Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 25 (1861)
- Issue
- Heft 38 (17.9.1861)
- Date
- 1861-09-17
- Page
- Seite 544 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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dem, langst für todt gehaltene Kind dieses jüdischen Don war. Der Inquisitor bewirkt hieraus die Lossprechung und Auswanderung seiner väterlichen Familie nach Holland.— Dieser erste Versuch der Verpflanzung der Novelle auf den Boden der hebräischen Literatur scheint uns ein gelungener,, indem die Schreibart eine gediegene, ächt hebräische, die Handlung eine interessante, sowie die Orts - und Personenbeschreibung eine recht lebhafte ist. Der Verfasser verspricht bei freundlicher Aufnahme dieser ersten Novelle andere bereits fertig liegende folgen zu lassen. Wir wünschten von Herzen, daß diese Hoffnung des geschätzten Verfassers recht bald in Erfüllung ginge und nicht -los ein frommer Wunsch bliebe.— Dieses Werk erschien in Lemberg 1855—1861 in fünf Heften und umfaßt im Ganzen 116 Seiten. Minder günstig ist der Eindruck, den das vor Monaten durch den „Fuß des Botschafters" (nmo b:n) verheißene, seit einigen Wochen erscheinende hebräische Wochenblatt „Der Botschafter für die Verbannten Zions" ib2b,iioo'on) auf die urteilsfähigen Leser macht. Wenn wir es bisher in Berücksichtigung der Schwierigkeiten, die eine derartige neue Schöpfung den Gründern bietet, absichtlich vermieden haben, dem allgemeinen Urtheile öffentlich Ausdruck zu geben, so erscheint es nunmehr, nachdem bereits 9 Nummern vorliegen, also Zeit genug war, die Stimmung des Lesepublikums zu sondiren und derselben Rechnung zu tragen, als eine Pflicht: die Ansicht kompetenter Literaten der Oeffentlichkeit nicht vorzuenthalten, und das um so weniger,-als man gewohnt ist, den intellektuellen Standpunkt eines Journals als den Gradmesser der Intelligenz derjenigen Gesammtheit anzusehen, aus welcher es hervorgegangen und für welche es geschrieben wird, so wie man den Werth eines Baumes nach dem Werth der Früchte beurtheilt, die er trägt. Wenn die große jüdische Masse Galiziens von der öffentlichen Meinung — ob mit Recht oder Unrecht, ist hier nicht zu erörtern — als moralisch und intellektuell tief unter dem Niveau der allgemeinen europäischen Civilisation stehend betrachtet wird, so hat man doch immer dieses Land als dasjenige bezeichnet, in welchem die hebräische Sprache und Literatur wie in keinem andern des Kaiserstaates gepflegt wird, und in der That zählt Galizien noch heute eine bedeutende Anzahl hervorragender Hebraisten mit Stolz zu seinen Landeskindern; die Juden dieses Landes sind demnach berechtigt, von einem in der zweiten Hälfte des 19ten Jahrhunderts ihrem Schoße entkeimenden hebräischen Blatte zu erwarten, daß es, mit Takt und Geschick geleitet, den Brennpunkt einer gediegenen literarischen Thatigkeit bilden, der wieder seinerseits die Radien mannigfacher zeitgemäßer Produktionen nach allen Seiten hin erleuchtend und erwärmend, anregend und belebend ausstrahlen werde. Sehen'wir nun zu, in wie fern dieses Blatt solchen gerechten Erwartungen entspricht. Schonen der Wahl des Titels TnatSab ‘nanoH und der Ueberschrift der vorangegangenen Ankündigung ->ivoo ba-*i glaubten wir ein Product jener Schule zu erkennen, die, in Talmud und Midrasch wurzelnd, an den Brüsten des Beth Hamidrasch groß gezogen, vom Pilpul sich nährend, zum Nachtheile eines geläuterten, guten Geschmackes so gern nach geistreich sein wollenden Witzworten und mehrdeutigen Phrasen hascht; jener Schule, die man selbst in Galizien für bereits erstorben, oder mindestens lebensunfähig zu halten sich berechtigt glaubte. Und wir hatten uns nicht getäuscht, wie nachstehende Blumenlese unwiderleglich darthun wird. — Am Schluffe des den Manen des verewigten Dr. B. Beer gewidmeten Nachrufes (No. 6, S. 44) wendet sich der Verfasser mit Bezug auf den gegenwärtigen Rabbiner vr. W. Landau, daselbst an die Stadt Dresden mit folgenden Trostworten:;no nViiroa Iwiar» *)3>wn nbn Wrttt! lN2N “mn oarn — risum teneatis amici! Ein schöner Trost für eine trauernde Herde; der Bär ist todt, aber der Wolf lebt noch! — Einige Zeilen früher spricht er von seinem Freunde, dem Tiefbetrauerten: iran ab ■’O qa ,i“rnab a3“>tn ab ■’a oanorsa nrvn nt* iwi na ura li-pmyono aann — Solche witzduftende, talmudischmidraschifch-rabbinische Zierpflanzen finden sich übrigens in diesem Garten hebräischer Journalistik nicht wenige. Das. (5, 37) wird die Maurerzunst zu Warschau, die sich geweigert, einen Israeliten in ihre Mitte aufzunehmen, mit den Worten ' angeredet: lärm rra’’ bin ■'obo n?itt?rpOT;a‘riöia,iQ‘>oin;bbio iiv->a — und einige Zeilen spater: r-tii^nSi lob1 tao^natt! r^rw-iaii “Oio (■;a"|it,’T,,np3,,a) draowiN'' piaso noton onai joibrart — Das. 36 spricht er die Fmcht aus, daß die Ruthenen wie die Israeliten vom Landtage nichts Gutes zu erwarten haben, was er in edlem Zorne folgendermaßen motivirt: □■ho ibtaoa (aataiaab) om •jba> oa wi'p! ,1^0-, ^02 •jibion nwrt .a^nab aböio ■o Ebenso (6, 43) •'on^in:? Saitt y"»b»rD in“1» ^bi wohn rnom irrnhoa So i-i^nus , irrb nwa ap , ■'pviiabsia^D .nw-ob nobn 101 ,a^i nanino Nach der. Mittheilung der Erklärung der polnischen Partei, daß die