, als das Consistorium wirklich schon mehrfache Pläne entworfen und Aufforderungen ergehen ließ, die aber immer noch keine Verwirklichung fanden. Fürwahr, da hätte die Alliance universelle israölite einen würdigen Gegenstand der Wirksamkeit; denn was heißt es, in die Ferne für die Glaubensgenossen wirken zu wollen, während man in der Nähe die Religion immer mehr zerfallen läßt! Hierbei zeigt es sich, daß ein so großer Segen in der Erhaltung des Cultus aus Staatsmitteln gar nicht liegt. Denn wenn man in Deutschland in jedem Landstädtchen neben den größten Lasten immer noch die Mittel findet, sich eine stattliche Synagoge zu bauen, warum sind sie nicht in Paris aufzutreiben? Mindestens drei Tempel in den verschiedenen Stadttheilen müßte Paris noch haben, .um dem Bedürfnisse nur halbwegs zu genügen. Zählt doch New- York jetzt 17 Synagogen, ohne zwei Consistorien und die dazu gehörenden Groß- und Unterrabbinen in seiner Mitte zu haben! — Rußland. Warschau, 9. September. Wir haben hier einen Krawall gehabt, der gegen einzelne Juden gerichtet war, aber von Juden selbst ausging. Ein großer Haufen wälzte sich am 7ten gegen mehrere Läden solcher Israeliten, die am verflossenen Neujahrsfeste und nun auch am gestrigen Tage nicht geschlossen waren. Nachdem sie noch bis spät Sonnabend Abends allen möglichen Unfug getrieben, gelang es den Bemühungen der aufgeklärten Juden, mit Hülfe der Polizei und des Militärs an 26 Rädelsführer festzunehmen, die nach dem Stadtgefängniß abgeführt wurden. Gestern wollte nun der Kaufmann N., bei dem die Hauptercesse verübt worden waren, großmüthig genug die Freilassung der Verhafteten von der Behörde bewirken und begab sich mit einigen angesehenen christlichen Bürgern zum Kriegs-Gouverneur, General Gerstenzweig, dem er eine Bittschrift überreichte, in welcher der Wunsch ausgesprochen war, die Ruhestörer nach Applicirung einer körperlichen Strafe freizulaffen. Der Gouverneur erklärte jedoch, diesem Gesuche nicht willfahren zu können, da sich die Ruhestörer der Widersetzung gegen die Polizei - und Militärbehörde schuldig gemacht und dieselben thätlich beleidigt hätten, mithin nach dem Buchstaben des Gesetzes bestraft werden müßten^ Demgemäß erschien auch heute in den Zeitungen folgende Bekanntmachung: , Am 7. d. M. versammelte sich' ein großer Haufe 39 **

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