Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 25 (1861)
- Issue
- Heft 38 (17.9.1861)
- Date
- 1861-09-17
- Page
- Seite 546 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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546 Rechnung tragen werde, in Erinnerung brachte. — Eine Jüdin auf dem Dorfe verehrte einem Rabbiner eine Taffe schwarzen Kaffee. Ms die gastfreundliche Wirthin dann in stolzem Bewußtsein ihrer kulinarischen Tüchtigkeit schüchtern fragte: „Wie hat dem Rebbe der Kaffee geschmeckt?" erhielt sie von dem nicht sehr galanten Rabbi folgende Antwort: „Der Kaffee hatte eine gute und eine schlimme Seite; eine gute, daß keine Eich orte, eine schlimme, daß kein Kaffee darin war." — „Der Hamwasser", würde jener ungalante Rabbiner zu der Köchin desselben, der Redaction, gesagt haben, ,>hat eine gute Seite, daß er keine deutschen Artikel mehr bringt; eine schlimme Seite aber hat er, daß er noch immer hebräische Artikel giebt! — " Kaum haben wir diesen Aufsatz geschloffen, kamen uns die ersten drei Nummern eines andern, seit Beginn des Monats August ebenfalls in Lemberg zwei Mal in der Woche erscheinenden Blattes zu Gesicht, das den Titel führt: „Der Galizische Bote. Zeitung für Politik, Unterhaltung und Handel." Von dem Nedacteur und Verleger David Rapoport. Die Herausgabe dieses in populärer deutscher Sprache verfaßten, mit hebräischen Quadratbuchstaben gedruckten Blattes scheint uns eine praktische, zeitgemäße Unternehmung, der wir aber unfern Beifall erst dann zollen werden, wenn es sich im unterhaltenden Theile nicht, wie bis jetzt, blos auf Märchen und Legenden beschränken,, sondern auch über die Fortschritte, durch welche sich die Juden anderer Staaten und Länder in Gesittung, Synagoge und Schule auszeichnen, Mittheilungen bringen wird, wodurch „der galizische Bote" in der jeder höheren Anschauung baaren Masse Sinn für das Bessere und Edlere wecken, somit für die galizische Judenschaft wirklich heilsam und' verdienstlich wirken würde. — Zeitungsnachrichten. Preußen. Berlin, 8. September. (Privatmitth.) Dienstag den 3. d. M. fand die feierliche Einweihung des in der Oranienburgerstraße neu erbauten und prachtvoll eingerichteten jüdischen Krankenhauses Statt. Außer dem Vorstande und dem Repräsentanten-Collegium der Gemeinde waren der Oberbürgermeister Krausnik und: andere Vertreter der Stadt, die Vertreter der verschiedenen Commissionen und mehrere angesehene Gemeinde- Mitglieder durch besondere Karten zur Feier geladen. Der Vorsteher Herr Magnus trug die Geschichte des Neubaues vor , und der Rabbinats-Affeffor Prediger Dr. Sachs hielt eine treffliche Rede, welche stenographirt wurde und dem Vernehmen nach dem Druck übergeben werden soll. —. Wir fügen dieser Mittheilung unseres Correspondenten folgende interessante Beschreibung des neuen. Krankenhauses aus der „N. Z." hinzu. Die äußern Erfordernisse für die Anlage eines Krankenhauses finden sich glücklich vereinigt mit einet sehr centralen Lage in der Auguststraße. Der Baugrund ist trocken und durch Jsolirschichten auch gegen ein außergewöhnlich hohes Grundwasser geschützt. Ein zu Dienstwohnungen bestimmtes Vorgebäude und ein geräumiger Hof trennen das Krankenhaus von der geräuschvollen Straße. Ein hübscher Garten, der fast nach allen Seiten wieder an Gärten stößt, namentlich an den zu dem katholischen Krankenhause gehörigen, erlaubt der Lust, das Gebäude rings zu umspülen; Fabriken und ähnliche Anlagen, die „unleidlichen Gewerbe" des lübischen Rechtes, werden in der Nachbarschaft nicht betrieben. Weiches Wasser in beliebiger Masse liefert die englische Gesellschaft. Das Siel führt in den Canal unter der Auguststraße und geht durch eine Senkgrube, in der die festen Stoffe Zurückbleiben. Das Krankenhaus liegt gegen Süden. Es ist 160 Fuß lang und 42 Fuß breit, ohne Flügel, hat aber nach dem Hofe zu drei Vorsprünge (Risalite). Es besteht aus Keller, Erdgeschoß, zwei Stockwerken und Dach. Die Wirthschaftsräume, die nach dem Bauprogramm in dasselbe Gebäude kommen sollten, sind in dem Keller untergebracht, und die beiden Treppen von Keller zu Boden zweckmäßig in die Eckrisalite verlegt/ so daß die Mitte des Gebäudes mit dem Kellergeschoß^ seinem Geräusch und seinen Gerüchen keine unmittelbare Verbindung hat. Der Kellerraum zur Aufnahme der Dampfkessel, der Dampfmaschine und der Pumpen liegt theils in der Mitte, unter Hausflur und Receptionszimmern, theils außerhalb des Gebäudes zwischen den Risaliten. Die Maschinen sind compact und zweckmäßig, namentlich fehlt es nicht an einem Vorwärmer. Kochen und Waschen wird in der bekannten Weise durch Dämpfe bewirkt. Eine Pumpe treibt warmes Wasser in ein Behältniß auf dem Boden, das alle; Räume versorgt; das kalte Wasser steigt in communicirenden Röhren. In einer Ecke des Kellergeschosses befindet sich eine Einrichtung für etwanige Einwanderer von Osten, ein kleines Zimmer, das vermittelst eines