Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 25 (1861)
- Issue
- Heft 39 (24.9.1861)
- Date
- 1861-09-24
- Page
- Seite 563 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Karlsruhe (Baden), 4. September. (Privatmitth.) Sie fragen mich geehrter College, welche' die Aussich-! ten sind, die uns hier im Großherzogthum Baden für, die nächste Zukunft sich eröffnen? Ich kann dieselben j nur als sehr erfreuliche bezeichnen. Unser Großherzog; und dessen Bruder, Prinz Wilhelm (und mit ihm un- ] sere gegenwärtige Regierung), sind von den besten Ge-: sinnungen gegen die Israeliten unseres Landes erfüllt,' so daß wir fast mit Sicherheit für die nächste Zeit un- - sere volle Gleichberechtigung erwarten dürfen. Der Großherzog hat mir selbst jüngst, als ich ihm den Dank des Chorvercins überbrachte für die Annahme - des Protektorats über denselben (wovon Sie ja Kennt-j niß erhielten), angedeutet, daß er demnächst etwas für die Israeliten seines Landes thun werde. Als ich ihm nämlich unter Anderm bemerkte, daß wir in der Annahme des Protektorates nicht nur einen Act jener hochherzigen Gesinnung erblickten, mit welcher er jedes auf das Gute, Schöne und Wahre gerichtete Streben zu fördern gewohnt sei, sondern zugleich als Israeliten,; als' einen neuen Beweis seiner landesväterlichen Huld,; mit welcher er auch seinen israelitischen Unterthanem zugethan sei — erwiderte derselbe unter Anderm, daß; cs ihn sehr freue, wenn wir die Annahme des Protektorats in der letztbezeichneten Werse auffaßten, denn er hoffe allerdings durch solche Acte zur Zerstreuung der Vorurtheile seinerseits beizutragen, die noch im Volke gegen die Israeliten herrschen rc. Auch sein mehrerwähnter Bruder, den ich auf seinen Wunsch hier jüngst in einer Privat-Audienz besuchte, erklärte mir, daß der Großherzog die ernsteste Absicht habe, für die Israeliten etwas für ihre Gleichberechtigung in Bälde zu thun, und versicherte mich, daß auch er seinen ganzen Einfluß, namentlich auch als Mitglieds und Präsident der ersten Kammer, aufbieten werde, um das erwähnte Ziel zu fördern, da, nachdem man den übrigen Confessionen volle Religionsfreiheit gewährt habe, man den Israeliten ihre volle Gleichberechtigung nicht mehr vorenthalten dürfe. Aus Württemberg, im August. (Pnvatmitth.)i Unsere EmancipatiynsangelegenheisW ftit dem jüngsten Frühling, wo Comitcberathungen Seitens jüdischer Notabeln stattgefunden haben, noch um kein Jota I vorgerückt, und es fragt sich, ob überhaupt bei dem; gegenwärtigen Landtag die Sache noch zur Verhand-; lung kommt. Im Uebrigen haben wir alle Hoffnung,? daß diesmal dieselbe, sei es noch bei diesem oder Nächstem Landtage, zur erwünschten Erledigung kommen wird. — - ' if'' ' Vor kurzer Zeit starb in Freudenthal der greise Rabbine Joseph Maier im Alter von 85- Jahrein Derselbe kam im Jahre 1816 nach dem Tode deS Rabbinen Alexander Elsässer dorthin als Rabbiner, wurde aber im Jahre 1835 in Ruhestand verseht. Er war tüchtiger Talmudist und auch in den erlernen Wissenschaften nicht unerfahren^ — : In der' Gemeinde Laupheim feierte am 15. d. M. der dortige Talmud-Thora-Verein sein 81 jähriges Gründungsfest. Rabbiner Wälder hielt daM die der 'Festfeier angemessene Festrede. Bei wieset Gelegenheit ■ftiftete Hirsch Mayer, eines der ältesten Mitglieder des Vereins, 1000 Fl. für Zwecke des Thorastudiums, Nachdem schon vor mehreren Jahren ein'Talmud-Thora- Institut aus dem Verein gegründet wurde in der Richtung, daß Knaben vom 10ten Jahre an noch außer den Schulstunden in 5—6 Stünden wöchentlich Unterricht in yun, und ni'-wn; erhalten.u ’ Die Kosten wurden bis jetzt aus dem Zins des Eäpitaks des Vereins und aus freiwilligen Beiträgen einzelner Mitglieder in der Gemeinde bestritten. Durch diese schöne Stiftung ist die Zukunft dieses Instituts gesichert, da zu' erwarten steht, daß auch noch weitere ähnliche Stiftungen sich dieser' ersten anreihen werden. — ' Die hebräische Bibliothek des verstorbenen Rabbi- < nen Dr. Güldenstem in Buchau, welche ziemlich reichhaltig genannt werden kann, ist noch immer unverkauft. Wir machen Bibliothekare darauf aüfmerkscim. Auch die römische, griechische und deutsche, wie' französische Und 'eng lische Literatur ist in der B'üchersamMlung ziemlich vertreten. Die Gemeinden Württembergs 'sind durch die Rabbinate zur Erklärung aufgesördert worden/ ob sie die neue Gottesdienstordnung von Stuttgart für ihre Synagogen adoptiren wollen. Allein abgesehen Won den Kosten, ist nicht jede Synagoge zur' Aufnahme einer Orgel geeignet. Auch ist die Gemeinde durch fragliche Gottesdienstweise nahezu mundtodt gemacht, da Rabbiner, Vorsänger und Orgel.meistens 'allein in Aktivität sind, während' die Gemeindemitglieder meistens-unbetheiligt erscheinen. Die Eintheilung des Schmona-Esra-Gebets, aus welchem die mittleren Benedictionen -zur stillen Andacht degradirt sind, der dreijährige Cyclus in der Weise, wie er in Stuttgart beliebt wurde, will selbst manchem Canstadter Badegast nicht recht goutiren, da nach diesem Cy-