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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1861-09-10 · Heft 37 (10.9.1861) · p. Seite 535

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
25 (1861)
Issue
Heft 37 (10.9.1861)
Date
1861-09-10
Page
Seite 535 (sequence 9)
Language
German
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535 OesterpejHWer Kaiser^aat^ Boökowitz, Anfang Juli.u Verspätet). Dem „Wanderer" Nr. 156 wird Folgendes mitgetheilt: „Raitz, 30. Juni. Eine Judenfamilie aus Boskowitz hatte hier eine Wohnung gemiethet und den zweijährigen Miethzins im Voraus erlegt. Als diese nun die gemiethete Wohnung beziehen wollte, ließ es. der Vermiether nicht zu, ohne aber den erhaltenen Zins zurückzustellen. Der;Pachter beschwerte sich bei dem hrerordigen Bürgermeister, doch dieser erklärte sich mit dem Verfahren des Vermiethers ganz einverstanden und meinte, ein solches sei nicht mehr als billig, denn er, der Bürgermeister, habe es sich zum Grundsätze gemacht, so lange Raitz stehen werde, dürfe daselbst kein Jude wohnen. Es scheint somit die Existenz von Raitz mit der seines souveränen. Bürgermeisters auf das Innigste verknüpft. Die betreffende Partei hat bereits gerichtlich ihre Klage angebracht, aber nur wegen Rückgabe des Miethzinses." Die Schweiz. : Aus dem Aargau, im August. (Privatmitth.) In Nächster Großrathsversammlung.wird die Organisation der israelitischen Gemeinden zur Berathung kommen. Es liegt ein Doppelvorschlag da, der von der Regierung, welcher die israelitischen Gemeinden als besondere Ortsgemeinden mit eigenem Gemeindebezirk, aus den Israeliten bestehend, behandelt, während der Vorschlag einer vom Großen Rathe niedergesetzten Commission die Angehörigen der bisherigen israelitischen Corporationen der Einwohnergemeinde zucheilen will; allein die Mehrheit der Gemeinderathe von Ober-Endingen und Lengnau mit Einschluß des Ammanns dem christlichen Glaube n s b ek en n t ui sse angehören soll. Während der Commissionsvorschlag auf liberaleren Principien zu beruhen scheint, indem er den Israeliten das Recht, in allen Gemeindeangelegenheiten mitzusprechen, vindicirt, wäre ihm ein Gemeinderath, zur Mehrheit aus Israeliten bestehend, etwas Unverdauliches. .Der Regierungsvorschlag ist eine consequente Arbeit. Ihm ist es nur darum zu thun, den Israeliten alle Bürgerrechte zu vindiciren, indem er ihnen durch Verwandlung der israelitischen Corporationen in Gemeinden das Gemeindebürgerrecht ertheilt. Die israelitischen Gemeinden hätten somit alle Gemeinderechte, Pie nicht auf Territorium Bezug haben — da. sie kein ^Territorium haben, d. h. kein GeintMdegut, Sie find der Besorgung der örtlichen Polizei, des FertigungS- und Betreibungswesens überhoben. Nächstens hierüber mehr. M. Dr. Rußland. ■ Warschau, 27. August. (N.-Z.) Der gestrigen Bekanntmachung gemäß fand heute beim neuen Statthalter im Schlosse feierlicher Empfang der Civilbehörden, der Geistlichkeit aller Bekenntnisse und der angesehensten Bürger und Kaufleute statt. Bei Vorstellung der Schulbehörden, insbesondere der Lehrer der hiesigen jüdischen Elementarschuleäußerte der Statthalter sein Bedauern, daß er deren Vorsteher und Beschützer, Hrn. Mathias Rosen, der von Warschau abwesend ist, nicht sprechen könne. Serbien. Belgrad, 8. August. (A. Z.) Sekt, einigen Tagen macht hier die Bekehrung eines jüdischen, zwölf Jahre alten Mädchens zur griechisch-orthodoxen Kirche viel von sich reden. Der Fall erinnert an die berüchtigte Mortara- Geschichte. Das genannte Kind verschwand nämlich seinen Eltern, und als diese durch die Polizeibehörden Nachforschungen änstellcn lassen wollten, erfuhren sie, daß ihr Kind nicht verloren fei, sondern bei einem Geistlichen (Popen) sich befinde, weil es den Wunsch geäußert habe, zur christlichen Religion überzutreten. Reclamationen der gesummten hiesigen israelitischen Gemeinde beim Erzbischoss um Ausfolgung des Kindes blieben ohne Erfolg und selbst die vom Fürsten Michael zu Gunsten der israelitischen Gemeinde ergangenen Befehle waren fruchtlos, weil das Kind inzwischen veranlaßt worden war, das christliche Glaubensbekenntniß abzülegen. — (Aus diesem Berichte der „Ä. Z." leuchtet nur zu sehr hervor, daß wir hier abermals eine jener grausamen Zwangstaufen vor uns haben. Die griechisch-katholische>Kirche scheint ihre Schwester um den Mortara-Ruhm zu beeiden!) Donaufürstenthümer. Magdeburg, 2. September. Das von uns zuerst gebrachte Circular des wallachischen Ministers, des Innern, durch welches die.Juden vom platten Lande ausgetrieben werden sollen, macht große Sensation im euro- 37

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