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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1861-09-17 · Heft 38 (17.9.1861) · p. Seite 550

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
25 (1861)
Issue
Heft 38 (17.9.1861)
Date
1861-09-17
Page
Seite 550 (sequence 10)
Language
German
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Aufruf der Regierung jedenfalls' Erfolg haben werde. Der Adel, die Advocaten und ein Theil der Geistlichkeit werden höchstens die active und passive Wahl verweigern, und junge Leute dagegen remonstriren, aber die Bauern, die Beamten, das Militär und die Juden würden diese Lücke reichlich ausfüllen. Die Erstgenannten halten ohnhin fest zur Regierung, und die Letztgenannten wurden durch einige Vorgänge bei den Landtagswahlen und durch unvorsichtige Aeußerungen im Reichsrathe neuerdings mißtrauisch gemacht. Die kaiserlichen Behörden haben in letzter Zeit mehrfache Klagen der Juden in Galizien gegen die Gemeinden km Sinne der Gleichberechtigung entschieden, und zwar gegen die bekannten Goluchowski'schen Schulattest- Kategorien." Teplitz, im August. Der Erzdechant von Teplitz und das bischöfliche Eonsistorium haben gegen den Beschluß des Teplitzer Stadtverordneten-Collegiums, die Directorstellean der neuen Realschule mit einem weltlichen Lehrer zu besetzen, protestirt, weil „dadurch zwar freisinnige und kenntnißreiche, aber tugendarme und sittenlose Jünglinge herangebildet werden". Eben so erhebt die katholische Geistlichkeit dagegen Hindernisse, daß in den neuen Schulgebäuden für den israelitischen Schulunterricht zwei Zimmer eingerichtet werden. Die Stadtvertretung hat beschlossen, zur Beseitigung dieser Hindernisse eine Deputation an den Staatöminister nach Wien zu senden. (W. Bl.) (Also auch hier die Feindseligkeit des katholischen Klerus gegen die unschuldigste Concession, die man israelitischen Mitbürgern, welche rüstig und willig alle Lasten mittragen, macht. Wir sehen es übrigens nicht ungern, daß diese Feindseligkeit gegen uns mit derartigen falschen und erfahrungswidrigen Behauptungen zusammengehen, wie sie in dem ersten Passus dieser Correspondenz ausgesprochen sind. Wir sind gespannt auf die ministerielle Entscheidung, die abermals erweisen wird, wie weit das Concordat noch allein maßgebend oder unwirksam geworden ist. Redaction der Allg. Ztg. d. Judenth.) - Gr. Beeökerek, 1. September. (Herrn Oberrabbinen Löw's Vertheidigung eine Selbstanklage!) Herr Oberrabbiner Löw in Szegedin hat im B. Cli. No. 34 auf unjern abwehrenden Artikel, wie zu erwarten, mit den trivialsten Schmähungen geantwortet z aber natürlich nicht eine einzige Behauptung in unserem erwähnten Artikel widerlegt.*) Wir übergehen darum mit Stillschweigen all die Gemeinheiten und Schändlichkeiten, womit Herr Löw mit seltener Virtuosität um sich wirft, da wir gleich beim Empfang der No. 33 dieser Zeitung sagten, daß wir in ein giftiges Wespennest gestochen haben. Herr Löw ist auf dem Gebiete der gemeinen Polemik und der persönlichen Angriffe ein altbewährter Meister — und wir überlassen ihm dieses Feld gern allein. Zum Glück können wir uns getrost über all dessen elende Maden gegen uns hinwegsetzen, da Herr Löw zu den falschen Propheten, zu den Bileams gehört, deren Fluch und Schimpf sich gewöhnlich in Segen und Lob verwandelt. Allein da es uns in unserer Replik nicht um die Person, sondern um die heilige Sache, die Herr Löw verrathen, zu thun war, so bemerken wir, daß die ganze Widerlegung des B. Ch. unsere Darstellung vollständig bekräftigt und ergänzt — und wo er sich wirklich vertheidigen will, zu frechen Lügen seine Zuflucht nimmt. Wir glauben daher am besten ein für allemal Herrn Löw abzufertigen, wenn wir seinen Schmähartikel größtenteils hier wieder geben, und der geneigte Leser möge selbst über ihn urtheilen. Herr Löw hat seine Arbeit mit einem weitläufigen Titel überschrieben, den wir füglich weglaffen, und er beginnt dann: „Herr Oppenheim fährt fort in der Allg. Zeitung d. Judenth. auf eine alberne, geistlose und unverschämte Weise gegen mich zu wüthen. Nur zu! Die leidenschaftliche und übel berechnete Denunciation, mit welcher Herr O. sein letztes Pasquille schließt, charaktcrisirt sein sittliches Gefühl in eben dem Maße, als die Fibel-Jncrimination sein kritisches Gefühl charaktcrisirt. Hätte sich Herr O. mehr ans Denken als ans Schwatzen gewöhnt, so würde er leicht eingesehen haben, daß die von ihm citirtenWorte der Fibel weder von mir, noch überhaupt von einem jüdischen Schriftsteller herrühren können. Da er sich anmaßt, von Zeit zu Zeit auch über jüdisches Schulwesen das Wort zu führen, sollte er wissen u. s. w., daß die Adaptoren der deutschen, wie der ungarischen Bücher aus Mangel an Sorgfalt Manches stehen ließen, *) Herr Löw, der diese feine Taktik öfter gebraucht, hat uns No. 34 des B. Ch. gar nicht zugesendet, und wir mußten per Post zwei Mal wegen dieser Nummer reclamiren. Herr L. hat also die Genugtuung, daß wir mit unserem Artikel — acht Tage.zu spät kommen! Correfp.

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